Kunstprojekt: Kinder machen Druck

Bockhorn - „Grünbach gestern, heute und morgen"- unter diesem Motto stand ein Kunstprojekt, bei dem sich alle 125 Grundschüler in Bockhorn als Drucker betätigt haben.

So wird aus Grünbach gedruckte Kunst: Die Landschaft rund um den Ort ist für Justin das beste Motiv, Paulina und Emma sind fasziniert von einem steinernen Kruzifix auf dem Friedhof, Mirac findet das Kassenhäuschen am Fußballplatz toll und Carina Schafe auf einer Wiese. Das alles bannten die Viertklässler der Grundschule Bockhorn in einem Kunstprojekt auf große Papierbögen - per Steindruck, also Lithografie. Mit ihren Klassenkameraden ließen sie sich vom Grünbacher Rudi Strasser in das alte Handwerk einführen. Das war teilweise schwere Arbeit. Die Druckformen aus Solnhofer Platten wiegen mehrere Kilo, und das Pressen erfordert auch ganz schön Kraft.

Kunstausstellung mit 1200 Bildern

Nicht nur die Viertklässler, sondern alle 125 Grundschüler in Bockhorn versuchten sich unter Strassers Anleitung als Drucker. Die Jüngsten stempelten mit ihren Daumen Bilder im Hochdruckverfahren. Tiefdruck stand in der zweiten Klasse auf dem Stundenplan. Da ritzten die Kinder ihre Motive mit Nägeln in Spezialfolien, die dann zur Druckvorlage wurden. Bunte T-Shirts entstanden in der Dritten. Die knalligen Motive brachten sie per Siebdruck auf den Stoff.

Alles zusammen ist ein mehrwöchiges Kunstprojekt der ganzen Schule unter dem Motto „Grünbach gestern, heute und morgen“. Insgesamt 1200 Bilder sind dabei entstanden, die bei der großen Jubiläumsfeier der Ortschaft gezeigt werden. Die Ausstellungseröffnung ist am Sonntag, 29. Mai (Festprogramm siehe unten). Außerdem hat Strasser diese Kooperation zwischen Kultur und Schule beim Wettbewerb „Mixed Up“ eingereicht. Dabei hat das Bundesfamilienfamilienministerium Preisgelder von insgesamt 15 000 Euro ausgelobt.

Am Anfang des Schulprojekts stand eine Wanderung nach Grünbach. Mit Fotos und vielen Eindrücken kehrten die Kinder zurück. Dann folgten ein paar Tage Zeichnen und am Ende schwere Arbeit. „Die Kinder haben sich ein Motiv ausgesucht und haben dann geübt, es seitenverkehrt zu zeichnen“, erzählt Strasser über den Start der Steindruck-Stunden. Schließlich mussten die jungen Künstler am Ende ihr Bild flüssig auf Solnhofener Kalkplatten zeichnen können. Radieren oder sonstige Tricks gibt es da nicht.

Die Lithografie ist ein Flachdruckverfahren. Das heißt, die Vorlage ist eben. Das Prinzip beruht auf dem Gegensatz von Fett und Wasser. Die Kinder zeichnen ihr Motiv mit einem Fettstift auf den Kalkschiefer. Dann wird die Platte gewässert. Der Fettstift-Strich stößt die Flüssigkeit ab. Wenn im nächsten Schritt der Stein mit der wiederum öligen Druckfarbe bestrichen wird, dann bleibt diese nur dort haften, wo kein Wasser ist - also auf den Linien der Zeichnung. Papier draufpressen, fertig ist der Druck. „Das ist wie Zauberei“, sagt der gelernte Drucker. Der 63-Jährige ist seit Anfang des Monats im Ruhestand, ist aber immer noch selbst fasziniert von diesen Vorgängen.

„Ich habe nur Wege aufgezeigt“

Für Strasser ist es nicht das erste Kunstprojekt mit Kindern. 2015 war er schon mit einer Rizzi-Bilder-Aktion an der Grundschule Bockhorn. Den Steindruck hat er jungen Drucklehrlingen schon öfter bei Ferienprogrammen beigebracht. Als heuer Schulleiterin Friederike von Fraunberg mit der Idee auf ihn zukam, alle 125 Kinder in das Projekt einzubinden, „da habe ich erst einmal geschluckt“, erzählt der Grünbacher. Schnell war er aber Feuer und Flamme. Und jetzt ist er richtig stolz auf die Mädchen und Buben: „Das sind super Bilder, sehr feine Arbeiten.“ Dabei wollte er den Kindern nichts vorgeben. „Ich habe ihnen nur Wege aufgezeigt, was sie machen können.“

Seine eigene Kreativität lebt Strasser unter anderem als Maler aus. Die Genauigkeit hat er im Beruf geschult. 1967 begann er seine Ausbildung zum Schriftsetzer in Pocking. Mit dem Aufkommen des Fotosatzes in den 1980er Jahren war die Kenntnis des Bleisatzes nicht mehr viel wert. Mit den neueren Drucktechniken arbeitete der gebürtige Niederbayer, der wegen der Lieber zu seiner Frau Helene nach Grünbach gezogen war, bis 2005 beim Oldenburg-Verlag. Dann folgten eine Umschulung zum Mediendesigner, Arbeit bei Künstlerfachbedarf Boesner in Forstinning und nun der kreative Unruhestand.

Ein Ergebnis von Strassers Schaffensdrang ist unter anderem das Logo für „1200 Jahre Grünbach“. Die Besucher des Jubiläums können ihn auch als Drucker in Aktion sehen. In einer Künstlerwerkstatt will er 100 Lithografien einer seiner Zeichnungen drucken - eine Ansicht von Grünbach. Der Erlös fließt in die Festkasse.

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