Josef Kriechbaumerist Leiter des Pfarrverbandes Isen und Dekan von Dorfen.

Zehn Jahre Pfarrer in Isen

„Stellung beziehen, wenn etwas schief läuft“

Isen – Vor zehn Jahren hat Josef Kriechbaumer seinen Dienst als Leiter des Pfarrverbands Isen begonnen. Das Jubiläum wird am Sonntag mit einem Festgottesdienst gefeiert. Wir wollten von Kriechbaumer wissen, was er am Pfarrverband schätzt und welchen Veränderungen sich die Kirche stellen muss.

Herr Kriechbaumer, sehen Sie sich als Verwalter oder als Seelsorger? Lassen Ihnen die administrativen Aufgaben genug Zeit für Seelsorge?

Kriechbaumer: Eine gute Organisation des Pfarrverbands Isen mit seinen drei Pfarreien sowie der Kuratiegemeinde Watzling ist sehr wichtig. Dann ist auch die Seelsorge leichter. Schwerpunkte werden weiterhin die vielen Taufgespräche, Ehevorbereitungen und die Trauergespräche vor Beerdigungen sein. Diese Gespräche an den Wendepunkten des Lebens sind für mich und die betreffenden Personen sehr wichtig. Auch die angebotenen Sprechstunden, zu denen ich sicher erreichbar bin, werden immer wieder angenommen. Mit einigen Leuten sind aber auch Gespräche über Gott und Welt bei einem Glas Wein sehr angenehm.

Im Pfarrverband sind Sie dafür bekannt, dass Sie gerne feiern. Was bedeuten Feste und Feiern für Sie und die Kirche?

Kriechbaumer: Da halte ich es mit Jesus, der auch oft bei Feiern dabei war. Das Christentum besteht nicht nur aus Buße und Umkehr, sondern auch aus Feiern. Wer nicht genießen kann, wird auf Dauer ungenießbar. Gerade die farbenprächtigen Feste im Ablauf des Kirchenjahrs müssen einfach gefeiert werden!

Nach zehn Jahren kennen Sie ihre Isener, Lengdorfer, Pemmeringer und nicht zu vergessen Watzlinger. Was schätzen, was vermissen Sie an den Orten und Menschen?

Kriechbaumer: Die Menschen hier sind sehr aufgeschlossen, auch für Neues in der Seelsorge. Kinder freuen sich, wenn sie mich sehen. Die Gegend lädt zum Fahrradfahren und Spazierengehen ein. Ich vermisse hier eigentlich nichts.

Man könnte also sagen, dass Isen nach zehn Jahren Heimat für Sie geworden ist?

Kriechbaumer: Ja, ich bin sehr gerne hier, seit Anfang an.

Was hat sich in den letzten zehn Jahren verändert? Merkt man auch auf dem Land, dass die Institution Kirche kritischer gesehen wird?

Kriechbaumer: Geändert hat sich die Zahl der Gottesdienst-Mitfeiernden. Sie hat sich innerhalb von zehn Jahren fast halbiert. Die Älteren leben nicht mehr oder können nicht mehr. Dafür sind viele Kinder und Jugendliche als Ministranten im Gottesdienst mit eingebunden und freuen sich auf ihren Dienst am Altar. Andere Formen von Gottesdienst wie Lagerfeuergottesdienst, Krypta-Andacht, Fackelwanderung zur Josefskapelle, Maiandachten vor Kreuzen und Kapellen haben sich nun bewährt.

Was bedeuten Reisen für Sie?

Kriechbaumer: Das Reisen habe ich vom meinem Vater geerbt. Gottes schöne Welt anzuschauen freut mich immer wieder.

Sie haben sich gegen die Autobahn ausgesprochen, beim Neujahrsempfang plädieren Sie für Menschlichkeit im Umgang mit geflüchteten Menschen. Hat die Kirche die Pflicht, Stellung zu beziehen?

Kriechbaumer: Ja, die Kirche muss Stellung beziehen, wenn etwas schief läuft. Es ist sogar ihre prophetische Aufgabe.

Das Interview führte Anne Huber

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