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Einen besonders langen Eintrag machte der polnische Besucher Janusz Marszalek (r.) ins Goldenen Buch. Wartenbergs Bürgermeister Manfred Ranft nahm dessen Einladung nach Polen gerne an.

Besuch aus Polen

Kinderdorf-Gründer zurück in Wartenberg

Wartenberg – Janusz Marszalek, der frühere Stadtpräsident von Auschwitz in Polen, hat Wartenberg besucht. Er war hier Praktikant. seine Idee, ein Kinderdorf zu gründen, stammt aus dieser Zeit.

Es könnte der Beginn einer längeren Freundschaft oder Partnerschaft werden, was am vergangenen Mittwoch im Wartenberger Rathaus stattfand: Janusz Marszalek der frühere Stadtpräsident von Oswiecim in Polen, was hierzulande dem Oberbürgermeister entspricht, ist nach Wartenberg zurückgekommen, wo er in den 80er Jahren in einer Steuerkanzlei ein Praktikum im Rahmen seines Wirtschaftsstudiums absolviert hatte. Er trug sich während einer Feierstunde ins Goldene Buch des Marktes Wartenberg ein.

Im Gebiet der Stadt, aus der er stammt, liegt das ehemalige Vernichtungslager Auschwitz. Der Gast aus Polen hat eine Eichrichtung nach dem Vorbild von SOS-Kinderdörfern gegründet,  due den Namen des jüdischen Kinderarztes Janusz Korczak trägt, und hier wiederum waren 40 Teilnehmer am katholischen Weltjugendtag zu Gast, die unter der Führung von Pfarrer Gregor Bartkowski nach Polen gereist sind und von Marszalek als eine „tolle Gruppe“ bezeichnet wurden. Das Kinderdorf wurde teilweise finanziert vom katholischen Hilfswerk „Renovabis“, dessen Leiter wiederum der Wartenberger Pfarrgemeinderatsvorsitzende Dr. Gerd Basten ist. Der war in dieser Eigenschaft auch schon in Polen.

Zugleich aber ist es ein Stück Wartenberger Geschichte, das hier zurück ins Bewusstsein geholt wurde: Marszalek machte sein Praktikum in der Kanzlei von Paul Festl, der Ehrenbürger von Oswiecim war. Das wurde er, weil er in der Zeit, als es Polen besonders schlecht ging, das Krankenhaus in dieser Stadt massiv unterstützt hatte, bis hin zur Beschaffung eines Computertomographen, was in Polen damals sehr fortschrittlich war. Dessen Frau Christine wiederum wird von Marszalek mit den Worten zitiert: „Wenn ich nicht geheiratet hätte, wäre ich gern SOS-Kinderdorf-Mutter geworden.“ Das hat auf den jungen Praktikanten damals einen gewaltigen Eindruck gemacht. Weil aber dem Gründer der SOS-Kinderdörfer eine Verbindung zur Wehrmacht des Dritten Reiches nachgesagt wurde, scheiterte im damals noch kommunistischen Polen die Gründung zunächst, und so musste der spätere Stadtpräsident das Vorhaben unter Einsatz seines eigenen Vermögens umsetzen. Theresia Huber, die frühere Vorsitzende des Kinderschutzbundes Wartenberg, die mit der Familie Festl befreundet ist und zu der Reisegruppe gehörte, hat das alles erfragt. Sie kommentierte gegenüber der Heimatzeitung: „Da sind zwei wirksame und großartige Menschen zusammengekommen.“

Die ruhige, freundliche Art des polnischen Gastes war in der Tat beeindruckend, auch wenn er den wohl längsten Eintrag ins Goldene Buch des Marktes Wartenberg verfasste und damit die Festversammlung auf eine längere Geduldsprobe stellte.

Natürlich wurden auch Geschenke ausgetauscht: Buch und Volksfestkrug hin, Buch und Ikone aus Tschenstochau her. Letztere rief Begeisterung hervor. „Oh, wunderschön!“ So ein Zwischenruf, nachdem Bürgermeister Manfred Ranft das Papier entfernt hatte. Und dann kam der schöne Satz des Gastes: „Vielleicht ergibt es sich, dass Sie uns in Polen besuchen. Das ist meine herzliche Einladung.“ Der Bürgermeister nahm sofort an.

Im Pfarrgarten wurde noch lange gefeiert, und vor allem die Teilnehmer am Weltjugendtag machten mit Begeisterung mit, bis hin zu spontanen Hoch-Rufen auf den polnischen Gast.

von Klaus Kuhn

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