Lebenshaltungskosten 

Für Rentner wird es immer schwieriger

Landkreis – Das Leben in Erding ist teuer – insbesondere für Rentner. Bundesweit liegt der Landkreis dabei auf dem 23. Rang. Eine 1000-Euro-Rente ist laut der Statistik wegen des hohen Preisniveaus real nur 916 Euro wert.

Sind die Lebenshaltungskosten wie Miete, Strom, Nahrungsmittel und Kleidung im Landkreis wirklich überdurchschnittlich hoch? Ja, sagen die Erdinger Rentenexperten.

Mit verantwortlich für die hohen Lebenshaltungskosten ist die Zugehörigkeit zum Münchner Speckgürtel. Das vermutet zumindest Willi Scheib. Mit der Nähe zur Landeshauptstadt und zum Flughafen seien alleine die Wohnungsmieten schon enorm hoch. Die Statistik gibt ihm recht. Denn bundesweit auf Platz 1 liegt mit deutlichem Abstand München (1000 Euro = 767 Euro) vor dem Landkreis München (829 Euro). Äußerst kostspielig ist auch der Landkreis Ebersberg (Platz 9, 866 Euro), und auch in Freising (901 Euro) lebt nicht nur der Rentner teurer als in Erding.

Der ehemalige Erdinger SPD-Stadtrat hat deshalb mit einem solchen Ergebnis gerechnet. „Als Vorsitzender bekomme ich natürlich mit, wie es um die Mitglieder des Sozialverbands Deutschland in Erding bestellt ist, und der Großteil hat wirklich Probleme, über die Runden zu kommen.“ Das größte Problem sei dabei die Wohnungssituation: „Es muss etwas unternommen werden, sonst können sich das hier viele nicht mehr leisten.“

Siegfried Draxler, Seniorenreferent im Erdinger Stadtrat, stimmt seinem Parteifreund zu. „Oft reicht das Geld beispielsweise nicht, um sich eine notwendige neue Waschmaschine zu kaufen“, nennt er ein Beispiel.

Dass zahlreiche Rentenempfänger den Erdinger Landkreis aufgrund der hohen Lebenshaltungskosten verlassen, bestätigt die Vorsitzende des Mietervereins, Eva Kolenda: „Sehr viele unserer Mitglieder gehen stattdessen wieder in ihre Heimat, meistens die neuen Bundesländer, oder in den Bayerischen Wald und nach Niederbayern, weil es dort einfach günstiger als in dieser Ballungszone ist.“

Dass die Rentenempfänger mit einem Problem zu kämpfen haben, bemerkt auch Petra Bauernfeind regelmäßig. Als Vorsitzende der Nachbarschaftshilfe weiß sie, dass sich zahlreiche Menschen Unterstützung bei der Tafel holen müssen, weil die Rente, die sie erhalten, nicht ausreicht. „Wenn irgendwann noch eine Pflegehilfe oder eine Hilfskraft im Haushalt benötigt wird, dann sieht es richtig bitter aus“, sagt sie. Schwer haben es laut Bauernfeind besonders die Frauen, denn wenn diese zu Gunsten der Kinderbetreuung eine Arbeitspause eingelegt haben, bekommen sie entsprechend wenig finanzielle Unterstützung im Alter. „Erding ist für alle Menschen teuer, aber die Rentner trifft es am härtesten“, erklärt Bauernfeind. Deshalb sei es nicht ungewöhnlich, dass auch im hohen Alter noch kleine Jobs angenommen werden, um zusätzliches Geld verdienen zu können.

Wer jetzt auf eine Veränderung in den nächsten Jahren hofft, wird von Martina Obermaier enttäuscht. Die Mitarbeiterin im Sozialamt der Stadt Dorfen mahnt insbesondere junge Menschen zur Sparsamkeit. „Die Rentner heutzutage haben noch Geld, aber die folgenden Generationen werden mit deutlich größeren Problemen zu kämpfen haben.“ Sie hat einen Rat an alle Arbeitenden: „Stellt eure Altersvorsorge auf drei Beine.“ Gemeint ist damit die gesetzliche Rente, ergänzt durch Erspartes und eine Geldanlage wie ein Eigenheim.

Julia Adam

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