Wohnungssuche anerkannter Asylbewerber

Bleiben ohne Bleibe

Moosinning – Nach der anfänglichen Freude, sechs Asylbewerber aus Eritrea anerkannt nennen zu können, steht der Helferkreis Asyl in Moosinning vor einem neuen Problem: der Wohnungssuche.

25 Flüchtlinge leben in der Gemeinde Moosinning. Sechs davon sind seit mehreren Monaten anerkannt und haben die offizielle Erlaubnis, in Deutschland zu bleiben. Der Haken: Mit der Anerkennung ist das Landratsamt nicht mehr verpflichtet, sie in den angemieteten Flüchtlingsunterkünften wohnen zu lassen. Sie werden derzeit aufgrund des stark nachlassenden Flüchtlingsstroms lediglich geduldet.

Doch wie Claudia Holzer vom Helferkreis Asyl im Gespräch erklärt, ist es alles andere als leicht, eine Alternative zur Flüchtlingsunterkunft für die so genannten Fehlbeleger zu finden. Auf dem angespannten Wohnungsmarkt im Landkreis scheint es keinen Platz für sie zu geben.

Seit März sucht Holzer nach Unterkünften für die jungen Männer – erfolglos. „Dabei sind wir anspruchslos. Ein kleines Zimmer würde völlig genügen“, betont sie. Auf rund 90 Zeitungsannoncen und Angebote aus dem Internet habe sie reagiert – auf Hilfsbereitschaft gestoßen sei sie dabei nicht. Zahlreiche Vermieter hätten Beschimpfungen durch die Telefonleitungen geschickt. „Teilweise haben sie ihren Frust an mir ausgelassen oder mich beschimpft“, bedauert Holzer. Sie ist sich sicher: Nach wie vor kreisen viele Vorurteile ums Thema Asylbewerber, denn Sorgen um sein Geld müsste sich niemand machen. „Das Jobcenter würde für die Miete aufkommen und dafür sorgen, dass sie pünktlich ankommt“, weiß Holzer.

Auch Helferkreissprecher Manfred Böhm kann die Problematik nicht nachvollziehen. „Natürlich ist der Wohnungsmarkt angespannt und ich kann es auch verstehen, wenn Vermieter Bedenken haben, Unbekannte einziehen zu lassen. Aber sie sollten sich darauf einlassen. Es kann eine sehr schöne Erfahrung sein, wenn man wegkommt von Vorurteilen“, sagt er.

Lediglich drei von den rund 90 Wohnungen durfte der Helferkreis besichtigen. Sie seien jedoch zu schlecht an öffentliche Verkehrsmittel angebunden gewesen. Und „das Einzige, was die Asylberechtigten brauchen ist eine Bus- oder S-Bahn-Anbindung, um in die Schule fahren zu können“, sagt Holzer.

Sie betont die Dringlichkeit der Wohnungssuche, denn sobald die jungen Männer nicht mehr in der Unterkunft geduldet werden, gelten sie als obdachlos und die Gemeinde ist zuständig. „Wenn sie zum Beispiel Pensionszimmer mietet, wird das auf die Dauer teuer“, betont Holzer.

Ein solcher Fall könnte in Moosinning bald auftreten, denn einer der Asylberechtigten erwartet seine Ehefrau samt Kind. „Da läuft gerade das Verfahren, aber sie könnten sehr bald nach Deutschland kommen, und dann können sie nicht mehr im Auweg leben“, erklärt Holzer und begründet ihre Aussage mit den 17 anderen Männern, die in dieser Unterkunft leben. Es gebe keinen Platz für zwei weitere Personen, und das Kind solle nicht mit so vielen Männern unter einem Dach leben.

Was die Situation noch schwieriger mache, sei die Tatsache, dass nur im Landkreis Erding nach einer Wohnung gesucht werden kann, da die Asylberechtigten den Kreis nicht verlassen dürfen, solange sie Geld vom Jobcenter erhalten, wie Holzer erklärt. Auch auf dem Moosinninger Gemeindegebiet seien einige Wohnungsangebote abgelehnt worden, sobald klar wurde, dass es sich bei den potenziellen Mietern um Asylberechtigte handelt, wie Holzer bedauert. Begründet worden sei das mit dem Risiko, andere Mieter zu verlieren. „Ich hoffe, dass sich noch ein paar umstimmen lassen. Sonst befinden wir uns wirklich in einer ausweglosen Situation“, bedauert Holzer.

Wer Wohnungsangebote

machen kann, erreicht Manfred Böhm unter Tel. (01 70) 2 95 57 04.

Julia Adam

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