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Auf der letzten Reise

Der Bestatter – Verkaufstalent und Psychologe

Der Tod kommt in den unterschiedlichsten Formen und Facetten daher, hat jedoch für die Hinterbliebenen stets das Gleiche zur Folge: der betrauerte Tote muss beerdigt werden.

Die Frage nach dem „Wo?“ ist schnell beantwortet, denn in Deutschland herrscht Friedhofszwang. Das „Wie“ jedoch verändert sich, der emotionale Moment des letzten Abschiedes ist den meisten Menschen wichtiger geworden, als ein teurer Eichensarg.

Der Friedhofszwang setzt das Limit

In der Trauer, die oft Chaos und Ohnmacht bedeuten, können Rituale Klarheit bringen und eine Richtung vorgeben. Unabhängig von der Religionszugehörigkeit sind die zentralsten Punkte die Trauerfeier und Bestattung. Diese lassen sich vermehrt unterschiedlich gestalten, teilweise zumindest. Denn auch wenn Särge und Blumenschmuck, aber auch die Feiern selbst in jüngster Zeit immer individueller und bunter werden, so setzt das Bestattungsgesetz hier doch seine Grenzen: der Verstorbene muss binnen 96 Stunden beerdigt sein, zudem besteht ein Sarg- und Friedhofszwang. Letzterer schreibt vor, dass die Beerdigung eines Leichnams oder der Asche von Toten außerhalb eines Friedhofsgeländes nicht zulässig ist. „Die Urne auf dem Kamin ist bei uns nicht möglich“, erklärt Valentin Zirngibl, Geschäftsführer des Bestattungsinstitut Wimmer in Freising. Ausnahmen bilden lediglich die Seebestattung und die Naturbestattung etwa in einem Wald, jedoch wird auch hier die Urne vom Bestatter an den Ort verbracht. Das muss so sein. Der Sargzwang steht derzeit in der Diskussion, „macht in manchen Fällen aber schon Sinn“, so Zirngibl. „Das kommt auf den Zustand eines Toten an und hat auch etwas mit Pietätsgründen zu tun.“ Der Sarg sei halt immer auch noch Tradition. Was aber nicht heißt, dass es immer noch der klassisch braune aus Eiche sein muss, „Särge können bunt bemalt sein oder auch aus Zuckerrohrverbundstoff, speziell etwa bei Feuerbestattungen.“

Erde und Feuer immer noch der „Klassiker“

Die meisten Bestattungsunternehmen bieten einen „Full Service“, sie organisieren Blumenschmuck und Musik, die Überführung, den kirchlichen Segen bis hin zum Steinmetz alles aus einer Hand. „Unter 2.500 Euro geht es nicht“, so Zirngibl, bereits zu Lebzeiten könne man diese Kosten mittels einer Sterbegeldversicherung jedoch von den Schultern der Angehörigen nehmen. Da die Scheu vor dem eigenen Tod schwinde, haben viele Lebende mit einer Bestattungsvorsorge auch ihren letzten Weg geregelt. „Viele haben bis ins kleinste Detail dargelegt, wie und wo sie beerdigt werden möchten. Welches Lied gespielt wird, welcher Sarg und was sie darin anhaben möchten." Die Beratung der Kunden ist für den Bestatter immer ein Balanceakt zwischen Trauerbegleitung und Verkaufsgespräch. Der Anteil an Feuer- und Erdbestattungen hält sich die Waage, auch die Kosten sind in etwa gleich.

Wenn die Asche zum Diamant wird

Der Wunsch nach einer Individualisierung zeige sich zunehmend in Wald- und Naturbestattungen, etwa in einem Friedwald, wo die Asche in biologisch abbaubaren Urnen an den Wurzeln eines Baumes, mitten in der Natur, ruht. Letzte Ruhe findet man so etwa inmitten des Naturparks Altmühltal in Pappenheim. Die „wahren Exoten“ bei den Bestattungen sind eher selten. „Exklusiv“ nennt Zirngibl die Diamantbestattung. „Hier wird die Totenasche in einem mehrmonatigen Prozess unter sehr hohem Druck in einen Diamanten umgewandelt. Das muss man aber im Ausland machen lassen und kostet ab 5.000 Euro aufwärts.“ Eine Seebestattung sei möglich, allerdings nur mit Ausnahmegenehmigung. „Ich hatte aber noch keine“, lacht Zirngibl. Wer sich einbalsamieren lassen möchte, wäre bei ihm richtig. Ein Mitarbeiter hat die Weiterbildung zum Thanatopraktiker, „aber auch das hat absoluten Seltenheitswert!“

„Manchmal bin ich Taxifahrer“

Mit dem „Totengräber von vor 100 Jahren hat unser Beruf auf jeden Fall nichts mehr zu tun“, bestätigt der 30-jährige. „Wir Bestatter konnten uns von dem Nimbus des Ausgestossenen befreien, das Image ist besser geworden.“ Zirngibl mit den Jahren auch selbstbewußter. Früher hat er auf die Frage nach seinem Beruf manchmal mit „Taxifahrer“ geantwortet, „es ist für mich nicht immer erstrebenswert, das Gesprächsthema des Abends zu sein.“ Zirngibl liebt seinen Beruf, „man darf nicht vergessen, dass unsere Kunden sich gerade in einer Ausnahmesituation befinden, sich in ihrer Trauer auch als Zentrum des Universums sehen. Da muss man manches einfach hinnehmen, ein barsches Wesen darf man aber keinesfalls haben.“

Aus dem Leben des Bestatters

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