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Im Atelier der Werkstätten des Hauses Wartenberg zeigte Josef Fröhlich (r.) dem Gast aus Berlin seine Werke und die anderer Bewohner. Ewald Schurer war beeindruckt.

Therapiezentrum „Haus Wartenberg“ 

„Eine einzigartige Chance“

Wartenberg – Seit neun Jahren werden trockene Alkoholiker im „Haus Wartenberg“ betreut. Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer besuchte das Therapiezentrum und zeigte sich beeindruckt.

Geregelter Tagesablauf, klärende Gespräche, Arbeiten, sofern es die Kräfte zulassen – all das gehört zum Leben im „Haus Wartenberg“. Was nach Ruhe klingt, ist ein zuweilen dramatischer Kampf. „Bei vielen geht’s ums Überleben“, sagt Winfried Gehensel über die derzeit 64 Bewohner des Therapiezentrums für Alkohol- und Suchtkranke. Der Therapeut leitet die Einrichtung seit ihrer Eröffnung im Jahr 2007.

„Der Kampf gegen die Sucht ist ein permanenter“, erklärte auch Bundestagsabgeordneter Ewald Schurer, der nun ein paar Stunden in dem Therapiezentrum verbrachte. Er sprach mit Bewohnern und Mitarbeitern – und zeigte sich beeindruckt. „Die Leute haben hier eine einzigartige Chance“, sagte der SPD-Politiker aus Ebersberg. Es gebe „eine Tendenz in unserer Hochleistungsgesellschaft, dass immer mehr Menschen im psychischen Bereich auf so professionelle Strukturen angewiesen sind“.

In Wartenberg ist ein wichtiger Baustein die Arbeitstherapie. Dafür unterhält das Therapiezentrum unter dem Dach des gemeinnützigen Vereins Chroma mehrere Betriebe: Hauswirtschaft für die eigene Einrichtung, Kunst-Atelier, Metall- und Holzwerkstatt, in denen auch kleinen Kundenaufträge erledigt werden, Gartenarbeit und seit ein paar Monaten der Bügelservice. Die darin beschäftigten Bewohner machen zunächst die Wäsche, die im Therapiezentrum anfällt.

Darüber hinaus können aber auch Bürger ihre Bügelwäsche abgeben. Pro Hemd verlangt Chroma zum Beispiel 1,50 Euro. „Der Bügelservice boomt“, erzählte Gabi Kell, Bereichsleiterin Arbeit, über die Dienstleistung, die noch nicht einmal groß beworben wird. Ebenso erfolgreich sei auch das jährliche Ferienprogramm in der Metallwerkstatt, berichtete Kell: „Das ist immer schon ausgebucht, bevor das Programmheft erscheint.“

Mit Friedhofspflege die Herzen erobert

Mit solchen Angeboten hat das Therapiezentrum das Herz der Wartenberger erobert. „Die Bevölkerung stand dem schon skeptisch gegenüber“, erinnerte SPD-Marktrat August Groh an die Anfänge. „Die Offenheit hat stark dazu beigetragen, dass die Akzeptanz steigt“, meinte er bei Schurers Besuch. Erstens hätten sich Befürchtungen nicht bewahrheitet, dass von den Bewohnern Gefahr ausgeht. Zweitens betreibt vor allem der Landschaftspflege-Service von Chroma beste Imagepflege: für die Marktgemeinde wie auch für das Therapiezentrum. Der Chroma-Trupp pflegt im Auftrag der Kommune den Friedhof, der als schönster im Landkreis ausgezeichnet wurde.

Den Handwerkern in der Region mache man damit keine Konkurrenz, erklärte Gehensel: „Das sind ja nur Nischen.“ Etwa die Metallwerkstatt erledige Kleinstaufträge, die für Metallbaubetriebe oft nicht interessant seien. Da gebe es sogar eine Kooperation im Ort, ergänzte Werkstattleiter Nik Bormann: „Die Firma Pröbst schickt uns Kunden und umgekehrt.“

Die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft erstreckt sich auch auf Praktika. In den neun Jahren seines Bestehens habe das Haus Wartenberg mindestens 30 Bewohner an Firmen im Ort vermitteln können, berichtete Kell. Neuerdings sei ein Praktikant bei der Konditorei Härtl.

Im Haus Wartenberg werden ausschließlich Menschen betreut, die ihre Entgiftung bereits hinter sich haben. Die Rückkehr in ein geregeltes Arbeitsleben mit 40-Stunden-Woche sei nur selten möglich, erläuterte Gehensel: „Es ist nur ein kleiner Prozentsatz, der’s schaffen kann.“ Die meisten Bewohner seien durch ihre Sucht zu sehr geschädigt und geschwächt.

Und da war der Therapeut schon bei den Hausaufgaben, die er dem Abgeordneten für die Arbeit in Berlin mitgab: „Die erste Fassung des Bundesteilhabegesetz würde Veränderungen mit sich bringen, die für uns existenzgefährdend wären.“ Stationäres Wohnen sei in dem Text eigentlich nicht vorgesehen gewesen, berichtete Gehensel. „Wenn ich mir unsere Leute anschaue, würden sie es bei ambulanter Betreuung einfach nicht schaffen.“ Diese Botschaft will Schurer weitertragen.

Infos im Internet

www.chroma-verein.de. Dort finden Interessierte Kontaktdaten und einen Überblick über die Angebote an Kunsthandwerk und Dienstleistungen. Auch „Janis Welt“ ist dort bestellbar, ein Comic-Handbuch für Kinder und Jugendliche, deren Eltern alkoholkrank sind. Die Illustrationen sind von Bewohner Josef Fröhlich.

Timo Aichele

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