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Die Stele mit bunten Glaselementen als Gedenkstätte für vorgeburtlich verstorbene Kinder segneten gestern Pfarrer Gregor Bartkowski und sein evangelischer Kollege Henning von Aschen (v. r.).

Gedenkstätte für vorgeburtlich verstorbene Kinder 

Ein Ort für Trauer um die „Sternenkinder“

Wartenberg – Wenn Kinder sterben, ist das ein großer Schmerz – auch wenn Mädchen und Buben nicht einmal auf die Welt kommen oder tot geboren werden. Für diese „Sternenkinder“ gibt es in Wartenberg nun eine Gedenkstätte.

Allerseelen und Allerheiligen stehen im Zeichen des Totengedenkens. An diesen beiden Tagen rücken die Gräber dahingeschiedener Familienmitglieder ins Bewusstsein. Doch es gibt Trauernde, die wissen buchstäblich nicht wohin mit ihren Gefühlen. Zum Beispiel Eltern von Kindern, die vor der Geburt verstorben sind. Für solche „Sternenkinder“, wie sie auch genannt werden, hat Wartenbergs Pfarrer Gregor Bartkowski gestern eine Gedenkstätte eingeweiht.

„Wir wollen einen Trauerort schaffen für Eltern, die davon betroffen sind“, erklärt der Geistliche im Gespräch mit unserer Zeitung. „Damit schließen wir eine Lücke auf dem Wartenberger Friedhof.“

Die Stele mit den knallbunten Glaselementen zeigt einen Fötus, Engelsflügel und Worte von Prophet Jesaja. Die Inschrift soll zeigen, „dass diese Kinder bei Gott nicht verloren sind. Diese Kinder waren geliebt und voller Hoffnung“, sagt Bartkowski, der vor ein paar Jahren schon eine solche Stätte in Langenpreising eingeweiht hat. „Da sind alle vorgeburtlich verstorbenen Kinder eingeschlossen“, stellt der katholische Geistliche klar.

Die Initiative zu der Gedenkstätte sei aus der Kirchenstiftung gekommen, erzählt Bartkowski. Bei der Gestaltung sei Andrea Neumeier vom örtlichen Steinmetzbetrieb federführend gewesen. „Mir war das durchbrochene Kreuz wichtig“, erklärt der aus Polen stammende Priester. Denn ein solches Ereignis sei stets auch ein „Bruch im Leben“. Die Glasflächen zeigen laut Bartkowski „Gold – die Farbe Gottes, Rot – die Farbe der Liebe und Blau – die Farbe allen Irdischens“.

Solche Schicksale beschäftigen den Priester auch in der Seelsorge. „Wir haben heuer im Pfarrverband zwei oder drei Totgeburten gehabt, die wir auch beerdigt haben“, erzählt er. Hier gibt es für die Angehörigen einen Trauerort, in anderen Fällen fehlt er. An der neuen Gedenkstätte könnten Betroffene nun verweilen und, wenn sie wollen, eine Kerze anzünden, meint Bartkowski.

Die Begleitung von Trauernden ist ein zentraler Teil seiner Seelsorgearbeit. Zunächst einmal sei der Priester für die Katholiken da. Doch es gebe immer wieder Wünsche von Angehörigen, die um einen Menschen trauern, der keiner Konfession angehörte. „Wenn es der Familie wichtig ist, dann begleiten wir sie bei der Andacht auf dem Friedhof. Wir haben so etwas noch nie abgesagt“, berichtet Bartkowski. In einer Gemeinde wie Wartenberg sei gerade einmal die Hälfte der 5000 Einwohner katholisch. Da sei das Fehlen einer Aussegnungshalle auf dem Friedhof schon problematisch, sagt der Pfarrer. Mit den evangelischen Geistlichen arbeite er bei dem Thema ohnehin gut zusammen.

„Die Bewahrung der Totenruhe ist ein sehr hohes Gut“, erklärt Bartkowski zur Bedeutung von Friedhöfen. Auch wenn eine Grabstelle nach dem Ende der Ruhezeit aufgelöst wird, bleibe ja der Verstorbene unangetastet an dieser Stelle. Dafür sei es unerheblich, wenn der Ort anschließend für ein neues Grab genutzt wird. Das hält der Geistliche für sehr wichtig. Den „Boom anderer Bestattungsformen“ sieht er vor diesem Hintergrund sehr kritisch. Die Urne im Wohnzimmerschrank oder die zum Diamanten gepresste Asche eines Verstorbenen sind ihm da ein Graus.

Zu den katholischen Riten des Trauerns gehören auch die Messintentionen, die „Ämter“, die Angehörige auch Jahre nach dem Tod für ihre Verstorbenen bestellen. Für Bartkowski ist das eine schöne Tradition. „Wenn man überlegt – was heißt das? Wir rufen die Namen dieser Menschen ins Gedächtnis.“

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