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Bangen um ihre Schwester Kathi (l.): die Geschwister (v.l.) Maxi, Marina, Dominik und Florian (vorne). Foto:

Kathi sucht einen Knochenmarkspender

Erding - Kathi war gerade in der Vorbereitung auf den Erdinger Stadtlauf und den Moosburger Triathlon, als sie die schreckliche Diagnose Leukämie erhielt. Jetzt wartet die 14-Jährige dringend auf eine Knochenmarkspende.

„Es war am 6. September, diesen Tag werde ich nie vergessen“, erzählt Mama Karin. „Das war für uns wie ein Schlag mit dem Holzhammer.“ Mit „uns“ meint die 41-Jährige nicht nur sich und Kathi, sondern auch ihren Mann Michael (42) sowie die Kinder Maxi (19), Marina (17) Dominik (15) und Florian (11).

„Die Kathi hatte vor etwa einem Jahr bei sich unter dem Arm ein Lipom festgestellt“, sagt Karin. Der Arzt habe diagnostiziert, dass die Fettgeschwulst gutartig und auch das Blutbild in Ordnung sei. Ein Jahr später habe Kathi „vorsichtshalber wieder nachsehen lassen wollen“, und nun hatte sich das Blutbild dramatisch verändert. „Am Montag hatte sie noch trainiert, am Dienstag lag sie schon im Krankenhaus, wo sie sofort mit der Chemo begonnen haben“, erzählt die Mutter.

Das Schlimmste sei anfangs gewesen, dass Kathi nur liegen durfte, doch Bewegung ist ihr Leben. Über das Trampolinspringen und das Wettkampf-Turnen, wo sie auch als Helferin beim Kinderturnen aktiv war, ist sie zum Triathlon gekommen. Jeden Tag Training und immer Spaß dabei, lautet ihre Devise. Überhaupt sind sie eine sehr sportliche Familie. Marina ist eine begeisterte Reiterin. Die Buben spielen im Winter Eishockey beim TSV Erding - Maxi sogar im Oberliga-Team der Gladiators - und im Sommer Baseball bei den Erding Mallards. „Kathi war als Baby schon immer in der Eishalle, wollte dann aber später einen anderen Sport machen“, sagt die Mama. „Wenn alle Fünf Eishockey spielen würden, wäre das ja langweilig.“

Nach der Diagnose hatten die Erdinger optimistisch gedacht, dass ein Mitglied der Großfamilie doch ein genetischer Zwilling sein müsse, doch wurden sie enttäuscht. Bei der 14-jährigen Gymnasiastin liegt ein genetischer Defekt vor, mit dem sie zur Hochrisikogruppe gehört. Deshalb können Chemo-Therapien alleine keine vollständige Heilung bringen. „Bei dieser Art der Behandlung wäre ein Rückfall fast hundertprozentig sicher“, weiß Mutter Karin, „und deshalb ist eine Knochenmarkspende unausweichlich“. Dennoch muss sich Kathi vorerst weiteren Chemos unterziehen, mittlerweile hat sie schon drei hinter sich.

Die Mutter betreut ihre jüngste Tochter von Montag bis Freitag im Schwabinger Krankenhaus und wurde von ihrem Arbeitgeber dafür vorübergehend freigestellt. Von Freitagabend bis Sonntagabend wacht Papa Michael am Krankenbett. Besuch kann Kathi aufgrund der Ansteckungsgefahr kaum empfangen, nur die Geschwister und einige ihrer besten Freundinnen dürfen zu ihr ins Krankenzimmer.

„Die Chemos sind für Kathi sehr anstrengend, und sie schläft sehr viel“, erzählt die Mama. „Ansonsten schaut sie TV oder Facebook - oder sie trainiert.“ Ihr Verein Trisport Erding hat ihr nämlich eigens ein Trimm-Dich-Rad ins Krankenzimmer stellen lassen. „Ein richtiges High-Tech-Gerät“, erzählt Karin, „und wenn’s ihr gut geht, dann schafft sie auch mal 15 Minuten am Stück“.

Dass ihre Tochter Kathi eine Kämpfernatur ist, daran hat sie keinen Zweifel, meint die Mama und sagt lächelnd: „Sie hat sich ganz fest zum Ziel gesetzt, dass sie nächstes Jahr am Erdinger Stadtlauf teilnimmt und irgendwann auch mal am Ironman auf Hawaii.“

Erdings Bürgermeister Max Gotz hat gestern im Rathaus als Schirmherr den symbolischen Startschuss gegeben für die Aktion „Hilfe für Kathi und andere“. Höhepunkt ist die große Typisierungsaktion am Sonntag, 11. Dezember, von 11 bis 16 Uhr in der Altenerdinger Grundschule am Ludwig-Simmet-Anger. Ihm gehe es auch darum, möglichst viele Leute im Landkreis und darüber hinaus wachzurütteln, damit sie sich an dieser Aktion beteiligen, sagte Gotz. Beeindruckend sei für ihn ein Blick auf die Homepage www.hilfe-fuer-kathi.de gewesen. „Es ist bemerkenswert, wie optimistisch ein lebensfroher, junger Mensch mit einer solchen Krankheit umgeht“, sagte der Bürgermeister. „Und es freut mich, dass Kathi auch ihre Ziele und Träume formuliert.“ Yvonne Renz von der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) erklärte, dass in der DKMS-Datei rund 2,5 Millionen Menschen registriert seien, davon 1267 aus der Stadt Erding, „von denen acht schon Stammzellen gespendet haben“. Eine Typisierung koste pro Person 50 Euro, die gesamten Kosten trage die DKMS, ausschließlich finanziert aus Spenden. Jeder, der auf das DKMS-Konto „Hilfe für Kathi und andere“, bei der Kreissparkasse Erding-Dorfen (Kto.-Nr. 20 153 656, BLZ 700 519 95), einzahle, erhalte auch eine Spendenbescheinigung. Auch am Tag der Typisierung und danach könne noch gespendet werden.

(Wolfgang Krzizok)

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