Die Bürger ins Boot geholt: Bei der Gestaltung der Zukunft ihrer Stadt können die Dorfener aktiv mitwirken. Zum Bürgertermin kamen gut 100 Interessierte in den Jakobmayer-Saal zum Dialog mit Stadt und Fachplanern. Foto: Renner
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Die Bürger ins Boot geholt: Bei der Gestaltung der Zukunft ihrer Stadt können die Dorfener aktiv mitwirken. Zum Bürgertermin kamen gut 100 Interessierte in den Jakobmayer-Saal zum Dialog mit Stadt und Fachplanern. 

100 Dorfener bei Bürgertermin

Viele Ideen für die gemeinsame Zukunft

Dorfen - Das alte Isenbad reaktivieren, ein Fitnesspfad am Rückhaltebecken und bessere Querungsmöglichkeiten für Fußgänger und Radfahrer an der B 15. Das sind nur einige Anregungen von Bürgern für die Innenstadtentwicklung Dorfens. Gut 100 Dorfener kamen am Donnerstagabend zum Bürgertermin in den Jakobmayer-Saal.

Im Frühjahr 2014 startete in Dorfen ein Planungs- und Beteiligungsprozess zur Erarbeitung eines Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes für die Innenstadt. Dieses dient als Grundlage zur Förderung der Innenstadt im Rahmen des Programms „Leben findet Innenstadt – Aktive Stadt- und Ortsteilzentren“ durch die Regierung von Oberbayern. In drei Arbeitstreffen hatten Fachplaner, Vertreter der Stadt und Behörden sowie gesellschaftlicher Gruppierungen eine Bestandsanalyse durchgeführt und Projekte und Ideen entwickelt. Am Donnerstagabend wurden diese den Bürgern vorgestellt, und gleichzeitig Anregungen und Ideen abgefragt.

Stadtplanerin Martina Schneider verbreitete zu Beginn des Treffens viel Optimismus. Dorfen sei „eine durchaus lebendige Stadt“ mit hoher Lebesqualität. Es gebe ein „hohes Zugehörigkeitsgefühl durch ehrenamtliches Engagement“, konstatierte Schneider: „Viele Kommunen beneiden Dorfen darum.“ Für notwendig hält es Schneider, Wohnraum für ältere, junge und alleinerziehende Menschen zu schaffen. In Dorfen seien über 70 Prozent der Wohnungen größer als 80 Quadratmeter. Kleinere, barrierefreie Wohneinheiten seien auch aufgrund des demographischen Wandels notwendig.

Wettbewerb wird sich verschärfen

Kathrin Schmittnägel vom Planungsbüro CIMA bescheinigte der Stadt im Bereich Handel „hohes Potenzial“. Die Stadt sei insgesamt „gut aufgestellt“, dürfe aber keinesfalls stehenbleiben. Die Ladengestaltung in der Stadt sei größtenteils modern, dennoch bestehe Handlungsbedarf. Die Wettbewerbsbedingungen würden sich weiter verschärfen, prognostizierte Schmittnägel.

Verkehrsplaner Ulrich Glöckl ging auf die aktuelle Diskussion um die B 15 neu ein. Er machte deutlich, dass unabhängig davon, ob und wo es eine neue Bundesstraße geben werde, der Verkehr auf der bestehenden B 15 durch Dorfen hoch bleiben werde. Es gelte daher, die Bundesstraße in das Stadtgebiet zu integrieren. Der Eindruck, es handle sich um eine Durchgangsstraße, müsse beseitigt werden. Insgesamt müsse der Verkehr durch Dorfen verlangsamt werden. Dies könne durch abschnittsweise Gliederung des Straßenverlaufes, etwa mit Bäumen und Verkehrsinseln, erfolgen. Für wichtig hält es Glöckl auch, sichere Querungsmöglichkeiten und breitere Gehwege entlang der B 15 zu schaffen. Dass es in der Innenstadt keine Tempo 30-Beschränkung gibt, hält der Verkehrsplaner „für unzeitgemäß“. Für den fließenden Verkehr stehe viel zu viel Platz zur Verfügung. Fußgänger müssten dadurch beim Seitenwechsel weite Wege über potenzielle Fahrbahnen gehen. Für sie entstehe dadurch das Gefühl des „Gehetztwerdens“ und der subjektiven Unsicherheit. Das Fuß- und Radwegenetz wertete Glöckl „als fast perfekt“. Es müsse aber besser ausgeschildert und an manchen Stellen einzelne Wege für Radfahrer verbreitert werden. Die Regionalbusse in Dorfen seien nur unzureichend als innerstädtisches Mobilitätsangebot für Dorfen und seine Ortsteile geeignet. Hier solle ein innerstädtisches Nahverkehrsangebot entwickelt werden, etwa in Form eines Bürgerbusses oder Ruftaxis.

Bei der Diskussion mit den Bürgern meldete sich als erster Georg Brandhuber zu Wort. Er warnte davor, die B 15 als „Haupverkehrsschlagader“ zu verengen und den Verkehrsfluss zu behindern. Dies würde die Problematik mit den vielen Staus nur vergrößern. Für die Angermeier-Kreuzung schlug Brandhuber vor, dort die Ampelanlage durch einen Kreisverkehr zu ersetzen. Dies würde den Verkehrsfluss verbessern.

„Wir verkaufen uns zu schlecht“

Völlig anders sieht die Problematik für Stadtrat Ludwig Rudolf aus. Eine Bepflanzung entlang der B 15 sei nicht nur ästhetisch sinnvoll, sondern würde auch optisch wirken. Der ehemalige Schulamtsdirektor Georg Mittermeier warnte davor, an der Angermeier-Kreuzung einen Verkehrskreisel zu bauen. Die Sicherheit der Schulkinder würde dadurch massiv leiden.

Stefan Tremmel, der Vorsitzende des Förderkreises, sieht es als eines der vorrangigen Ziele, das Image Dorfens zu verbessern. „Wir verkaufen uns zu schlecht“, sagte Tremmel. Es müsse mehr im Bereich Stadtmarketing und Tourismus getan werden. An Bürger, Vereine und Stadt appellierte der Förderkreischef, „Hand in Hand zu arbeiten“.

An drei großflächigen Tafeln hatten die Teilnehmer des Bürgertreffens schließlich die Möglichkeit, Zettel mit ihren Ideen und Anregungen anzubringen. Eine Auswahl davon: Absenkung der Bordsteinkanten bei Übergängen; Schutz der Erholungsgebiete; „An gscheidn Wirt“; Schaffung von Fahrradverbindungen zu den Dorfener Ortsteilen; Tempolimit in der Altstadt; Aufzug an den Stepfen; Verbesserung der Stadtreinigung; Reaktivierung des alten Isenbades; Schaffung eines Fitnesspfades am Rückhaltebecken; Bessere Querungsmöglichkeiten der B 15; Mehr Sitzplätze im Stadtbereich; Positives Klima für Gewerbe schaffen; Barrierefreie Zugänge zu den Geschäften; Dorfladenkonzept für das Stadtzentrum. 

Anton Renner

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