Kirchensanierungen im Pfarrverband Wartenberg

Gottes Haus hat viele kaputte Steine

Wartenberg – Das Dach der Nikolaibergkapelle ist geflickt, das mittelalterliche Fresko darin aber noch ein ungelöstes Problem. Gleichzeitig steht ein Großprojekt an: die Turmsanierung an der Pfarrkirche Mariä Geburt.

Kunsthistoriker, Archivar, Bauingenieur – auch das gehört zum Berufsbild eines Pfarrers. Der Wartenberger Pfarradministrator Gregor Bartkowski stellt sich diesen Aufgaben mit einem gewissen Forscherdrang. Er bringt verborgene Kunstschätze ans Tageslicht und nimmt die Herausforderungen an, die ein Pfarrverband mit einem Dutzend kleinen und großen Gotteshäusern mit sich bringt. Die Liste der Projekte ist lang: Das Dach der Kapelle auf dem Wartenberger Nikolaiberg ist wieder dicht, die Restaurierung der dortigen Fresken ist aber ein seit Jahren ungelöstes Problem. Die Kirchturmsanierung in Langenpreising ist gerade abgeschlossen, doch nun muss der Turm der Pfarrkiche Mariä Geburt in Wartenberg hergerichtet werden.

Spendensammeln beim Adventsbasar

„Wir werden das anpacken“, sagte der Geistliche und berichtete, dass es bereits einen Beratungstermin gegeben habe. Aber das Projekt stehe noch ganz am Anfang und werde sicher so schnell nicht begonnen werden. Es gebe aktuell weder eine Auflistung dessen, was alles gemacht werden müsse, noch eine Kostenschätzung. Fest stehe nur, dass es um sehr viel Geld gehen werde. „Darum wird das auch mit Sicherheit noch nicht so schnell genehmigt werden.“

Die Schäden an der Fassade des laut Bartkowski höchsten Kirchturms im Landkreis sind bereits recht großflächig, wie schwarze Flecken über dem Gesims im Bereich unmittelbar unterhalb der Glockenstube deutlich machen. Auch im Bereich des Anschlusses an das Kirchenschiffdach lassen dunkle Verfärbungen auf Schäden schließen.

Die Pfarrei werde ihre Rücklagen für diesen Zweck aufstocken müssen, erklärt der Pfarrer. Genau das hat Kirchenpflegerin Gabriele Blechinger vor: Sie machte das anstehende Großvorhaben mit der Ankündigung öffentlich, dass der Erlös des Adventsbasars am Sonntag, 20. November, im Pfarrheim zum Teil in „die bevorstehende Renovierung unseres Kirchturms“ fließen werde.

Das Muster steht in Sichtweite: Für die Sanierung des Langenpreisinger Kirchturms waren 177 000 Euro veranschlagt, und die Pfarrgemeinde ist mit 53 000 Euro dabei. Der Startvorteil für die Langenpreisinger: Sie haben einen Förderverein für die Kirchen. Und so will Blechinger nun in Wartenberg „früh anfangen, um das Geld zusammenzubekommen“.

Auf dem Nikolaiberg ist dafür eine wichtige Notsanierung bereits abgeschlossen. Ende Oktober wurden die Dachstützen im Inneren der dortigen Kapelle abgenommen. Der Nikolausgottesdienst 2016 kann wieder drinnen gefeiert werden. Die Sanierung des Dachstuhls – eine 75 000 Euro teure Notmaßnahme – stand dem im vergangenen Jahr entgegen.

Mit dem Ergebnis ist Bartkowski aber alles andere als zufrieden. „Wir haben jetzt einen provisorischen Dachstuhl“, berichtet er. Denn die Mittel hätten nicht gereicht, um die komplette Fläche mit den historisch korrekten Mönch-und-Nonne-Ziegeln zu decken. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege verlange aber grundsätzlich diese kostspieligen Einzelanfertigungen.

Zuvor sei bei starkem Regen das Wasser durchgetropft. Das Dach habe eigentlich dicht ausgesehen, aber: „Es waren Haarrisse in den Ziegeln“, berichtet der katholische Pfarrer. In den 1970er Jahren sei die historische Dachdeckung vermörtelt worden. Das habe in der Folgezeit zu Spannungen der unterschiedlichen Materialien und eben den Rissen geführt.

„Fresko wüst freigelegt“

Die größten kunsthistorischen Schätze birgt die Kapelle in der Apsis, die teilweise bis in die Zeiten der Wittelsbacher-Burg auf der Anhöhe zurückgeht. Unter dem Putz wurde vor Jahrzehnten ein Fresko aus dem 13. Jahrhundert entdeckt. „Man hat das dann in den 70er Jahren wüst freigelegt“, erzählt Bartkowski mit einem Schaudern. Es seien jedoch in verschiedenen Putzschichten zwei Bilder übereinanderkopiert worden. Im jetzigen Zustand sei es „ein unvollendetes Werk“. Der Pfarrer ist bestürzt, dass es für dessen Sicherung nicht einmal ein Konzept gebe.

Währenddessen ist Kirchenmaler-Meister Alfons Empl dabei, das Kanzelkreuz in der Wartenberger Pfarrkirche zu restaurieren. „Die Farbfassung ist in Schollen aufgestanden“, berichtet der Experte aus Landshut. Mit einem feinen Pinsel trägt er Fischleim auf, um die rissige Oberfläche zu glätten und zu festigen. Zum Ausbessern schadhafter Stellen verwendet der Restaurator Kreidekitt, ehe er das Kruzifix aus der Entstehungszeit der Kirche im 18. Jahrhundert wieder mit Ölfarbe retuschiert.

Auch bisher Unbekanntes erklärt Bartkowski zu seinem kunsthistorischen Aufgabengebiet. Vergangenes Jahr entdeckte er eine rätselhafte Pieta auf dem Speicher über der Sakristei der Pfarrkirche. Er fand, die Gläubigen sollten diese Mutter Gottes mit dem toten Christus auf dem Schoß zu sehen bekommen. Also steht die Holzskulptur nun auf dem Engel-Altar des Gotteshauses. Doch auch Gespräche mit Experten gaben Bartkowski keinen Aufschluss über die Geschichte der Pieta. Teile der Arbeit würden auf eine Entstehung im Mittelalter hindeuten, anderes spreche für ein deutlich geringeres Alter.

Das sind die kleinen Freuden in Bartkowskis Pflichten als Kirchenbaumeister. Mehr als nur ein bisschen stolz ist der Pfarrer auf seine Auerbacher. Die Filialkirche St, Bartholomäus wurde unter riesigem Einsatz der Gläubigen saniert. Das wird noch groß gefeiert.

Timo Aichele und Klaus Kuhn

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