Nördlicher Landkreis

Höflicher Kiffer, erstaunte Drogenfahnder

Nördlicher Landkreis – Beschuldigter kooperiert bei der Hausdurchsuchung. Er wird vom Amtsgericht Freising zu einer Geldstrafe in Höhe von 3500 Euro verurteilt.

Den Angeklagten beschreibt der Polizeibericht als umgänglichen Kerl. „Oben auf dem Dachboden müsst ihr suchen“, hatte er die Drogenfahnder in seinem Zuhause im nördlichen Landkreis empfangen. Die Durchsuchung im Februar verdankt der 37-Jährige den zunehmenden Online-Aktivitäten der Polizei. Sein Marihuana orderte der Angeklagte gern im Internet. Vor dem Amtsgericht Freising wurde dem einschlägig vorbelasteten Mann nun der Prozess gemacht. Richterin Tanja Weihönig verurteilte ihn zu einer Geldstrafe von 3500 Euro (100 Tagessätze à 35 Euro). Damit gilt der Hausmeister als vorbestraft. Nach einem vorausgehenden Urteil von 70 Tagessätzen im Jahr 2015 hatte er seinen Job am Flughafen verloren.

Sein bevorzugter Online-Shop firmiert unter der Bezeichnung „Black Market Reloaded“; wahrscheinlich bezugnehmend auf einen verborgenen Bereich des Internets, in dem auch Illegales gehandelt wird. Der Staatsanwaltschaft lag seine Bestellliste vor. Die Drogenfahnder hatten dies bei Online-Ermittlungen herausgefunden.

„Die Tür war bloß angelehnt“, berichtete ein Kripobeamter von der Durchsuchung. Die Polizisten klingelten höflich, und der Angeklagte verriet ihnen auch noch, wohin sie ihre Aufmerksamkeit auf dem Dachboden lenken sollten. Unter Gerümpel fanden sie 6,45 Gramm Marihuana. Mit einem Wirkstoffgehalt von kaum fünf Prozent war das Zeug nicht eben von gehobener Qualität. Zudem war das Gras „nicht widerlegbar zum Eigenkonsum bestimmt“, wie die Anklage feststellte.

Sorgen plagten den 37-Jährigen während der Hausdurchsuchung offenkundig nicht. Der Mann sei die ganze Zeit über entspannt geblieben, erinnerte der Kripobeamte. Unbekümmert plauderte er mit dem Polizisten, erzählte frei heraus, im Jahr 2013 schon mal Amphetamin im Netz geordert zu haben. „Mehr wollte er nicht sagen“, antwortete der Beamte, zu weiteren Erkenntnissen befragt. Zum Vorwurf gemacht wurde dem Hausmeister aber nur das unrechtmäßig bezogene Marihuana. Das bisschen Marihuana bewegte die Beamten nicht, den kompletten Ermittlungsapparat tätig werden zu lassen. Bei der geringen Menge hätten sie das Labor erst gar nicht bemüht, sagte der Polizist. Die Richterin hatte wissen wollen, auf welchem Weg ihnen die Typisierung als Marihuana gelang. „Das sah so aus, roch auch so“, antwortete der Fahnder. Der Angeklagte ist wegen Trunkenheit am Steuer und Drogen vorbelastet. Zuletzt ordneten die Behörden ein Verbot der Beschäftigung mit und der Ausbildung von Kindern und Jugendlichen an. Der Versuch der Staatsanwaltschaft, ihm einen DNA-Test aufzuzwingen, ging dem Gericht aber zu weit. Schon während der Ermittlungen war der 37-Jährige um eine Speichelprobe angegangen worden. Er lehnte ab. Zu Recht, wie Weihönig findet: Bei einem derart geringfügigen Vergehen sei ein DNA-Test überzogen.  an

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