Beobachtung der Vegetation

Isener Kameras für die Klimaforschung

Isen - Wie wirkt sich der Klimawandel in Deutschland aus? Dieser Frage geht die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen nach. Mit im Boot ist auch der Isener Klaus Hamal mit seiner Firma Alpha 11. Er liefert Kameras zur Beobachtung der Vegetation.

Seit der letzten Augustwoche sind an vier Standorten in Norddeutschland ganz besondere Kamerasysteme zu finden. Die so genannten Phäno-Kameras sollen den Forschern helfen, die Auswirkung des Klimawandels auf den einheimischen Baumbestand zu messen. Mit den Kameras wird exakt festgestellt, wann die Bäume im Frühjahr anfangen zu wachsen, und wann sie anfangen, die Blätter zu verlieren. Waldforscher haben so die Möglichkeit, Empfehlungen an Forstämter und Kommunalverwaltungen zu geben, welche Arten von Bäumen künftig in Deutschland wachsen können und welche aufgrund des immer wärmer werdenden Klimas nicht mehr angebaut werden sollten. Entwickelt wurden die Phäno-Kameras vom Isener Klaus Hamal.

„Ich hatte im Jahr 2009 schon mal ein ähnliches System für die TU Weihenstephan entwickelt“, erzählt er. „Von diesem Projekt gab es einige Ableger in Deutschland und Österreich, und so sind die Göttinger auf mich aufmerksam geworden.“ In Weihenstephan lief es anfangs allerdings holprig, bekennt Hamal. „Damals haben wir herkömmliche Kameras verbaut. Das Problem war, dass sie nur jeweils zehn Minuten am Tag gelaufen sind. So hat sich Kondensat gebildet und die Linsen waren ständig beschlagen.“ Bei der klassischen Videoüberwachung würden die Kameras nach unten schauen. „Im Wald ist es aber umgekehrt, da müssen diese vom Boden nach oben die Bilder aufnehmen.“ So stand der Isener vor der Herausforderung, ein widerstandsfähiges System zu entwickeln, heraus kamen die Phäno-Kameras.

„Da es jetzt im ganzen Versuchsgebiet permanent Strom gibt, laufen die Kameras durchgehend und haben auch eine Heizung drin, so dass nichts mehr beschlagen kann“, berichtet Hamal. „Sie halten auch Temperaturschwankungen von Minus 30 bis plus 60 Grad Celsius aus.“

Und auch das Problem mit der Statik konnte gelöst werden. Die Isener Firma Buschmeier hat spezielle Halterungen entwickelt. „Es kann ja mal sein, dass ein größerer Ast auf eine Kamera fällt, die dann nicht gleich kaputt gehen darf“, sagt Hamal.

Eine besondere Herausforderung war am Standort in Holzminden zu meistern, da hier mit Hilfe von 30 und 40 Meter hohen Masten eine Richtfunk-Strecke für die Übertragung der Bilder errichtet werden musste. Für Hamal eine „Premiere“, da er sich eigentlich ab einer Höhe von vier Metern auf einer Leiter schon nicht mehr richtig wohlfühlt. In diesem Fall musste er seine eigene Angst überwinden und den Aufstieg bewältigen. Angenehmer Nebeneffekt für den Isener: „Oberhalb der Baumkronen hatte ich in 30 Meter Höhe eine traumhafte Aussicht über die Region, so dass der Aufstieg auch gleich belohnt wurde.“

Früher seien Studenten einmal wöchentlich zum Forschungsgelände marschiert, hätten Messungen von Hand durchgeführt und diese dokumentiert. „Da hat es natürlich viele Ungenauigkeiten gegeben“, weiß Hamal. „Jetzt wird alles via Satellit direkt ins Institut nach Göttingen übertragen, wobei aus den Videos Fotos gemacht werden.“ Er hofft, dass es bald genauere Aufschlüsse darüber gibt, „wie sich der Klimawandel bei uns auswirkt und was man von der Vegetation her dagegen tun“. Hamal findet es auf alle Fälle „sehr schön, wenn wir als kleine Isener Firma da mithelfen können“.

Wolfgang Krzizok

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