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Normalerweise werden Mehlsäcke auf der Waage von Hans Schauer auf ihr Gewicht überprüft. Dieses Mal durften sich die Kinder wiegen lassen.

Ferienprogramm Ottenhofen

Das Mahlen ist Hans Schauers Lust

Unterschwillach – Die letzte private Mühle im Landkreis betreibt Hans Schauer in Unterschwillach (Gemeinde Ottenhofen). Einen Einblick in deren Geschichte ermöglichte der 70-Jährige im Rahmen des Ferienprogramms.

Als sein Großvater seine Mühle vor über 100 Jahren gekauft hat, war das noch nichts Ungewöhnliches, erklärt der jetzige Besitzer Hans Schauer. In Unterschwillach gab es nur einige hundert Meter flussabwärts die Keckmühle, die mittlerweile stillgelegt ist. Auch in Oberschwillach hat man in der Daschnermühle Mehl gemahlen. Betrieben wurden die Mahlwerke damals ausschließlich durch Wasserkraft – für die Teilnehmer des Ferienprogramms kaum vorstellbar.

„Erst 1911 kam die Stromversorgung dazu“, erklärt Schauer und ergänzt stolz: „Seitdem erzeuge ich Strom mit Wasserkraft. Man könnte sagen, dass ich der wohl kleinste Stromversorger Bayerns bin.“ Doch während die Unterschwillacher, Wimpasinger und Dürnberger vor einigen Jahrzehnten ihre Elektrizität noch von Schauer bezogen haben, sind es heute deutlich weniger. Aufgrund neuer Geräte wie Waschmaschinen sei das nicht mehr zu schaffen gewesen. Dennoch werden einige Anlieger nach wie vor mit Strom aus der Schwillacher Mühle versorgt.

Bis heute hat sich der 70-Jährige das Privileg bewahrt, seine Geräte völlig ohne Strom antreiben zu können. „Sie sind alle noch auf dem Stand von 1953“, erzählt er. Pro Tag können zwei Tonnen Mehl gemahlen werden.

Den Kindern ist schnell bewusst: Schauer versteht sein Handwerk. Im Alter von 16 Jahren hat er die Aufgaben seines verstorbenen Vaters übernommen. Seitdem betreibt er die Mühle. Ans Aufhören denkt der Senior aber noch lange nicht. „Ich werde auf jeden Fall weitermachen, solange es meine Gesundheit zulässt“, sagte er, und findet: „Es ist schade, dass es immer weniger Mühlen gibt.“

Und auch Schauer bekommt zu spüren, dass große Firmen das Zepter übernommen haben. Früher hat er rund fünf Tonnen Mehl pro Woche erzeugt. Mittlerweile konzentriert er sich vermehrt auf den Handel mit Getreide. Für einige Biobauern im Landkreis verwandelt er Weizen, Dinkel und Roggen dennoch regelmäßig in Mehl. „Es ist wichtig, rund 80 Prozent aus den Körnern rauszuholen. Ansonsten lohnt sich der Aufwand nicht.“

Generell könne man sich eine Mühle wie eine große Kaffeemühle vorstellen. Nachdem das Korn gemahlen wurde, wird es aufgeteilt in den Schrot und die Ausmahlung. Dieser Vorgang müsse durchschnittlich 15 Mal wiederholt werden, um letztendlich 80 Prozent Mehl aus dem Korn zu erhalten. Während Hans Schauer dieses größtenteils wieder an seine Auftraggeber verteilt, oder in fünf, zehn, zwölf, oder 25 Kilo Säcken am Hof verkauft, wird der Schrot vor allem als Schweinefutter verwendet.

Eine Kostprobe verteilte der Unterschwillacher Müller auch an seine 15 interessierten Zuhörer. Ob zum Backen von Brot, Gebäck oder Kuchen: mit einem Kilo frisch gemahlenem Weizenmehl sind sie dafür bestens ausgestattet.

Von Julia Adam

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