Handfester Familienkrach endet mit Freispruch

Erding - Böse Worte in einem unüberbrückbaren Familienzwist brachten einen 32-Jährigen Erdinger wegen Bedrohung vor Gericht. Angezeigt hatten ihn Mutter und Bruder.

Laut Anklage hatte der Student im September zufällig Bruder und Mutter vor einem Supermarkt getroffen, mit denen er schon lange zerstritten ist. „Du wirst bluten“, soll er dabei seinem Bruder gesagt und beiden gedroht haben: „Wenn ich euch das nächste Mal sehe, seid ihr tot“.

Dass er sich mit den beiden längst nicht mehr versteht, räumte der Angeklagte ein. Seine Eltern hätten sich getrennt. Dabei habe seine Mutter gegen seinen Vater „mit Lügen und Betrügen agiert“. Er habe gar keine andere Möglichkeit gehabt, als seinen Vater zu unterstützen und schließlich sogar gegen die 63-Jährige Anzeige beim Finanzamt mit dem Verdacht des Sozialbetrugs erstattet. Der Familienzwist ist so tief, „dass er überhaupt keine Möglichkeit sieht, wieder Kontakt zu seiner Mutter aufzubauen“.

Allerdings habe er sie oder seinen 35-jährigen Bruder nicht bedroht. Stattdessen will er gesagt haben: „Das nächste Mal, wenn ich dich treffe, will ich dich auf dem Sterbebett sehen“. Dies sei im übrigen auch immer noch sein Standpunkt. Eine Mitbewohnerin, mit der er zusammen einkaufen war, bestätigte seine Äußerung, während Mutter und Bruder, obwohl sie Anzeige erstattet hatten, von ihrem Recht der Aussageverweigerung Gebrauch machten. Ihre Angaben vor der Polizei konnten deshalb nicht verwendet werden.

Weil sich so der Beweis einer Drohung nicht führen ließ, plädierte schon die Staatsanwältin auf Freispruch, den Richter Dr. Stefan Priller aussprach.

Der Angeklagten war dennoch nicht ganz glücklich. Er beschwerte sich, dass er ohne Rechtsanwalt habe auskommen müssen. Der habe eine Vorauszahlung von 900 Euro verlangt, die er nicht habe aufbringen können. Eine entgangene Gelegenheit für den Anwalt und Glück für den Angeklagten. Denn in seinem Fall des Freispruchs werden die Kosten der Staatskasse auferlegt.

(Gert Seidel)

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