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Frauenarzt feiert Freispruch mit seinen Töchtern

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Von: Hans Moritz, Kathrin Brack

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Michael B. umarmt eine seiner Töchter nach dem Freispruch. Die beiden Frauen stammen nicht aus der Ehe mit Brigitte B. © Hans Moritz

Landshut/Erding - Paukenschlag im Mordprozess gegen den Erdinger Gynäkologen Michael B.: Das Schwurgericht hat den 55-Jährigen am Montagmorgen vom Vorwurf des Totschlags freigesprochen.

Als das Urteil gefallen ist, brechen die beiden jungen Frauen in Tränen aus. Sie umarmen ihren Vater, Michael B.. Der 55-Jährige ist gerade im Prozess um den gewaltsamen Tod seiner zweiten Ehefrau Brigitte (60) freigesprochen worden. Michael B. ist ein freier Mann, mit sofortiger Wirkung auf freien Fuß gesetzt. Gleich nach der Verhandlung erkundigt sich der Erdinger bei einem Wachmann, wie es nun weitergeht, wie er in Freiheit gelangt.

Brigitte B. war im Dezember 2013 tot im Bad des gemeinsamen Reihenhauses gefunden worden. Schnell fiel der Verdacht auf ihren Ehemann, der sie - so die Anklage - im Streit erst brutal verprügelt und dann getötet haben soll. Die Täterschaft sei aber nicht eindeutig beweisbar, heißt es in der Urteilsverkündung. In dem Indizienprozess habe "vieles für ihn als Täter" gesprochen, doch der Mord an seiner Frau könne Michael B. letztlich nicht mit absoluter Sicherheit nachgewiesen werden.

Ermittlungsfehler helfen dem Angeklagten

Scharfe Kritik übt die vorsitzende Richterin in diesem Zusammenhang an der Kriminalpolizei Erding. Viele Spuren seien von den Ermittlern unsachgemäß gesichert, zerstört oder falsch ausgewertet worden, zu lang sei man von einem Unfall ausgegangen. Auch bei der Obduktion habe man gravierende Fehler gemacht: So seien Spuren im Gesicht der Toten nicht gesichert worden. "Außerdem stellt sich die Frage, wie man bei hundert frischen Blutergüssen davon ausgehen kann, dass es sich um einen Sturz gehandelt haben soll", sagte sie am Montagmorgen. Diese Fehler seien nicht zu revidieren, die Spuren für immer verloren.

Nichtsdestotrotz oder gerade deswegen könne man Michael B. den Mord nicht zweifelsfrei nachweisen. "Der Mörder läuft also frei herum", konstatierte sie, "auch wenn der Angeklagte der Täter gewesen sein könnte und nach wie vor verdächtig ist." Doch die Beweislage lasse keine Verurteilung zu. Die Staatsanwaltschaft kann nun Revision einlegen. Die drei Anwälte des Erdingers nannten das Urteil "folgerichtig". Sie hatten während des Prozesses mehrmals auf Fehler bei der Spurensicherung verwiesen.

Michael B. will sich nach dem Prozess nicht äußern. Abgesehen von seinen Anwälten spricht er mit niemandem - außer seinen Töchtern.

Kathrin Brack und Hans Moritz

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