Ortsdurchfahrt Pesenlern

Tempo 30: „Vielleicht geht’s ja durch“

Wartenberg – Eine Beschränkung der Ortsdurchfahrt von Pesenlern auf 7,5 Tonnen hat geringe Chancen. Nun soll ein Tempolimit Verbesserungen bringen.

Dr. Johann Hartl wird nicht als Liebling der Pesenlerner in die Ortsgeschichte eingehen. Der Verkehrsgutachter erklärte die von den Anwohnern geforderte Tonnagebeschränkung der Ortsdurchfahrt für rechtswidrig. Für die Einführung von Rechts-vor-Links oder Tempo 30 sah er „keine Gründe“. Zu einer möglichen Umleitung des Schwerlastverkehrs durch den Hauptort Wartenberg sagte der Gutachter in der Marktratssitzung am Mittwoch, er halte „die Führung des Verkehrs über Pesenlern verträglicher“.

Die Einführung eines „Mitfahrer-Bankls“, an dem sich Bürger zu Fahrgemeinschaften formieren könnten, quittierten die Pesenlerner im Publikum mit Gelächter. Nur einmal bekam Hartl von ihnen Szenenapplaus – als er eine Bürgerversammlung zu dem Thema vorschlug.

Die Hoffnung der Pesenlerner auf eine Beschränkung auf 7,5 Tonnen machte Hartl zunichte. Eine solche Anordnung „muss durch vorhandene Straßenmängel begründet werden. Die gibt es noch nicht.“ Das Verwaltungsgericht München habe bei einer deutlich kleineren Straße die Aufhebung der Tonnagebeschränkung für rechtswidrig erklärt, berichtete der Gutachter. „Auch wegen dieses Urteils sehe ich dafür keine Chance“, erklärte er.

Der Marktrat hatte Bürgermeister Manfred Ranft (FWG) bereits in der vorangegangenen Sitzung beauftragt, schriftlich beim Straßenbauamt zu erfragen, ob ein 7,5-Tonnen-Schild zuschussschädlich ist. Die Antwort soll abgewartet werden.

Auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung sieht der Gutachter kritisch. „Tempo 30 wird nur eingehalten, wenn die Straßengestaltung entsprechend ist“, sagte er. Auch deswegen schlug er eine optische Einengung der 5,60 Meter breiten Fahrbahn durch Bordsteine vor. „Dann kann man nicht mit 60 durchbrettern“, meinte er.

Zur Absage des Gutachters an Tempo 30 sagte Michael Gruber (SPD): „Das kann ich so nicht akzeptieren.“ Er führte die Siedlungsstraße in Berglern in Richtung Flughafen als Gegenbeispiel an. Hartl sagte dazu nur: „Sie können’s probieren.“ Auch Vize-Bürgermeister Peter Schickinger (FWG) plädierte dafür: „Vielleicht geht’s ja durch.“ Am Ende beschloss das Gremium das Tempolimit. Nur Ranft votierte dagegen. „Das Staatliche Bauamt sieht dafür keine Chance“, erläuterte er seine Haltung.

Einige Markträte äußerten sich unzufrieden über die Ausführungen des Gutachters. „Wir hätten uns gewünscht, dass sie uns ein Gutachten unserer Couleur machen“, meinte Michael Paulini (SPD). Eduard Ertl (NMW) wies auf die Kreuzung mit der ED 2 hin, diese sei viel zu klein für die dort abbiegenden Schwerlaster.

Kein Rechts-vor-Links

Immerhin beim Thema Rechts-vor-Links folgten die Räte den Ausführungen des Ingenieurs. Der hatte erklärt, dass dafür in dem Dorf eine wichtige Voraussetzung nicht vorliege: verkehrsbedeutende Querstraßen. Der Gutachter gab den Sorgen der Pesenlerner allerdings auch neue Nahrung. Bei einigen Wegbeziehungen sei „die Pesenlerner Variante die kürzeste“, sagte er. „Im Laufe der Zeit wird der Anstieg erheblich sein, wenn sich das herumgesprochen hat“, meinte Hartl. Die Strecke sei noch nicht in allen Navis gespeichert.

Timo Aichele

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