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Kistenweise Kuscheltiere haben die Orienthelfer nach Jordanien gebracht. Dabei war Andi Starek, der viele der plüschigen Spielzeuge an die Kinder im Flüchtlingscamp Zaatari verteilte (r.).

Andi Starek aus Eichenried

60 000 Kuscheltiere für Jordanien

Eichenried/Zaatari – Seit einigen Jahren unterstützt der Eichenrieder Andi Starek den Verein Orienthelfer von Kabarettist Christian Springer. Bisher im Libanon tätig, war er nun erstmals in Jordanien auf „kuscheliger“ Mission.

Pinke Schweinchen, flauschige Hasen mit Halstuch, Teddybären in Latzhosen: Die plüschigen Tierchen stapeln sich in großen Kartons. In vielen Kartons. Immerhin hat der Verein Orienthelfer in den vergangenen Monaten 60 000 Stück gesammelt – und sie nun an Flüchtlingskinder in Jordanien verteilt. Mit dabei war der Eichenrieder Andi Starek (46), der sich seit einigen Jahren für den Hilfsverein von Kabarettist Christian Springer engagiert.

Viele Kinder kamen als Babys ins Lager

An Kuscheltiersammelstellen, zum Beispiel in einem Münchner Blumenladen, konnte jeder Teddybären & Co. abgeben. Zudem haben Schüler ihre Kinderzimmer nach nicht mehr gebrauchten Stofftieren durchforstet und sie mit zur Schule gebracht – „auch im Landkreis Erding“, erzählt Starek, der selbst unzählige Viecherl abgeholt und eingesammelt hat. Vom kleinen Glücksbringer bis zum riesigen Kuschelfreund: Wichtig war nur, dass die Tiere vor der Abgabe gewaschen wurden.

Per Flugzeug kamen die plüschigen Spielzeuge nach Jordanien. Dort, in der Wüste, nur etwa zehn Kilometer von der syrischen Grenze entfernt, steht die gigantische Containerstadt Zaatari. Ende Juli 2012 wurde das Lager in nur neun Tagen aus dem Boden gestampft. Was als Provisorium begonnen hat, ist inzwischen auf einer Fläche von zwölf mal sechs Kilometern zur Heimat von 80 000 Menschen geworden. Ausschließlich Syrer leben in dem Lager, mehr als die Hälfte davon sind Kinder.

„Ihnen wollten wir mit den Kuscheltieren ein Lächeln aufs Gesicht zaubern“, erzählt Starek. Eine kuschlige Mission, die geglückt ist: „Die Kinder haben sich sehr über die Stofftiere gefreut“, erzählt der Vater einer erwachsenen Tochter. Er ist betroffen davon, wie viele Kinder im Lager leben. „Manche sind schon als Babys nach Zaatari gekommen und leben seit Jahren dort. Sie kennen nichts anderes als das Lager, weil sie keine Erinnerung mehr an ihre Heimat Syrien haben“, sagt Starek.

Die ersten Viecherl haben er und seine Kollegen von den Orienthelfern vor Ort verteilt, darunter der neue Geschäftsführer Michael Bauer, Projektmanagerin Andrea Portenlänger und Mitarbeiter Bilal Hallatwi. Der Syrer hatte sich schon im Libanon für die Orienthelfer engagiert und ist nun als Festangestellter in Deutschland unter anderem als Dolmetscher tätig. Unterstützung kam auch von der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen UNHCR (United Nations High Commissioner for Refugees).

Die kommenden Monate wollen die Orienthelfer nutzen, um neue Projekte für Jordanien voranzutreiben. Sie möchten beispielsweise mehr für die Bildung vor Ort tun. „Wir wollen dort noch mehr bewegen“, sagt Starek.

Auch, wenn die Ansammlung von Containern mit Wellblechwänden und Zelten auf den ersten Blick chaotisch wirken mag: „Zaatari ist wie eine richtige Stadt in verschiedene Viertel eingeteilt. Es gibt eine intakte Infrastruktur mit Schulen und Einkaufsmärkten“, beschreibt Starek die Situation vor Ort. Im Gegensatz dazu seien die Zustände im Libanon zum Teil katastrophal.

Während Starek zum ersten Mal in Jordanien war, hat er den Libanon schon sechsmal als Orienthelfer besucht. Im Oktober 2015 war der 46-Jährige dort, um die Bewohner im Umgang mit Feldküchen zu schulen. „Indem wir den Menschen dort beibringen, wie sie mit den Küchen umgehen, können jetzt viele Leute versorgt werden“, erzählt der gelernte Koch Starek. Erst kürzlich haben die Orienthelfer wieder zehn Feldküchen von der Bundeswehr und einige weitere von privaten Organisationen bekommen, die bald im Libanon zum Einsatz kommen. Die Schulungen vor Ort wird wieder Starek übernehmen.

„Hört auf mit dem Wahnsinn!“

Bei all diesen Einsätzen sind die Orienthelfer übrigens nicht in Kriegsgebieten unterwegs, betont Starek mit Blick auf die Angriffe auf Fahrzeuge der Orienthelfer im syrischen Aleppo. Mit dieser traurigen Nachricht beherrschte der Verein vor drei Wochen die Schlagzeilen. Ein Sanka und das Feuerwehrauto, das 2013 Uli Hoeneß Springers Orienthelfern geschenkt hatte, wurden von Bomben zerstört. Alle fünf Insassen – Zivilschutzhelfer mit den weißen Helmen – kamen ums Leben.

„Hört auf mit dem Wahnsinn! Nun ist auch das dringend benötigte Drehleiterfahrzeug zerstört worden. Die Insassen sind keine Kämpfer, sondern Helfer. Aber sie werden getötet, die Fahrzeuge zerstört. Damit sind die eingeschlossenen Zivilisten wieder hilfloser und verlorener als sie sowieso schon sind. Warum?“, schreibt Springer dazu auf der Facebookseite der Orienthelfer.

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