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Ein Traum auf dem Papier der Planer dürfte das neue Sportzentrum in Schollbach, im Nordosten der Stadt werden. Der Untergrund ist derart schlecht, dass ein Millionengrab droht.  

Auf dem Vorhaben scheint ein Fluch zu liegen

Sportpark Schollbach: Planungsstopp nach Kostenexplosion

Erding - Aus der neuen Sportanlage in Schollbach wird wohl nichts. Weil bereits bei der ersten Berechnungen die Kosten von 5,5 auf fast zehn Millionen Euro regelrecht explodiert sind, zog der Stadtrat die Reißleine: Planungsstopp. Nun werden Alternativen gesucht.

Die Wortwahl in der Stadtratssitzung am Dienstagabend ließ keine Missverständnisse zu: Oberbürgermeister Max Gotz (CSU) sprach von einem “Magenschwinger” und einer “Nachricht, die man erst einmal sacken lassen muss”. Stadtbaumeister Sebastian Henrich nannte es eine “kitzelige G’schicht”. Jutta Harrer (SPD) war “geschockt”. Und der frühere Sportreferent Hermann Schießl (CSU) bekannte, “ganz schön überrascht zu sein”.

Auf dem Vorhaben Schollbach scheint ein Fluch zu liegen. Positiv war das Echo, als der Stadtrat vor zwei Jahren beschloss, in Schollbach, südlich von Williamsville direkt an der B 388 vier Rasenfelder für Ballsport anzulegen. Dann vor einem Jahr der Schock: Wegen Problemen mit dem Grundeigentümer wurde das Vorhaben zurückgestellt und kein Cent in den Haushalt der Stadt eingestellt. Der Protest in den Vereinen war groß. Im Frühjahr 2016 die Kehrtwende: Die Stadt nahm nach einer Einigung mit den Eigentümern - es wurde ein Erbbauvertrag geschlossen - die Planung wieder auf.

Projekt schießt finanziell durch die Decke

Jetzt stehen erneut alle Räder still - vermutlich für immer. Finanziell schießt das Projekt gewaltig durch die Decke OB Gotz erinnerte daran, dass man für die vier Sportflächen, darunter Fußballplätze, ein Kleinfeld und eine Arena für die Footballer einschließlich Tribüne, Parkplätze und Umkleiden, mit maximal 5,6 Millionen Euro kalkuliert habe. “Schon das war eine stattliche Summe. Immerhin reden wir hier von einer freiwilligen Leistung.”

Nach ersten Bodengutachten, Plänen und konkreten Berechnungen steht fest: “Wir bewegen uns auf zehn Millionen Euro zu. Und da können noch Risiken dazukommen.” Gotz machte klar: “So können wir das Vorhaben nicht verabschieden. Das muss in den Fraktionen noch einmal grundsätzlich diskutiert werden.” Der Stadtchef äußerte die Hoffnung, “dass die Vereine Verständnis haben. Aber das ist nicht mehr darstellbar.” Gegen diese Einschätzung regte sich kein Widerspruch.

Stadtbaumeister Henrich dröselte die Rechnung auf: Allein den Tiefbau bezifferte er mit rund drei Millionen Euro - für archäologische Untersuchungen, Zufahrt von der B388, Stellplätze, Wege, Lärmschutzwall und Unterbau der Plätze. Sicherung und Abtragung von Bodendenkmälern könnten noch hinzukommen. Laut Henrich stelle das Gefälle von rund fünf Metern in Nord-Süd-Richtung ein größeres Problem dar. “Wir müssen abtragen und aufschütten, um ebene Flächen zu bekommen. Beides ist sehr teuer.” Noch gravierender sei die miserable Bodenqualität. Bei Probebohrungen sei unter anderem Torf gefunden worden. Bis zu einer Tiefe von 50 Zentimetern müsse der Boden ausgetauscht werden. “Sonst droht die Gefahr, dass das Fundament absackt beziehungsweise die Plätze versumpfen.”

Wie weitermachen? Zwei Alternativen

Weitere 3,6 Millionen Euro veranschlagt das Stadtbauamt für den Landschaftsbau - Sportplätze, Wege, Grünflächen, Vergrößerung des Teichs, Kinderspielplatz und Ausgleichsflächen. Noch einmal 2,7 Millionen werde der Hochbau verschlingen - das rund 100 Meter lange Kabinengebäude mit Sanitäranlagen, mehreren Umkleiden, Sanitätsraum, Lagern und Garagen.

Hubert Sandtner (CSU) wunderte sich: “Erding ist doch nicht für Torf bekannt.” Er regte neuerliche Untersuchungen an. Henrich erwiderte: “Das beprobte Gebiet war ausreichend groß.” Schießl sagte, er wundere sich, warum die Baseballer Mallards direkt nebenan problemlos einen Platz realisiert hätten. Henrich erwiderte, beide Vorhaben seien qualitativ nicht vergleichbar. Die Stadt wolle bewusst keinen Bolzplatz. Schießl erinnerte die drangvolle Enge am Stadion des TSV am Volksfestplatz. “Wir brauchen dringend eine räumliche Alternative für die Footballer.” Burkhard Köppen (CSU) erklärte: “Es ist gut, dass wir heute nicht abstimmen müssen. Sonst müssten wir das ablehnen. Das geht einfach zu weit.”

Schießl und Jutta Harrer (SPD) erkundigten sich, wie es nun weitergehen könne. Ins Gespräch kamen zwei Alternativen: abspecken und Suche nach einem neuen Standort. Gotz erklärte, beides sei möglich. Allerdings werde auch ein kleinere Variante in Schollbach vergleichsweise teuer. Dazu merkte Hans Egger (Erding Jetzt) an, die Stadt habe zwar einen Erbbauvertrag, “aber es ist wohl immer noch die günstigste Variante, nichts zu tun, sondern sich nach andere Möglichkeiten umzusehen.” Denn es bestehe akuter Bedarf nach zusätzlichen Flächen. “Ja, da sind wir jetzt gefordert. Dabei hätten wir hier gerne mit ganzer Kraft losgelegt”, schloss Gotz.

 

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