Ausdrucksstark las die Schauspielerin Bettina Mittendorfer aus Lena Christs „Erinnerungen einer Überflüssigen“. foto: and

Lesung von Bettina Mittendorfer: Lachen und weinen mit Lena Christ

Erding - Die bayerische Schauspielerin Bettina Mittendorfer gastierte mit ihrem literarischen Soloprogramm in der Stadtbücherei Erding.

Bettina Mittendorfer las vor rund hundert Zuschauern, 95 Prozent davon Frauen, aus Lena Christs „Erinnerungen einer Überflüssigen“ aus dem Jahre 1912. Und das machte sie so gut, dass das Publikum in der Stadtbibliothek eineinhalb Stunden lang gebannt lauschte. Ihr ausdrucksstarker szenischer Vortrag ließ Bilder von den harten, grausamen, aber auch fröhlichen Momenten in Lena Christs Leben entstehen.

Das Mädchen wächst, von der Mutter verlassen, bei den kleinbäuerlichen Großeltern auf - mit Liebe und in Freiheit auf dem Land. Als Siebenjährige wird sie von der Mutter, die sie niemals zuvor gesehen hat, nach München geholt. Dort muss sie in der Gastwirtschaft des Stiefvaters mithelfen. Malträtiert vom Hass der Mutter flieht sie in die Ehe mit einem Buchhalter, der aber bald zum Alkoholiker wird und Lena verprügelt. Nach der Scheidung und etlichen Lungenentzündungen trifft sie den Schriftsteller Peter Benedix, der sie zum Schreiben bringt.

Christ verfasste ihre Dialoge in Mundart, die Mittendorfer beeindruckend echt wiedergibt. In authentischem und etwas altertümlichem Bairisch lässt sie Lena lebendig von ihrer Kindheit, ihren Wünschen und Sorgen erzählen. Die 42-Jährige zitiert vergessene Ausdrücke, spielt mit der Sprache und lässt die Zuhörer teilhaben an den Gefühlen der Autorin. Sie lacht, singt, schwärmt und weint als Lena Christ, und das Publikum hat ein leibhaftiges Bild vor sich.

Die Schauspielerin beschäftigt sich seit zehn Jahren mit den Büchern von Lena Christ. Das erste Soloprogramm, „Der Traum der Lena Christ“, inszenierte ihr damaliger Mann, der Theaterregisseur Jörn van Dyck. Vor fünf Jahren veränderte sie ihr Programm und zeigte eine Collage mehrerer Stücke. Mittlerweile ist eine Lesung daraus geworden. „Ich habe gemerkt, dass das Theaterspielen gar nicht mehr nötig ist. Es reicht, wenn ich lese, die Leute sehen alles mit ihrem inneren Auge“, sagt Mittendorfer, die Engagements an verschiedenen Theatern hatte und für ihre Filmrolle in „Eine ganz heiße Nummer“ den Bayerischen Filmpreis erhielt.

Für ihre Lesung kürzte sie den Roman auf die prägnantesten Stellen und freute sich, dass sie in ihrer Auswahl bei einer Lena-Christ-Tour durch München bestätigt wurde. Stadtbibliothekarin Ingrid Müller Hess zeigte sich ergriffen von der Lesung und bedankte sich bei der Schauspielerin für dieses Erlebnis.

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