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Freuen sich auf das Heimspiel: die Erdinger Fabian (l.) und Alexander Diebold sind wieder mit Kettenkarussell, Schießbude und Babyflug vertreten.

Aufbauarbeiten: Besuch bei Schaustellern und Fieranten 

„Erding ist mein persönliches Oktoberfest“

Erding – Der Countdown läuft. Am Freitag beginnt die Herbstfestzeit. Während ihre Fans seit Wochen dem Start der 76. Erdinger Wiesn entgegenfiebern, haben die Schausteller und Festwirte noch viel zu tun. Wir haben uns einen Überblick über die Aufbauarbeiten verschafft.

Die Tische in den Festzelten sind reserviert, die feschen Dirndl-Schürzen aufgebügelt. Viele Erdinger und auswärtige Gäste freuen sich auf den kommenden Freitag, wenn Oberbürgermeister Max Gotz um 16.30 Uhr im Stiftungszelt mit dem traditionellen „Ozapft is“, den Startschuss für das 76. Herbstfest geben wird.

Bis dahin ist auf dem Volksfestplatz noch viel zu tun. Seit Anfang August laufen dort die Aufbauarbeiten für das nach München und Rosenheim drittgrößte Volksfest Oberbayerns. Die Zelte und Fahrgeschäfte wollen aufgebaut, betrieben und nach dem zehntägigen Fest wieder abgebaut werden: Da ist eine 70-Stunden-Woche nich ungewöhnlich. Urlaub oder Krankheitstage? Für die Betreiber sind das Fremdwörter.

„Geht nicht, gibt’s nicht“, sagt der Egglkofener Manuel Zinnecker. Gemeinsam mit seiner Familie ist der Schausteller Stammgast auf dem Erdinger Herbstfest. Ob mit dem Freefall-Tower oder wie in diesem Jahr mit „The King“, einem bundesweit einzigartigen Überkopf-Hochfahrgeschäft: Die Zinneckers sorgen regelmäßig für Adrenalin und zittrige Hände bei den Erdinger Fahrgästen. Viel Zeit zum Vorbereiten bleibt ihnen dabei nicht. Während der Betrieb noch bis Montag auf dem Straubinger Gäubodenfest vertreten war, hat sich Manuel Zinnecker vorgenommen, bereits am heutigen Mittwoch mit den Aufbauarbeiten in Erding fertig zu sein.

Schausteller in achter Generation

Nach den zehn Festtagen geht es unmittelbar weiter zum nächsten Veranstaltungsort, das Wohnmobil im Schlepptau. Das ist gewöhnungsbedürftig. „Fakt ist, dass ich einfach kein anderes Leben führen könnte. Ich war schon als kleiner Junge immer auf den Festplätzen dabei“, erzählt der 28-Jährige. Den Betrieb führt er mittlerweile in achter Generation, gemeinsam mit Ehefrau Welda. „Natürlich müssen wir extrem spontan sein, aber obwohl man eigentlich nicht vom Festplatz runterkommt, ist das sehr abwechslungsreich. Man hat Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Leuten.“

Quasi auf dem Festplatz aufgewachsen ist die Wartenberger Familie Rilke. Jährlich ist Gabi Rilke mit Sohn René, ihren Eltern und drei Mitarbeitern mit ihrem Autoscooter in Erding vertreten. „Wir sind von Ostern bis Oktober durchgehend unterwegs“, erzählt die 55-Jährige. Von Urlaub kann jedoch auch in den Wintermonaten nicht die Rede sein. Dann ist Zeit für Reparaturen und Verbesserungen am Fahrgeschäft sowie das Schreiben der Bewerbungen für die kommenden Feste. Nur über Weihnachten können die Rilkes komplett abschalten. „Wir kennen das einfach nicht anders“, sagt Gabi Rilke. „Natürlich gibt es viele anstrengende Tage, aber dann gibt es auch wieder die schönen Momente. Erklären kann man das nicht wirklich, aber ich denke, da gehört einfach Herz dazu“, ergänzt sie.

In fünf Tagen fast 60 Stunden am Arbeiten

Die unterschiedlichsten Festplätze gesehen hat auch schon Alexander Diebold. Seit 1988 ist er selbstständiger Schausteller, zuvor hat er seinen Vater in dieser Branche unterstützt. Neben dem Schießstand betreiben er und seine Verwandten auf dem Herbstfest das Kettenkarussell und den Babyflug. Von April bis Oktober ist er gemeinsam mit Ehefrau Susanne unterwegs. „Wir sind in fünf Tagen fast 60 Stunden am Arbeiten“, erzählt er. Diebold fokussiert sich deshalb vor allem auf das Positive der nächsten zehn Tage. „Immerhin wird jetzt gutes Wetter vorhergesagt. Bisher war das immer eher suboptimal, denn wenn der Wind durch den Wagen pfeift, ist das für uns Schausteller alles andere als schön.“

Seinem Sohn Fabian würde er eine andere Berufswahl nicht übel nehmen. „Woanders hat er bezahlten Urlaub und Krankheitstage sowie geregelte Arbeitszeiten.“ In Alexander Diebold selbst schlägt jedoch ein Schausteller-Herz. Besonders in seiner Heimatstadt nimmt er die Belastung immer wieder gerne auf sich. „Erding ist einfach mein persönliches Oktoberfest“, verrät er.

Neben vielen Schaustellern und Fieranten, die regelmäßig auf dem Herbstfest sind, gibt es heuer auch ein neues Gesicht. Alwin Zinnecker feiert mit seiner Spaßfabrik Premiere in Erding. „Unter zehn Minuten kommt da sicherlich keiner raus“, sagt er mit einem verschmitzten Grinsen. Die Herbstfestbesucher erwartet ein 300 Meter langer Laufparcours inklusive Fahrstuhl, mit verschiedenen Hindernissen und einer Spaßwerkstatt.

5000 Bretter und 100 000 Nägel

In frischem Glanz erstrahlt in diesem Jahr das Stiftungszelt. Neben einem neuen, von Harry Seeholzer gestalteten Eingangsbereich wurde auch innen fleißig gewerkelt. „5000 Bretter und 100 000 Nägel haben wir im neuen Boden verarbeitet“, erzählt Zeltmeister Waldemar Kicinski. Er erwartet viele Besucher. „Ich denke nicht, dass sich die Erdinger von der Terrorlage einschüchtern lassen.“ Auch die Handwerker im Weißbräuzelt sind dieser Ansicht. „Unser Zelt ist wie in den letzten Jahren auch ausreserviert“, sagt Mitarbeiter Florian Graetzer.

Keinen Grund zur Sorge sieht auch Wolfgang Krönauer. Seit 14 Jahren betreibt er gemeinsam mit Reinhold Dangl das Cafe Palais. „Wir sind uns sicher, dass diese Terrorgeschichten übertrieben werden. Ich denke aber nicht, dass sich die Erdinger von dieser Panik anstecken lassen“, sagt der 59-Jährige. Vielmehr habe er in den vergangenen Jahren eine positive Entwicklung beobachten können. „Unser Zelt wird immer mehr auch von der Jugend besucht. Man sitzt nicht mehr zehn Stunden am Stück im Zelt und stemmt die Maß.“

Das 76. Erdinger Herbstfest dauert vom 26. August bis 4. September.

von Julia Adam

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