Nachbarschaftshilfe Forstern-Tading: Fahrer gesucht

Viel mehr als Essen auf Rädern

Forstern – Immer mehr Menschen nehmen das „Essen auf Rädern“-Angebot der Nachbarschaftshilfe Forstern-Tading in Anspruch. Doch dieser Zuwachs bringt die Ausfahrer an ihre Grenzen.

Die Nachbarschaftshilfe Forstern-Tading schlägt Alarm. Immer mehr Menschen nehmen ihr Angebot, sich mittags ein warmes Essen liefern zu lassen, in Anspruch. Wurden 2008 gerade 523 Essen ausgeliefert, waren es im vergangenen Jahr bereits 4578 Mahlzeiten – Tendenz steigend. Doch die Beliebtheit des Forsterner Kochtopfs, wie das Angebot heißt, lässt die Ausfahrer an ihre Grenzen stoßen. „Wir brauchen dringend Unterstützung“, sagt Helga Wilms, Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe.

Zwei Männer sorgen derzeit dafür, dass die Mittagessen montags bis freitags pünktlich bei den Kunden sind. Einer davon ist Wilms’ Mann Johannes, der seit Beginn des Kochtopfs dabei ist – mittlerweile im achten Jahr. Neben Forstern fahren sie auch die Ortschaften Karlsdorf, Reithofen, Buch am Buchrain, Preisendorf, Neumühlhausen und Amplötz an.

Bis zu zweieinhalb Stunden ist jeder der Fahrer dafür am Tag unterwegs. Im Schnitt werden täglich 20 Kunden beliefert, zu Spitzenzeiten waren es schon 25. Die Zahl schwankt, da mal Abnehmer dazukommen, wenn sie zum Beispiel aus dem Krankenhaus oder von der Reha zurückkehren. Aber es werden auch ab und zu weniger, etwa wenn Kunden in ein Heim ziehen oder eine Pflegekraft engagieren, die auch das Kochen übernimmt.

Die Fahrer sind über den Verein versichert und bekommen eine kleine Aufwandsentschädigung sowie eine Kilometer-Pauschale. „So sind wenigstens die Autokosten gedeckt. Die Fahrer sollen ja nicht noch Geld mitbringen müssen“, sagt Wilms. Denn die Strecken, die sie in ihren privaten Pkw zurücklegen, sind nicht unerheblich und werden von Jahr zu Jahr mehr. So waren die fleißigen Helfer 2015 etwa 9385 Kilometer für den Kochtopf auf Achse. „Das werden wir heuer bestimmt wieder toppen“, ist sich Wilms sicher.

Angesichts dieser Entwicklungen ist die Nachbarschaftshilfe gerade dabei, ein eigenes Fahrzeug zu erwerben. Die Idee dazu hatte Bürgermeister Georg Els bereits in der Jahreshauptversammlung im April in den Raum geworfen. Mit einem eigenen Auto könnte man die Fahrer insofern entlasten, als dass sie nicht ihre privaten Wagen nutzen müssten. Immerhin lieferten sie nicht nur Essen aus, sondern seien „ein eigener ambulanter psychologischer Dienst“, so Els.

Doch weitaus dringender als ein eigenes Auto sind zusätzliche Fahrer – allein schon, um eventuelle Krankenzeiten der Stammfahrer aufzufangen. „Wir bräuchten zum nächstmöglichen Zeitpunkt einen oder zwei weitere Ausfahrer“, erklärt Wilms. Ob Rentner, Student oder Hausfrau: Besonders von Bedeutung sei, dass die Fahrer zuverlässig sind und regelmäßig helfen können, denn gerade die Regelmäßigkeit sei für die Kunden wichtig, damit diese sich nicht an immer neue Gesichter gewöhnen müssten. Doch: „Diese Arbeit kann nicht jeder machen, das muss man mögen. Und man braucht Einfühlungsvermögen“, erklärt Wilms.

Der Kochtopf sei ein überaus wichtiger Teil der Nachbarschaftshilfe, „der für viele Senioren im täglichen Leben unentbehrlich geworden ist“, erklärt die Vorsitzende. Dass eine eigentlich so banale Sache wie das Mittagessen geregelt ist – darüber seien viele Menschen froh. Dabei ist der Kochtopf weit mehr als Essen auf Rädern: „Unsere Fahrer schauen auch, wie es den Kunden geht, und wechseln ein paar Worte mit ihnen“, sagt Wilms. „Ein kleines Schwätzchen muss auf jeden Fall sein, auch wenn sie noch viele Essen zum Ausliefern haben.“ Schließlich sei die Nachbarschaftshilfe kein Pizzaservice.

Für manche Menschen, die alleine leben, sei das Pläuschchen mit dem Fahrer das einzige Mal am Tag, dass sie mit jemandem reden können. Andere hätten zwar Angehörige, die aber nur abends nach ihnen sehen könnten. Tagsüber seien sie alleine.

Vroni Macht

Wer mithelfen will,

erreicht Helga Wilms unter Tel. (0 81 24) 71 64. Alle Infos gibt es auch online auf der Homepage www.nbh-forstern.de.

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