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So schaut’s in Hörgersdorf aus: Nicole Schmittner bei ihrem interessanten Vortrag.

Bürgerwerkstatt oberes Vilstal

In den Dörfern stimmt die Mischung

Kienraching – Die dörflichen Strukturen im Oberen Vilstal stimmen noch und das soll so bleiben. Bei der äußerst lebendigen Bürgerwerkstatt West zum Gemeindeentwicklungskonzept im Gasthaus Hopf in Kienraching wurde viel gelacht und vor allem sehr konstruktiv zusammengearbeitet.

Insgesamt ging es darum, Perspektiven für die Zukunft dieses Gemeindebereiches aufzuzeigen. Nachdem Taufkirchens Bürgermeister Franz Hofstetter und Moderator Dr. Andreas Rapp das Ziel und die Aufgaben genauer erläutert hatten, gingen die gut 60 Anwesenden in fünf Gruppen aufgeteilt ans Werk.

Als Erster zog Stefan Tremmel für Hofkirchen Bilanz. Bereits jetzt gebe es Umnutzungen, das alte Lagerhaus und die Wirtschaft würden zur Wohnbebauung, das alte Schulhaus werde ein Bürgerhaus. Ein ausgeprägtes Vereinsleben, die Gemeinschaft in der Pfarrgemeinde und die ortsprägende Landwirtschaft würden sehr positiv gesehen. Nach Möglichkeit sollen das Gewerbe, die Firmen und die Landwirtschaft erhalten bleiben, zumal sie auch Arbeitsplätze bieten. Weitere Wohnbebauung sei nur im Einheimischenmodell gewünscht, dies sei auch in den anderen Orten der Fall.

Die Hofkirchener möchten ihren Pfarrgarten behalten, die Grundversorgung im Ort sichern, Kinderbetreuung und generationsübergreifende Baumöglichkeiten schaffen, fasste Tremmel zusammen. Wobei die bauliche Entwicklung nur in Richtung Osten gehen sollte, nicht in Richtung Oberhofkirchen, um die dortige Landwirtschaft nicht zu tangieren. Auch eine Verdichtung durch leer stehende landwirtschaftliche Gebäude soll vermieden werden. Gewünscht werden zudem Erweiterungsmöglichkeiten für das Gewerbe.

Auch in Kienraching ist noch eine Mischnutzung vorhanden. Wirt, Metzger und Landwirtschaft sollen erhalten bleiben. Veränderungsbedarf werde am westlichen Ortseingang gesehen, erklärte Ortssprecher Franz Hinterwimmer. Gewünscht werde kein großes Baugebiet, lieber sollten Baulücken geschlossen werden, in denen nachkommende Generationen bauen könnten.

Ein Dorn im Auge sei den Dorfbewohnern der rasende Verkehr aus Norlaching kommend. Deshalb regte Hinterwimmer eine Verkehrsberuhigung an diesem Ortseingang an. Der Großköchlhamer Martin Weber warf ein, dass weitere Parkplätze für Auswärtige bei Festivitäten noch wünschenswert seien.

Auch die Babinger möchten Baumöglichkeiten nur für den familiären Bedarf, damit der Ort nicht aussterbe, aber keine Wohnbebauung und kein „bauliches Zusammenwachsen“ mit dem Nachbarort Angerskirchen, betonte Claudia Unterreitmaier.„Wir möchten ein eigenständiger Ort bleiben“ nach dem Motto „Babing bleibt Babing“. Es bestünden weder Animositäten noch „Invasionspläne“ gegenüber Angerskirchen, war im Saal zu hören, was mit viel Gelächter aufgenommen wurde. Unterreitmaier erwähnte noch, dass der Vilstalradweg bei Regen schlecht zu erreichen sei und dafür vielleicht eine Lösung gefunden werden könnte.

Auch der Sprecher der Angerskirchener, Stefan Rauchbart, hatte wenig Negatives zu vermelden. „In Angerskirchen gibt es noch eine gute Mischung, keine Leerstände, keine Siedlungsstruktur, einen noch sehr ursprünglichen Dorfcharakter“, den man bewahren wolle, „weil es uns so gefällt, wie es ist“. Die Angerskirchener fänden eine Weiterentwicklung für die bestehenden Betriebe gut, ebenso eine Mitsprache bei der Änderung von Satzungen. Auch wollten sie keine Einschränkung der Landwirtschaft durch Wohnbebauung. Wenn Wohnbebauung, dann nur im Einheimischenmodell, „weil wir gegen Zuzug sind, von Leuten, die sich nicht integrieren wollen“, betonte Rauchbart.

Moderator Raab gab zu Bedenken, dass ein Nebeneinander zwischen Gewerbe und Wohnen nicht so einfach sei. Wenn man in eine Richtung gehe, müsse man dies mit aller Konsequenz machen. „Einen Tod muss man sterben“, sagte er. „Die Konfliktbereiche müssen wir klar erkennen, sonst müssen wir mit den Folgen rechnen.“

Dass der untere Ortskern aussterben könne, diese Angst hegen die Hörgersdorfer. Nicole Schmittner, ihre Sprecherin, sagte, dass die Nachfolge von Bäcker und Wirt nicht sicher seien. Es gelte zu verhindern, dass beide Einrichtungen ebenso wie das Schulhaus künftig leer stehen. Im oberen Dorf sei ein alter Hof, wo noch zwei ältere Männer wohnen, der aber zusammenfalle. Diese Fläche würde sich für Bauplätze eignen, aber es sollte nicht „so ein großer Riegel wie in Hofkirchen“ werden.

Zwei ehemalige landwirtschaftliche Betriebe seien ohne Weiterführung. Dieser Bestand sollte für familiäres Wohnen gesichert werden beziehungsweise Baulücken für den einheimischen Bedarf genutzt werden. Zwei Landwirte seien noch weiterhin aktiv. Dies soll so bleiben. Wichtig wäre den Hörgersdorfern ein Treffpunkt sowie ein Geh- und Radweg zum Fußballplatz, vor allem für Kinder und Senioren.

Die Misch-Nutzungs-Struktur im Oberen Vilstal und die Dorf-Gemeinschaften funktionieren noch. Es gelte beides in die Zukunft zu bringen, resümierte Raab. Bauen sei für den Eigenbedarf, weg von Baugebieten hin zum Umnutzungspotenzial gewünscht.

Birgit Lang

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