Von Kabarett bis Punk-Rock

Dorfen - Sechs Künstler zeigten am Samstagabend im vollen Saal des Jakobmayer ihr Talent.

Auf einem offenen Brettl kann man erste Bühnenerfahrung sammeln, zeigen, was man drauf hat, und testen, wie man mit seiner Kunst beim Publikum ankommt. Beim Oktoberbrettl, das zum dritten Mal im Jakobmayer veranstaltet wurde, war es nicht anders. Nicht alles fanden die eher schon angegrauten Gäste prickelnd im vollen Gasthaus. Dennoch: Es war ein unterhaltsamer Abend mit einer Mischung aus gewohnten, aber auch schrägen Tönen und witzigen Sprüchen von zumeist noch unbekannten Künstler.

Birgitt Binder, Kulturmanagerin des Jakobmayers, hatte die sechs Nachwuchskünstler ausgewählt. Anfragen hätte sie weitaus mehr gehabt. Jeder hatte rund 20 Minuten Zeit, sein Programm vorzustellen. Dann war fliegender Wechsel.

Als Erster ergriff Robert Eckert aka B. B. Bertl, ein echtes Münchner Kindl und Vollblutmusiker, die Gitarre und das Mikro. Geboren, als die Beatles im Circus Krone auftraten, erzählte er von der Mondlandung und seiner besseren Hälfte, sang dazu und motivierte die Anwesenden mit Liedern wie „Good luck Mr. Gorsky“ oder „Besseres Leben“ zum Mitsingen.

Egon Martin Mittermeier aus Dorfen alias Egon M. kämpfte in seinem Kabarett mit den Widrigkeiten des Alltagslebens, mit Handy, Fahrrädern oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Das Publikum konnte sich als Ehemann, Vater und Arbeitnehmer in seine Gedankenwelt gut hinein versetzen, beim Lachen hielte es sich jedoch zurück. Bekannt ist Egon M. vielen von den Auftritten mit seiner Schwester Isabella Czech als „Ehepaar“ Egon M. und Bella C..

Sepp Müller tat sich als Niederbayer in Oberbayern leichter. Mit der Hausband war er schon auf Servus TV zu sehen. Aus der Jachenau stammend sprach er über die dortigen Mehrheiten, angefangen von der CSU bis hin zu den Gebirgsschützen, die „so was wie eine GSG-Einheit sind und seit 400 Jahren die Jungfräulichkeit der Mutter Maria schützen“. Keine leichte Aufgabe, deshalb greift wohl so mancher zur Flasche. Weil die Gebirgsschützen meist auch einen landwirtschaftlichen Hintergrund haben, verwundert es auch keinen, dass sie „rote Laternen“ in München sofort mit einer „Faggezucht“ und dem dazu verwendeten Rotlicht in Verbindung bringen. Viel Applaus und Lacher gab es für seine Gedichte und Lieder, begleitet mit der Quetschn, der Klangschale der Bauern - einem Milchkannen-Deckel - oder der Flöte.

Nach der Pause gab es für das Publikum ungewöhnliche experimentelle Soundkreationen, analog und digital, elektrisch inspiriert und gespielt von sierofon aus Isen. Sierofon sind Scheraldin und Edi. Die Zuhörer nahmen die Möglichkeit, sich auch mal mit anderer Musik auseinanderzusetzen, gerne wahr.

Als Kontrastprogramm trat Alleinunterhalterin Josefine Gartner aus Neufinsing auf die Bühne. Sie erzählte von Nodering, ihrem Schulfreund Fritzi, seiner Rotzglockn, und wie er in der Schule schon immer den Anschluss verpasste. Jetzt wolle er ihr als Raiffeisenberater das Geld vom Sparbuch für andere Anlagen abspenstig machen. Lustig erzählt und gut gespielt.

Das Highlight des Abends kam für viele zum Schluss mit der Punkrock-Band Suicide Squad. Die drei jungen Burschen Ferdinand Bauer, Lukas Lachner und Adrian Schneider spielten bekannte Rocksongs und eigene Nummern. Jung, frisch und sympathisch. Nur eines mussten sie dem Publikum verweigern: eine Zugabe. Denn mehr Lieder als sie vorgespielten, haben sie noch nicht im Repertoire.

(mel)

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