Schließt einen Pakt mit der Unterwelt: Doktor Faust (M.), gespielt von Markus Hübner. Foto: prä

Das Spiel mit dem Tod

Dorfen - Die Schauspieler der Kunstfalle brachten an zwei Abenden "Dr. Faust" von Oskar Weber auf die Bühne im Jakobmayer.

Nach dem Theaterstück „Die Physiker“, das die Kunstfalle im vergangenen Jahr auf die Bühne brachte, wagten sich die Schauspieler erneut an einen Klassiker: „Dr. Faust“. Allerdings diente als Textvorlage nicht das Original von Johann Wolfgang von Goethe, sondern die Fassung des Münchner Turmschreibers Oskar Weber, der von 1943 bis 1946 in Dorfen lebte. Sein bekanntestes Stück ist „Der bayerische Jedermann“. Webers Erzählung ist an den Ursprungstext lediglich angelehnt, so fehlt das Gretchen gänzlich und auch die Wissenschaft spielt eher eine untergeordnete Rolle, dafür rückt die allzu menschliche Figur des Kaspar in den Vordergrund.

Doktor Faust, der sich der Wissenschaft verschrieben hat und deshalb unfähig ist, sein Leben zu genießen, schließt einen Pakt mit der Unterwelt. Mephistopheles verspricht ihm, all seine Wünsche zu erfüllen. Blind vor Begeisterung willigt Faust ein, dem Teufel dafür seine Seele zu verschreiben. Diesen fatalen Fehler muss Faust schließlich mit dem Tod bezahlen.

Gerhard Adams hat das Theaterstück, das an beiden Abenden im Saal des Jakobmayer gut besucht war, inszeniert und sich dabei eine Menge einfallen lassen. So symbolisierte er die rastlose Suche Fausts nach dem ewigen Glück mit Lautsprecher-Ansagen aus dem Flugzeug, gleichzeitig blätterten auf einer Leinwand in rasanter Geschwindigkeit die Namen sämtlicher Metropolen durch. Als kleiner Gag wurde am Schluss auch noch Dorfen aufgelistet.

Für die Verjüngung Fausts ließ er eine Uhr - ebenfalls auf Leinwand projiziert - zurücklaufen. Zu „Let’s Do The Time Warp Again“ („Mach den Zeitsprung nochmal“) aus der Rocky Horror Picture Show tanzte der junge Faust mit den Teufeln. Diese Einlage bekam spontanen Applaus. Auch Günther Jauchs Rateschau „Wer wird Millionär“ wurde bedient. Bei der Musik von „Ham kummst“ von Seiler und Speer, die die Ehe von Kaspar und seiner Gretl untermauerte, wippte so mancher Zuschauer mit.

Adams hatte eine feine Auswahl mit seinen Einspielungen getroffen. Sie unterstrichen trefflich den Inhalt und lockerten das Theater auf. Überhaupt gefielen die lustigen Szenen, für die der Autor Weber vor allem mit gekonntem Reim und der Figur des Kaspars gesorgt hatte, dem Publikum am besten. Michael Fröhlich gab besagten Kaspar. Er spielte den sympathischen Trunkenbold sehr überzeugend in Gestik und Mimik. Seine bairische Mundart holte das Stück in heimische Gefilde. Barbara Skerhut verkörperte ebenso gekonnt dessen Frau Gretl. Auch dieser Charakter sorgte für Wiedererkennungseffekte. Skerhut brillierte aber auch in der Rolle der Prologsprecherin und des Lukullus. Markus Hübner mimte textsicher Dr. Faust, den er in erster Linie als cholerischen Charakter darstellte. Herausragend in ihrer Rolle war Bianca Adams als Mephistopheles. Präsent und selbstbewusst zeigte die junge Mimin die verschiedenen Facetten des verschlagenen Teufels.

Bei dieser Figur und der der bösen Geister zeigte sich das Talent von Karin Adams und Marion Schwarzenböck, die für Kostüme und Maske verantwortlich zeichneten. Im glutroten Anzug mit rotem Kurzhaarschnitt war Mephistopheles eine Erscheinung, ebenso wie seine Kumpanen in schwarzem Lack und Leder. Raffiniert wurden Licht und Technik auf der spartanischen Bühne eingesetzt (Horst Binnermann und Benedikt Steinle). Die Souffleusen Gerlinde Schöngut und Barbara Skerhut hatten bei den textsicheren Kollegen wenig Arbeit.

Das Publikum belohnte die Mitglieder der Kunstfalle mit lang anhaltendem Applaus und Bravo-Rufen. (and)

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