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Der Schulbus nach dem Unfall bei Pastettten. Nicolaj Eberlein (51, oben) ist Prokurist beim RVO.

Nach Unfall mit voll besetztem Bus

RVO-Prokurist: „Der Bus war nicht überbelegt“

Erding - Der am Mittwoch bei Pastetten in einen Unfall verwickelten Linienbus hatte 56 Sitzplätze. In ihm befanden sich aber rund 100 Fahrgäste, vor allem Kinder und Jugendliche. Zum Problem überfüllter Busse befragten wir Nicolaj Eberlein (51), Prokurist beim Regionalverkehr Oberbayern.

56 Sitzplätze, aber 100 Insassen. Wie geht das denn zusammen?

Eberlein: Wir berufen uns hier auf Paragraf 42 Personenbeförderungsgesetz. Der sieht im Linienverkehr Sitz- und Stehplätze vor. Im vorliegenden Fall war es ein dreiachsiger Großraumbus mit 56 Sitz- und 59 Stehplätzen. So viele waren aber gar nicht um Bus, er war nicht überbelegt.

Gibt es überhaupt Kapazitätsgrenzen?

Eberlein: Selbstverständlich gibt es die. Die finden sich im jeweiligen Fahrzeugschein. Es muss die Art des Einsatzes berücksichtigt werden. Im Reiseverkehr beispielsweise gibt es nur Sitzplätze. Im Linien- und Schulbusverkehr dürfen wir mehr mitnehmen.

Nicht selten sieht man Schulbusse, in denen sich Kinder im Gang bis kurz hinter die Frontscheibe drängeln. Ist das nicht ein enormes Risiko?

Eberlein: Die allgemeine und unsere Statistik sprechen eine andere Sprache: Der Bus ist mit Abstand das sicherste Verkehrsmittel, um etwa zur Schule zu kommen. Die Busse haben vorne alle Bügel, hinter die die stehenden Fahrgäste zurücktreten müssen. In Linienbussen, die im Schülerverkehr eingesetzt werden, erleben wir eine besondere Dynamik. Vorne ist oft alles gedrängt voll, während hinten noch Platz ist. Auch die hintere Tür ist oft dicht umlagert. Dabei muss das gar nicht sein, denn meistens steigen alle Kinder an der selben Haltestelle, nämlich der Schule, aus. Hinzu kommt: Wir bieten Bustrainings ab der Grundschule an, um Kinder auf das richtige Verhalten hinzuweisen.

Bilder: Schulbus in Verkehrsunfall verwickelt

Machen Sie dem Fahrer des Unfallbusses einen Vorwurf?

Eberlein: Nein, auf keinen Fall. Im Gegenteil, er hat alles richtig gemacht. Vor allem sein Können hat dafür gesorgt, dass niemand verletzt wurde. Wir haben hohe Sicherheitsstandards sowie langjährige und erfahrene, nach Tarif bezahlte Fahrer.

Ist ein Sitzplatz pro Schulkind realisierbar?

Eberlein: Natürlich ist das machbar, allerdings nur theoretisch. Denn dann müssten viel mehr Busse fahren, und das würde einen extremen Kostenmehraufwand bedeuten, den in diesem Fall der Landkreis, sprich der Steuerzahler tragen müsste.

Das Gespräch führte Hans Moritz.

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