+
Ein Gefühl der Sicherheit vermittelten die uniformierten Polizeibeamten, die meist in Fünfer-Gruppen übers Festgelände gingen.

Herbstfest-Bilanz 

Gemütlich und sicher

Erding – Beschaulich, entspannt, familiär: So war das 76. Erdinger Herbstfest, das am Sonntagabend zu Ende ging. Auch wenn etwas weniger Besucher gekommen waren als in den vergangenen Jahren, sind Veranstalter, Festwirte und Schausteller zufrieden. Die Polizei zieht trotz erhöhter Einsätze eine positive Bilanz.

„Wir hatten ein wunderschönes, gemütliches, bayerisches Herbstfest“, sagte Oberbürgermeister Max Gotz am Montag. Er ist zufrieden – auch mit dem Sicherheitskonzept, das gegriffen habe und mit Maß und Ziel umgesetzt worden sei. Einiges davon will er beibehalten, etwa die geänderte Verkehrsführung durch den Schwimmbad-Parkplatz, die Parkplatz-Beleuchtung oder das Linksabbiegeverbot bei der Ausfahrt auf die Anton-Bruckner-Straße, das Staus vermeiden half.

„Am ersten Wochenende waren es weniger Besucher, aber es herrschte eine ganz feine Stimmung unter den Leuten“, sagte Gotz, der selbst täglich vor Ort war. Am zweiten Wiesn-Wochenende sei umso mehr los gewesen – und das, obwohl mit Rosenheim und Freising zwei Volksfeste in der Nähe parallel liefen. Gotz dankte der Polizei, die sehr präsent gewesen sei. Diese hatte Unterstützung von der Bayerischen Bereitschaftspolizei erhalten und patrouillierte in Fünfer-Gruppen übers Festgelände.

Perfektes Wetter

In den beiden Festzelten sorgten eigene Security-Teams für Ordnung. 25 Leute waren es am Wochenende und in den Kernzeiten allein im Weißbräuzelt, erzählte Festwirt Uwe Pianka und erinnerte sich: „Vor 25 Jahren haben wir mit vier Leuten angefangen.“ Heuer habe es kleinere Reibereien gegeben, aber nichts Großartiges. Er sieht die Präsenz des Sicherheitsdienstes positiv, sagt aber auch: „Man darf sich geistig nicht verrückt machen lassen.“

Auch mit dem Umsatz ist Pianka zufrieden: „Wir hatten perfektes Wiesn-Wetter. Man darf nicht jammern, auch wenn es etwas ruhiger war.“ Das habe auch daran gelegen, dass die Fanclubs des Erdinger Weißbräu fehlten, „und die haben immer besonders viel Durst“. Sie reisen heuer erst am kommenden Freitag und Samstag an – zum großen Fanfest anlässlich 130 Jahre Erdinger Weißbräu auf dem Volksfestplatz. Trotz aller Negativprognosen sei das Herbstfest gut besucht gewesen, sagte Pianka. Auch beim Bierausschank ist das Weißbräuzelt nicht weit weg von den 2015er Zahlen. Damals waren 983 Hektoliter Bier und 282 Hektoliter alkoholfreie Getränke ausgeschenkt worden.

Sehr zufrieden ist auch Klaus Richter, Festwirt im Stiftungszelt. Seit 40 Jahren ist der Familienbetrieb Römersperger-Richter auf dem Herbstfest vertreten – heuer mit neuem Zelteingang, Boden und Deko. „Wir haben viel positive Resonanz bekommen haben“, sagt Richter. Auch das Festbier sei sehr gelobt worden. Vom Umsatz her habe man die Zahlen von 2015 gehalten. Damals waren es 732 Hektoliter Bier und 307 Hektoliter alkoholfreie Getränke. „Und vom Wetter her hatten wir unbandiges Glück“, freut sich der Festwirt in dritter Generation. Traditionell ist im Stiftungszelt der letzte Wiesn-Sonntag der stärkste Tag. „Da verkaufen wir die meisten Hendl“, erzählt Richter. Aber auch der große Putensalat komme sehr gut an. Ein anderer Trend, der anhält, sind die jungen Festbesucher, die verstärkt ins Stiftungszelt strömen, vor allem an den Wochenenden, wenn die Showkapellen spielen.

Auch Schausteller-Sprecher Dieter Rilke ist zufrieden: „Eigentlich ist es recht gut gelaufen.“ Das erste Wochenende sei zu heiß gewesen, aber den Umsatz habe man an den starken Tagen unter der Woche, besonders am Donnerstag, wieder reingebracht. „Was gut angekommen ist, ist die Aufstockung des Sicherheitsdienstes auf dem Gelände“, sagt Rilke. Viele Schausteller, mit denen er gesprochen habe, seien sehr zufrieden. Vielleicht sei es bei ein paar kleineren etwas schwächer gewesen, „aber am Ende hat’s gepasst“, so Rilke. Er ist seit 47 Jahren mit den Chips-Automaten auf dem Erdinger Herbstfest vertreten und als „Zehnerl-Mo“ bekannt.

Auf 34 Jahre bringt es Josef Herrmann. So lange brät er schon Steckerlfische auf der Erdinger Wiesn. „Insgesamt war es heuer ein bisserl ruhiger als üblich“, sagt er. Es sei eine beschauliche Wiesn gewesen, „die mir persönlich sehr gut gefallen hat, weil eine tolle Stimmung unter den Leuten herrschte“. Sein Fazit: „Wenn jemand jammert, dann auf höchstem Niveau.“

700 Blasenpflaster

700 Blasenpflaster hat die BRK-Sanitätswache ausgegeben und verklebt. Dort waren an den zehn Wiesn-Tagen über 80 Sanitäter ehrenamtlich im Einsatz. Sie versorgten 60 Patienten. „Ein Drittel musste ins Klinikum Erding zur Weiterbehandlung gebracht werden“, sagt BRK-Sprecherin Danuta Pfanzelt: „Die Notfälle waren meist kreislaufbedingt. Das heiße Wetter setzte vielen zu.“ Alles in allem sei es ein ruhiges Volksfest gewesen. Ein Beispiel dafür: Die Zahl von Verletzungen durch zerbrochene Maßkrüge sei im Vergleich zum Vorjahr rapide zurückgegangen, so Pfanzelt. Dafür hatte das BRK erstmals zwei Fälle von Drogeneinnahme in Verbindung mit Alkohol zu verzeichnen.

Einen ruhigen Wiesn-Auftakt hatte die Polizei vermeldet. Der zweite Herbstfest-Freitag war für sie arbeitsintensiver (wir berichteten). „Am Samstag und vor allem am Sonntag gingen die Einsätze dann wieder spürbar zurück“, sagt Anton Altmann, Leiter der Polizeiinspektion Erding. Er meldet 20 Körperverletzungsdelikte auf dem Festgelände und dem Umfeld (Vorjahr: 18), ohne schwere Verletzungen. „Meistens führten Nichtigkeiten, gepaart mit einer entsprechenden Alkoholisierung der Beteiligten zu den Auseinandersetzungen“, so Altmann. Bis jetzt wurden acht Diebstähle angezeigt: „Besonders ärgerlich für die Heimgärten-Inhaber sind diverse Einbrüche in ihre Unterkünfte, die wohl teilweise von angetrunkenen Herbstfestbesuchern begangen wurden.“

160 Polizeieinsätze

Die Polizei hat auch ein Auge auf den Jugendschutz. So nahm sie sechs angetrunkene bis erheblich alkoholisierte Jugendliche in Gewahrsam, übergab sie ihren Eltern oder in ärztliche Behandlung. Einschreiten mussten die Beamten auch bei einem Elternpaar, das am Samstag gegen 21.30 Uhr seinen Säugling wohl im alkoholbedingten Überschwang im gefüllten Festzelt wiederholt in die Luft warf, so Altmann. Das Paar erhielt einen Platzverweis – und das Jugendamt einen Bericht.

In der Innenstadt, wo viele Herbstfestbesucher in Lokalen weiterfeierten, war die Polizei einige Male wegen Ruhestörungen, Randalierern oder betrunkenen Personen gefordert. Außerdem registrierte sie zwei Alkoholfahrten.

Insgesamt meldet Altmann 160 Einsätze. Im Vorjahr waren es 135: „Trotz dieser Steigerung verlief das Herbstfest aus polizeilicher Sicht positiv.“ Am Herbstfest waren heuer mehr Beamte eingesetzt. Besonders an den Wochenenden wurde die Erdinger Polizei von überörtlichen Kräften unterstützt.

von Gabi Zierz

Mehr zum Thema

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Umgehungen für 86 Millionen Euro

Landkreis - Der Bundestag hat am Freitag den Bundesverkehrswegeplan beschlossen und damit die Projekte beziehungsweise deren Finanzierung bis zum Jahr 2030 festgelegt. …
Umgehungen für 86 Millionen Euro

Weniger Auflagen bei der Grabgestaltung

Taufkirchen - Eine neue Friedhofsatzung soll in Taufkirchen für eine lockerere Grabgestaltung sorgen.
Weniger Auflagen bei der Grabgestaltung

Maulkorb für Sekretär Forster

Kirchberg/Friesing - Der Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung hat seinem Sekretär einen Maulkorb verpasst. Rainer Forster darf eigenverantwortlich …
Maulkorb für Sekretär Forster

BMW gegen Lkw: Fahrerin (29) hat Glück im Unglück

Kirchberg - Ein schwerer Unfall mit glimpflichem Ausgang hat sich in der Nacht auf Samstag auf der B15 Taufkirchen - Landshut ereignet. Dabei wurde eine junge Frau wie …
BMW gegen Lkw: Fahrerin (29) hat Glück im Unglück

Kommentare