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Viele Erinnerungen wurden wach: Frieda Kressirer (3. v. r.) und Martina Fellermair (6. v. r.) erzählten im Pfarrheim Oberneuching aus ihrem Leben.

Erzählcafé in Oberneuching 

Vom Käfer sammeln und Kinder kriegen

 Oberneuching – In Erinnerungen schwelgten die Zuhörer beim Erzählcafé, das der Arbeitskreis Senioren und Soziales in Oberneuching angeboten hat.

Das waren noch Zeiten, als in der Schwemme Kleidung gewaschen wurde, vor der Schule ein Kirchenbesuch auf dem Stundenplan stand und das Kinderkriegen so nebenbei passierte. Doch wie war es früher genau, und war damals wirklich alles besser? Frieda Kressirer und Martina Fellermair berichteten bei „Erzähl mir aus deinem Leben“ darüber. Dazu hatte der Arbeitskreis Senioren und Soziales ins Pfarrheim eingeladen.

Umringt von Freunden, Bekannten und Interessierten waren Frieda Kressirer (93) und Martina Fellermair (76). Die beiden verbindet nicht nur eine langjährige Freundschaft, sondern viele Erlebnisse und die frühere gemeinsame Arbeit. Es war eine Art Klassentreffen. Beim Ratschen wurden Erinnerungen wach. Gesine Goetz fungierte als Moderatorin, damit auch diejenigen im Bilde waren, die nicht in Neuching aufgewachsen sind.

Oberneuching war früher in Oberdorf und Unterdorf aufgeteilt. Zum Oberdorf zählte alles, was sich oberhalb der Pfarrkirche St. Martin befand, zum Unterdorf alles unterhalb des Gotteshauses. Und dazwischen, etwa auf Höhe der neuen Ortsmitte, war eine Schwemme. Dort badeten Enten und Frösche. Und dort wuschen auch viele ihre Kleidung. Drei Kramerläden gab’s alleine in Oberneuching. Der Postbote, der zu Fuß von Markt Schwaben kam, musste den Hühnern ausweichen, die auf der Straße liefen. „Und ebenfalls von Markt Schwaben kam der Doktor mit dem Rad oder mit dem Motorrad“, ergänzte Fellermair.

Frieda Kressirer, Mädchenname Schmid, ist eine waschechte Oberneuchingerin aus dem Oberdorf. Sie stammte aus der Gastwirtschaft Neuwirt und arbeitete dort neben der Schule fleißig mit. Vor dem Unterricht ging es jeden Tag schon in die Kirche. Beim Lernen wurden vier Klassen in einem Zimmer unterrichtet. „Hat Schule früher Spaß gemacht?“, wollte Goetz wissen. „Wie man’s nimmt“, antwortete Kressirer mit einem Schmunzeln.

50 Mark Lohn für zwei Jahre

1948, zur Zeit der Apfelernte, heiratete Frieda Kressirer. Überschattet wurde die Feier vom Unfall ihres Vaters einen Tag zuvor. Ihre Mama habe für ihren großen Tag viel gekocht, erinnerte sie sich. Auch in ihrer neuen Familie mit den Schwiegereltern fühlte sie sich wohl.

Ganz anders war es bei Martina Fellermair, geborene Wittmann. Die ebenfalls aus dem Oberdorf stammende 76-Jährige musste bereits mit zwölf Jahren beim Nachbarn arbeiten. „Käfer sammeln war damals Kinderarbeit. Fürs Kartoffelkäfer-Klauben haben wir sogar schulfrei bekommen“, weiß sie noch. Die Landwirtschaft prägte den Ort. „Bis auf fünf Häuser hatten damals alle Kühe, manche auch Ziegen. Ich bin später neben den Ochsen hergelaufen“, erinnert sie sich.

„Ganz alleine? Was ist denn passiert, wenn sie dir ausgekommen sind?“, wollte Goetz wissen. „Die Ochsen sind dann heim. Dann war Stallarbeit und ich habe Heu abgeladen. Mein Lohn war für zwei Jahre 50 Mark. Und alle Jahre gab es ein Schürzl und ein Gewand. Aber hauptsächlich haben wir für das Essen gearbeitet“, sagte die 76-Jährige.

Später arbeitete sie auch zwei Jahre bei Frieda Kressirer. „Bei ihr habe ich Kochen und Backen und vor allem das Kiache machen gelernt. „Frieda war meine zweite Mama“, sagt sie über die Vierfach-Mutter. 1958 machte Martina Fellermair sogar einen Melkkurs bei ihr. Die beiden mögen sich. „Ich gehe heute noch gerne zur Frieda.“

Oft war ihr Kressirer auch eine Ratgeberin. Denn die Schwiegereltern in spe waren von Martina Wittmann nicht begeistert. „Wir durften nicht heiraten, weil kein Platz war“, sagt sie über die damaligen Verhältnisse. Erst 1964 feierte sie Hochzeit mit ihrem Sepp. Da hatten die beiden schon zwei Kinder. Gemeinsam mit den Schwiegereltern teilten sie sich eine Küche. „Ich habe Kaffee in der Mansarde im Kinderzimmer gekocht“, sagt Fellermair mit einem Schmunzeln. „Es war trotzdem eine schöne Zeit, denn es gab noch viel Zusammenhalt“, blicken beide zurück.

So wurde geratscht statt in den Fernseher geschaut. Denn den gab’s noch nicht. Auch ums Kinderkriegen wurde kein großes Aufhebens gemacht. „Eine Geburt ist ja keine Krankheit. Ich hab’ kein Buch gehabt zum Lesen“, sagte Fellermair. Auch für Kressirer war das Kinderkriegen die normalste Sache der Welt.

Flüchtlinge: Auch früher Vorbehalte

Das Thema Flüchtlinge bestimmte auch die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. „Sehr viel Abwehr und Vorbehalte gab es damals auch“, erinnerte sich eine Zuhörerin. Beim Alten Wirt fanden die Flüchtlinge Unterschlupf im Saal. Von dort aus wurden sie in Privathäuser verteilt. Die älteren Flüchtlingskinder kamen oft zu den Bauern zum Arbeiten. Dort hatten sie genug zu Essen. Oft kamen auch Städter aufs Land, denn hier gab es Mehl, Butter und Eier.

Die nächste Aktion

des Arbeitskreises ist der Seniorennachmittag am Sonntag, 27. November. Mit dem Pfarrgemeinderat wird ab 14 Uhr beim Alten Wirt Advent gefeiert.

Daniela Oldach

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