Gewichtheben im Weissbräu-Zelt

Halamoda und Hollands Hitze-Helden

Erding – Gewichtheber sind auch Meister der Schnellkraft, charmante Erzähler und hitzebeständig. Die 13 Schwerathleten begeisterten die Zuschauer mit einem tollen Wettkampf im Weißbräuzelt – das lag auch an den drei Gästen aus Amsterdam.

Evita Talahatu ging durch das Zelttor, „und plötzlich stand ich in einer für mich komplett neuen Welt“, erzählt die 29-jährige Holländerin. „Ich sah die große Bühne und hielt es erst für einen Witz, dass wir dort unseren Wettkampf austragen sollten.“ Und wie sie das tat: Die Athletin des Amsterdam Dutch Strenght-Club holte 91 Relativpunkte. Das reichte allerdings nicht zum Sieg. Letztlich gewann der TSV Erding den spannenden Vergleichskampf am Samstagnachmittag im Weißbräuzelt mit 336,3:307,4 Punkten.

Das lag nicht zuletzt an Minh Tuan Dang, der mit 78 Kilogramm im Reißen und 105 kg im Stoßen 103 Relativpunkte sammelte. „Eine bundesligareife Leistung“, da waren sich die Szenenkenner einig und sahen, wie sich Dang mit einem Rückwärtssalto von der Bühne verabschiedete. „Ein bisschen Show muss sein“, sagte der 30-jährige Ausnahmeathlet danach grinsend und verschwieg dabei, dass er in den Tagen vor dem Wettkampf wahre Handstände machen musste.

Weil vier holländische Heber kurzfristig abgesagt hatten, glühten bei Dang die Drähte, um die Gästemannschaft noch aufzufüllen. Der TSV-Trainer hatte dabei ein glückliches Händchen. Die Bayerische Meisterin Claudia Pobig (Regensburg) begeisterte mit ihrer Top-Technik. Tom Brandt (München) und Paul Hölter (Regensburg) boten dem Publikum mit 115 beziehungsweise 120 kg im Stoßen spektakulären Sport. Überboten wurden sie hier lediglich von Christoph Rodenbach. Er kam auf 145 kg.

Für den 31-Jährigen war es der perfekte Einstand beim TSV Erding. Wie berichtet, wechselt er gemeinsam mit Saida Thenhart, die am Samstag verletzungsbedingt passen musste aber ihre neue Mannschaft kräftig anfeuerte, zu den Semptstädtern. Der Würzburger, der erst seit eineinhalb Jahren aktiver Gewichtheber ist und von Kitzingen in die Herzogstadt wechselte, war begeistert von der Atmosphäre im Bierzelt.

Diese Stimmung hat auch Jakob Halamoda noch einige Kilos rausgekitzelt. „Es ist schon noch etwas anderes, vor so vielen Leuten zu stehen“, sagte er. Genauer gesagt waren es fünf Kilo, um die er im Reißen seinen persönlichen Rekord auf 106 kg verbesserte. Dass er beim Stoßen an 130 kg scheiterte, nahm der 17-Jährige gelassen („Vielleicht war die Pause zu kurz“), zumal Trainer Dang vorher schon Halamodas Leistung zum Highlight des Tages auserkoren hatte.

„Das war heute sehr guter Sport“, sagte auch Wettkampfleiter Jürgen Bieber. Alle Erdinger hatten überzeugt. Simon Gotz schaffte mit 60 Kilo eine neue Bestleistung im Stoßen. Das machte den 15-Jährigen stolz, der sich vergangenes Jahr das Handgelenk gebrochen, sich nun wieder herangearbeitet hat und sich fest vornimmt: „Ich möchte schon bald mein eigenes Gewicht stemmen, um der Mannschaft helfen zu können.“ Nur dann sammelt man Relativpunkte.

Tassilo Frieß stellte seine Bestleistung ein, David Schlundt kam nach zwei ungültigen Versuchen noch einmal zurück, schaffte im dritten 78 kg und schrieb so noch fünf Relativpunkte für den TSV. Florian Bernhardt verbuchte mit 116 kg das größte Gewicht im Reißen. Für ihn war es die Abschiedsvorstellung. „Ich wechsle zum SC Pforzheim in die Bundesliga“, verriet er und fügte hinzu. „Mal schauen, vielleicht komme ich in zwei Jahren wieder zurück.“

Schon nächstes Jahr würde am liebsten Evita Talahuta zurückkommen. „Ich war schon in Berlin und Frankfurt, aber die Erdinger sind viel freundlicher“, schwärmt die Holländerin. Der Applaus, den sie nach ihrem letzten, allerdings ungültigen Versuch, erntete, war nicht nur höflicher Natur. „Sie hat soeben versucht, 20 Kilo mehr zu stoßen, als sie selbst wiegt“, hatte Sprecher Detlef Felixberger verraten.

„Mir ist die Hantel abgerutscht“, ärgerte sie sich danach kurz und freute sich dann mit Hans van Zalen, der nach 115 Kilo jubelte. „Das ist für mich ein neuer Rekord. Dabei war ich beim ersten Versuch sooo nervös, als ich da auf der Bühne stand. Wir sind solche Vergleichskämpfe nicht gewohnt, aber ich liebe dieses Ambiente.“ Und er liebe auch das Erdinger Weißbier, verriet seine Teamkollegen Talahuta und erzählte vom Vortag, als der dritte Holländer bei seinem ersten Volksfestbuch etwas zu viel Bier erwischt hatte.

Waren es zwei, drei oder gar vier Maß? Talahuta kicherte: „Es war nicht einmal eine halbe.“ Iwan Moesa nickte zustimmend, deutete kurz theatralisch Kopfschmerzen an, um dann mit seiner blitzsauberen Technik Sepp Gotz sen. zu begeistern. „Siehgst as“, sagte Erdings Mister Gewichtheben, „wir laden halt die Richtigen ein“. Das fanden die drei Holländer auch.

Die Ergebnisse:

TSV Erding: Minh Tuan Dang (Reißen letzter gültiger Versuch 78kg/Stoßen 105/Relativpunkte 103), Tassilo Frieß (53/68/21), Simon Gotz (45/60/0-aK.), David Schlundt (78/-/5,5), Florian Bernhardt (116/125/71), Christoph Rodenbach (110/145/84,6), Jakob Halamoda (106/125/51,2).

Amsterdam-Regensburg-Münhen: Evita Talahatu (61/71/91), Claudia Pobig (62/75/87), Iwan Moesa (63/80/19), Tom Brandt (100/115/44), Paul Hölter (96/120/37), Hans van Zalen (95/115/29,4).

von Dieter Priglmeir

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