Vor Gericht

Mittäterin beim Missbrauch der Tochter?

Landshut/Südlicher Landkreis – Ein IT-Berater aus dem südlichen Landkreis Erding soll seine perversen sexuellen Fantasien an der sechsjährigen Tochter seiner Geliebten ausgelebt haben. Die Mutter, eine 43-jährige Angestellte aus dem Kreis Ebersberg, soll ihr Kind vor den Übergriffen mit Medikamenten betäubt haben, damit sich der 46-Jährige in aller Ruhe an dem Mädchen vergehen konnte.

Das war beim ersten Termin des Prozesses vor der Jugendkammer des Landgerichts Landshut bekannt geworden. Gestern wurde die Verhandlung fortgesetzt. In der Zwischenzeit war geklärt worden, ob die der Beihilfe angeklagte Mutter auch als Mittäterin verurteilt werden kann.

Nach Rechtsgesprächen zwischen der Staatsanwaltschaft, Verteidigern und Berufsrichtern der Kammer habe man sich darauf geeinigt, dass man sich bei der Angestellten im Falle eines umfassenden Geständnisses auf einen „minder schweren Fall“ einigen könnte, erläuterte Vorsitzender Richter Oliver Dopheide gestern.

Die wiederholte Tatbegehung ebenso wie die Verletzung des besonderen Vertrauensverhältnisses zur Tochter sprächen war dagegen, so der Richter. Andererseits wäre man ohne Geständnis auf reine Indizienbeweise angewiesen. Zu berücksichtigen sei außerdem, dass die Taten bereits viele Jahre zurücklägen und die 43-Jährige laut dem Chatverkehr zwischen ihr und dem mutmaßlichen Täter auch die Beendigung der Übergriffe betrieben habe.

Bei dem Angeklagten, so der Vorsitzende Richter, kämen keinesfalls „minder schwere Fälle“ in Betracht. Der IT-Berater muss demnach mit einer Freiheitsstrafe zwischen sechseinhalb und siebeneinhalb Jahren rechnen, wobei die drei Jahre einbezogen werden, die er gerade wegen des sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen verbüßt. Der Mutter wurde dagegen eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren auf Bewährung in Aussicht gestellt.

Laut Anklage hatte sich das Paar im Jahr 2005 im Internet kennengelernt. Schon nach wenigen Treffen soll der 46-Jährige seiner Bekanntschaft seine sexuellen Fantasien geschildert haben: bis hin zum Vaginal- und Analverkehr mit Kindern. Die Angestellte, die eine dauerhafte Beziehung mit dem IT-Berater anstrebte, so die Anklage weiter, habe sich aufgeschlossen gezeigt und sich bereit erklärt, ihm ihre damals sechs Jahre alte Tochter zur Verwirklichung seiner sexuellen Fantasien zur Verfügung zu stellen.

Sie soll ihm sogar „Narrenfreiheit“ zugesichert haben. Ab Mai 2006 soll es über ein Jahr hinweg in der Wohnung des 46-Jährigen im südlichen Landkreis zu mindestens sieben sexuellen Übergriffen auf das kleine Mädchen gekommen sein.  ötl

Der Prozess wird am 19. September fortgesetzt. Dann wollen sich unter anderem die Angeklagten äußern.

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