Die Chronik- Macher (vorne, v. l.): Franz Angermeier, Martin Lex, Anneliese Blumoser, Rita Daschinger, (Mitte, v. l.) Anna Weber, Anja von Fraunberg, Herdana von Fraunberg, Heike Kronseder, Anni Gfirtner, (oben, v. l.) Harald Krause, Vizebürgermeister Hans Rasthofer, Hans Schmid, Raphael Hackl und Bürgermeister Hans Wiesmaier. Nicht auf dem Bild: Albert Daschinger, Hermann Eschbaumer, Heinrich Haider und Dr. Thomas Hatzl. Foto: Obermeier

Gewaltiges Werk

Chronik Fraunberg: „Die größte Festschrift aller Zeiten“

Fraunberg – Ein gewaltiges Werk mit unzähligen Geschichten und noch mehr Geschichte aus der Gemeinde Fraunberg ist die neue Ortschronik geworden. Das Besondere: Vor allem Laien haben es zusammengestellt.

Ihre zwei Bände wiegen zusammen sieben Kilo, sie zeigen auf 1248 Seiten immerhin 111 Beiträge von 25 Autoren, illustriert mit mehr als 1200 Fotos, Post- und Landkarten, Urkunden und Grafiken. Die Rede ist von der Chronik Fraunberg, „der größten Festschrift aller Zeiten“, wie Bürgermeister Hans Wiesmaier bei der Präsentation stolz jenes gewichtige Werk betitelt hat, das in einer Auflage von 1000 Exemplaren rechtzeitig zur Eröffnung des neuen Gemeindezentrums fertig wurde.

Doch nicht professionelle Historiker haben in nur dreieinhalb Jahren, seit Mai 2013, die vielen Geschichten und Illustrationen zusammen getragen, sondern interessierte Laien. Unter Führung und Motivation von Anni Gfirtner, Gemeinderätin und Kulturreferentin in Fraunberg, fand sich schnell ein rundes Dutzend – „ein Querschnitt vom Akademiker bis zur Hausfrau“ (Gfirtner) – das all das Wissenswerte aus der Gemeinde sammelte.

Vor allem Anneliese Blumoser aus Riding, die auch privat Ahnenforschung betreibt, und Rita Daschinger aus Furtmühle waren extrem fleißig. Sie zogen in der gesamten Gemeinde, durch immerhin über 40 Ortsteile, von Haus zu Haus. Sie fragten und baten um historische Unterlagen aller Art, schufen letztlich ein umfangreiches Geschichtspuzzle. Nicht immer öffneten sich die Türen sofort. „Bei einer Adresse“, so erinnert sich Blumoser, „waren wir 22 Mal“. Daraus entstand eine interessante und spannend zu lesende Häuserchronik, die bis ins 16. Jahrhundert zurück reicht.

„Was unser Schloss angeht“, ergänzte Herdana von Fraunberg, „sind wir sogar noch weiter zurück gegangen“. Das Schloss genießt in der Chronik denn auch einen hohen Stellenwert, „es ist schließlich ein hohes Gut für die Gemeinde“, wie Bürgermeister Wiesmaier hervorhob. Auch die Historie der örtlichen Kirche bekommt im neuen Geschichtswerk viele Seiten gewidmet.

Genügend Material

Darin erfährt der Leser, dass in deren Urbau die Kirchenbesucher einst im Wasser stehen mussten und, dass sie nahezu gleich alt ist wie das Fraunberger Schloss. „Das war eine jener Storys, die mich besonders gefesselt haben, quasi das Fleisch um den Knochen herum“, erzählte Martin Lex aus Kirchasch. Er arbeitet als Krankenpfleger, doch sein Hobby ist Geschichte. Und so begab sich der Historien-Fan oft in das so genannte Hofmarksarchiv, das im Staatsarchiv München untergebracht ist.

Dort konnte er aus „einem unglaublich großen Fundus“ schöpfen, und setzte dabei sein besonderes Talent ein: das Entziffern und Lesen alter Dokumente. „Denn das Amtsdeutsch war vor einigen hundert Jahren noch ganz anders als heute, viel umständlicher und länger, die Sprache teilweise schwierig“, erklärt der Heimatforscher.

Damals hatten nur Kirchen und Freiherren ihre Schreiber, und natürlich die Gerichte. „So habe ich zum Beispiel aus Übergabe-Protokollen vieles über unsere heutigen Höfe in der Gemeinde erfahren.“ Und, weil die Welt bekanntlich klein ist, fand er bei seiner tiefgründigen Forschung auch heraus, dass er entfernt verwandt ist mit Anneliese Blumoser – Familienzusammenführung per Chronik also.

„Wir hätten noch viel mehr Material, als wir in den zwei Bänden untergebracht haben“, verriet Gfirtner. „Doch wir wollten auch der etwas jüngeren Geschichte etwas Raum lassen“, ergänzte Wiesmaier. „Denn in wenigen Jahren wird die heutige Zeit ebenfalls Geschichte sein, und so haben wir Interessantes aus Schulen, aus der Verwaltung und aus unseren Vereinen mit eingewoben.“ Nur eines sollte die Chronik laut Wiesmaier nicht sein: politisch.

Schließlich wurden von Gfirtner und ihrem Team noch einige anerkannte Experten aus Erding hinzugezogen: Kunsthistorikerin Heike Kronseder etwa, die sich um das Kapitel Künstler kümmerte, oder Museumsleiter Harald Krause, ein Experte in Archäologie. Davon bietet Fraunbergs Umgebung schließlich reichlich, nicht immer zur Freude von Bauwerbern.

Ein halbes Jahr hat dann der aufwändige Druck der zweibändigen Chronik beim schwäbischen Verlag Geiger in Horb gedauert. „Wir wollten unbedingt eine hohe Qualität, haben ein sehr gutes Papier und durchgängig farbige Illustrationen“, so Gfirtner. Sie ist auch stolz auf die inneren Umschlagsseiten, auf denen die Fraunberger Urkarten von 1811 zu sehen sind.

Und sie hat eine Bitte an alle, die jetzt dieses gewaltige Werk kaufen: „Bitte behandeln Sie unsere Arbeit mit Nachsicht. Falls Sie Fehler entdecken sollten, denken Sie bitte daran, dass Laien diese Chronik geschaffen haben.“ Das Werk geht am Sonntag, 27. November, beim Tag der Offenen Tür im neuen Gemeindezentrum für 78 Euro erstmals in den Verkauf. Bis dahin ist eine Reservierung für 70 Euro unter der E-Mail-Adresse anna.gfirtner @freenet.de möglich.

Friedbert Holz

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