Ein besonderes Fest: Pfarrer Jacek Jamiolkowski weihte die neue Kapelle. Foto: Lang

Kapellenweihe in Diemating

Eine Haltestelle für die innere Einkehr

Diemating - Drei Jahre lang hat Bartholomäus Bachmaier mit seiner Familie und seinem Bruder Josef eine Kapelle auf seinem Hof in Diemating errichtet. Jetzt ist sie im festlichen Rahmen von Pfarrer Jacek Jamiolkowski geweiht worden.

Nachdem die alte Kapelle hinter dem Bauernhof baufällig geworden war, hatten sich die Bachmaiers auf die Suche nach einem neuen Standort gemacht, der schnell gefunden war, als ein morscher Obstbaum gefällt wurde.

Die Hofkapelle ist zu einem Kleinod geworden und lädt jeden Vorbeikommenden zum Gebet, zum stillen Innehalten ein. Einmalig an ihr ist, dass Julia Bauer, die Künstlerin, die die Kapelle bemalt hat, als Tätowiererin in München arbeitet. Fast alle Gewerke hat die Familie Bachmaier selber ausgeführt, von der Planung über die Beton-, Maurer-, Verputz- und Malerarbeiten bis hin zum Boden fliesen.

Nur bei der Ausstattung nahmen sie Hilfe in Anspruch. Das Kupferdach und das schmiedeeiserne Kreuz wurden von Klaus Reiter aus Grumbach angefertigt, das geschmiedete Tor von Thomas Seidl aus Reithosen. Die beiden gefassten Holzfiguren, die die Apostel Thomas und Bartholomäus darstellen, kamen von der Familie Bachmaier aus Hinterholzhausen. Zudem trugen Firmen aus der Region mit großzügigen Sachspenden wie Ziegelsteine, Verputz- und sonstige Baumaterialien zur Umsetzung des Projektes bei.

„Heute feiern wir ein besonderes Fest“, meinte Pfarrer Jamiolkowski zu den vielen Gästen, die zur Einweihung der Kapelle kamen, darunter auch Hohenpoldings Bürgermeister Heribert Niedermaier. Der Pfarrer dankte allen, die geplant, gearbeitet, angeschoben, gespendet und auch gebetet haben, damit ein solches Gemeinschaftswerk gelingen konnte, und weihte die neue Hofkapelle mit den Heiligenfiguren.

Bartholomäus Bachmaier erklärte danach seine Beweggründe, warum er gerade an diesen Ort eine kleine Kapelle erbauen wollte: „Es gibt ganz besondere Orte auf unserer Erde, in unserem Leben. Orte, die uns Menschen wichtig und deshalb auch heilig sind. Wir Menschen brauchen solche besonderen Orte, weil wir an diesen Plätzen Gott näher sind.“ Auch er bedankte sich bei allen, die zum Bau und zur Vollendung der Kapelle beigetragen haben und lud zu einer Gartenfestfeier ein. Der gesamte Erlös werde gespendet, fügte er noch an.

Auch Julia Bauer ergriff noch das Wort. Die Künstlerin hat mit sehr viel Herzblut die Wände und Teile der Decke gestaltet. Ihr Konzept erläuterte sie den Anwesenden gerne. Es teile sich thematisch in drei Bereiche, erklärte sie. Auf der linken Seite befinde sich als überlebensgroße Hauptfigur Maria mit ihrem Kind, das friedlich in ihren Armen schläft. Maria senkt ihren Blick, sowohl auf das Kind, als auch auf die bäuerliche Familie, die „als Symbol für das irdische Leben“ mit ihren Kindern und mit einer Kuh auf der Wiese sitze. Marias Kleid gehe in den Himmel über. Damit nimmt Bauer Bezug auf das Lied „Maria breit den Mantel aus“. Die Wiese, auf der die Familie verweile, gehe nahtlos in die Landschaft von Diemating über. Diese Ansicht hat die Tätowiererin nach einem Foto des Ortes gemalt.

Die Landschaft nimmt etwa das untere Drittel der Wand ein. Darüber, zentral in der Mitte der Kapelle, befindet sich ein geschnitztes Kruzifix, das durch Strahlen eine Verbindung zur Malerei finde, erörterte Bauer weiter. Links und rechts neben dem Gekreuzigten, in gemauerten Nischen, stehen die Figuren der Namenspatrone der Hoferben. Auf die rechte Kapellenwand hat sie den Auferstandenen gemalt, ebenfalls als überlebensgroße Hauptfigur. Er erhebt seine rechte Hand zum Segen, sagte sie und meinte, egal, wo sich der Betrachter befinde, er werde von den strahlenden Augen Jesu angesehen. Sein Blick reiche selbst noch aus der Kapelle hinaus. Mit der linken Hand fasst er an sein Herz, das von Strahlen symbolisiert wird, in denen sich sein Körper auflöst. Unter diesen Strahlen eilen Heilige herbei, die verzückt zu ihm nach oben blicken und beten.

Bei den ausgewählten Heiligen handelt es sich um die Namenspatrone der Familie Bachmaier sowie um den Heiligen Florian und den Heiligen Sebastian. Sie nehmen Bezug auf die alte Kapelle, in der sie als Figuren früher aufgestellt waren. Durch die dreifache Abbildung Jesu, als Kind, Gekreuzigter und Auferstandener, stelle die Malerei zudem die Dreieinigkeit Gottes dar, erklärte die Künstlerin. Technisch nehme ihre Malerei Bezug zur zeitgenössischen Kunst, da die Spuren des Arbeitsprozesses nicht verwischt wurden: „Die Struktur der Wand wird ebenso genutzt, wie Vorzeichnungen sichtbar bleiben, wie Überlagerungen und Muster eingewoben werden, sowie Farbe läuft und somit den Moment des Malens in Erinnerung ruft“.

Birgit Lang

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