Landwirt mit Leib und Seele: Martin Wegmann aus Stadl bewirtschaftet den Stola-Hof in Stadl bereits in der 15. Generation. Er sucht jetzt auch bei der Milch neue Vermarktungswege. Foto: Lang

Frisch vom Bauernhof

Martin und seine Milchtankstelle

Stadl - Schon vor fünf Jahren war Martin Wegmann begeistert von den ersten Milchautomaten, die er auf der Agritechnica in Hannover gesehen hat. Aber damals war der Milchpreis noch bei über 40 Cent. Aus der Not heraus eröffnet er jetzt eine Milchtankstelle.

Doch der Gedanke an Direktvermarktung schwehlte weiter in seinem Kopf und der Milchpreis fiel nach und nach in den Keller. Eine eigene Milchtankstelle auf seinem Hof zu errichten, erschien ihm immer plausibler. Vor allem auch, weil er in seinem Umfeld immer wieder wahrnahm, dass seine Milch sehr gefragt ist. Viele Jahre war der Landwirtschaftsmeister und Landmaschinenmechaniker nebenbei Assistenz-Tanzlehrer im Tanzstudio Niestroy in Erding, wo er immer darum gebeten wurde, Milch mitzubringen. „Jeder war immer zufrieden und lobte unsere gute Milch“, sagt der Landwirt. Viele Bekannte meinten, sie würden gerne auch mehr für die Milch bezahlten, wenn sie wüssten wo die Milch herkommt und dabei die Landwirte auch noch unterstützen können. Also entschied er sich zusammen mit seiner Familie die erste Milchtankstelle in der Gemeinde Taufkirchen und zwischen Erding und Velden zu eröffnen.

Schon seine Vorfahren waren innovationsfreudig. Sein Stammbaum reicht bis ins Jahr 1580 zurück und Martin Wegmann führt den Hof schon in der 15. Generation. Auch sein Großvater Bartholomäus war mit Leib und Seele Milchviehbauer und viele Jahre Bürgermeister von Taufkirchen. Unter seiner Ägide wurde unter anderem das Waldbad gebaut. Martins Vater Bartholomäus junior errichtete bereits 1979 einen der ersten Laufställe für Kühe im Landkreis, was damals noch sehr selten war. Martin und seine drei Geschwister waren von kleinauf immer gern im Stall und Betrieb dabei.

Um Nägel mit Köpfen zu machen, holte sich Martin Wegmann in den vergangenen Monaten viele Informationen ein. Er besuchte mit Familienangehörigen verschiedene Betriebe in der Region, die bereits eine Milchtankstelle betreiben. Bereits in der Winterschule hatte er die ersten Musterbetriebe kennengelernt, die als zweites Standbein ihre Milch nicht nur über die Molkereien, sondern auch auf anderen Wegen vermarkten, um die Wertschöpfung zu steigern. „Man muss nicht immer die Zahl der Kühe im Stall erhöhen, um sein Einkommen zu sichern“, sagt er. Ihm geht es um die Tiere und die Umwelt, eine überschaubare Größe an Tieren ist ihm wichtig und „dass des Sach nicht weit ummanand karrt werden muss“. Deshalb wird er auf seinem Hof auch bewusst unbehandelte Rohmilch verkaufen. „Diese gibt es so im Laden nicht und sie hat noch alle Inhaltstoffe. Sie kommt aus dem Euter, wird gefiltert und im Milchtank gekühlt. Frischer geht’s nun wirklich nicht!“ Auf sechs Grad gekühlt kann sie der Kunde künftig in seiner Milchtankstelle abzapfen.

Mutter Lisanne schwärmt, dass man diese Rohmilch mit etwa vier Prozent Fettgehalt zu Käse, Joghurt, Buttermilch und Rahm weiterverarbeiten könne. Sie hat viele Rezepte, die sie ihren Kunden auf Wunsch gerne aushändigt. In absehbarer Zeit möchte Martin Wegmann mit dem Bau fertig sein. Die geschreinerte Hütte steht schon in der Scheune. Die ganze Familie hilft beim Bau mit. Vor der Milchtankstelle werden ausreichend Parkplätze hergerichtet, sodass die Kunden diese gut erreichen können.

Ausschlaggebend für seine Entscheidung war auch die Lage des Stola-Hofs direkt neben der B 388. „Wir leben und arbeiten seit jeher mit dem Verkehr. Seit zwei Jahren haben wir auch den Radlweg zwischen Inning und Taufkirchen“, für den die Wegmanns viel Grund hergegeben haben. Er hofft nun, dass diese gute Verkehrsanbindung ihm auch zahlreiche Kunden bringt. Die Milch kann in eigene Behältnisse der Kunden gezapft werden. Es können aber auch mehrfach verwendbare Ein-Liter-Glasflaschen mit Logo und Deckel für 3,50 Euro und PET-Flaschen für 50 Cent vor Ort erworben werden. „Das geht alles auf Vertrauensbasis. Der Automat ist kinderleicht zu bedienen und alles mit Bildern beschrieben“, erklärt er. Gegen Papier- oder Münzgeld kann die Milch dann selber gezapft werden.

150 Liter passen maximal in den Automaten, welcher täglich frisch befüllt wird. „Die Milchtankstelle gehört jetzt zu unserem täglichen Arbeitsablauf“, freut sich die Familie Wegmann schon. Am Hof ist immer jemand da, um alles zu kontrollieren und den Kunden bei Fragen zur Seite zu stehen. Die kinderfreundliche Familie freut sich schon auf die Besuche von Kindergärten und Schulen. Die ganze Familie freut sich künftig auf einen regen Betrieb bei der Milchtankstelle und wünscht allen schon mal viel Spaß beim Milch-Zapfen.

Birgit Lang

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