Ort galt als "schwarzer Punkt"

Freisinger Familie stirbt auf Mallorca: Für sie kam jede Hilfe zu spät

Palma de Mallorca - Tragödie vor einem Restaurant auf Mallorca: Eine vierköpfige Familie aus Freising (Oberbayern) kommt bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Die Hilfe von Mitarbeitern und Kunden kommt zu spät.

Montagnachmittag: Johannes A., seine Frau Heike und die beiden Töchter sind in einem gemieteten VW Polo auf der Verbindungsstraße zwischen den Orten Alcúdia und Artà unterwegs. Seit Donnerstag ist die Freisinger Familie auf Mallorca: noch einmal zwei Wochen Sonne tanken, bevor die Schule und der Ernst des Lebens wieder beginnen. Hier, im Nordosten der Insel, steuern sie den Reiterhof Rancho Grande an. Sie wollen Pferde sehen, reiten, vielleicht etwas essen.

Als der 43-Jährige auf der zweispurigen Straße nach links abbiegen will, übersieht er offensichtlich einen Lieferwagen. Ein fataler Fehler. Beide Autos stoßen zusammen. Johannes A., seine Frau Heike und eine Tochter sind sofort tot. Die Ranch-Besucher und andere Augenzeugen eilen sofort zur Unfallstelle, ein Kind lebt noch. Sie leisten Erste Hilfe, bis die Rettungskräfte eintreffen. Doch trotz aller Bemühungen stirbt auch das zweite Mädchen. Der Fahrer des Lieferwagens wird nur leicht verletzt, erleidet aber einen schweren Schock.

Wie das deutschsprachige Mallorca-Magazin berichtet, wurde der Kleinwagen der Familie nahezu in zwei Hälften gerissen. Die Unfallstelle, die sich auf dem Gebiet der Ortschaft Santa Margalida befindet, gilt als berüchtigt – das Magazin spricht von einem „schwarzen Punkt“. Anwohner beklagen, dass die Ranch erst aus nächster Nähe erkennbar sei. Dieser Umstand könnte auch der Freisinger Familie zum Verhängnis geworden sein. Die mallorquinische Polizei hält es jedenfalls für möglich, dass Johannes A. kurzfristig abbremste und dann schnell abbiegen wollte.

Noch am Abend wird sein Bruder verständigt. Er hat die schwere Aufgabe, auch den Rest der Familie über das schreckliche Unglück zu informieren. Johannes A. und seine Frau Heike lebten mitten in Freising. Hier gingen ihre Töchter zur Schule, hier hatten sie ihre Freunde. Nachbarn stehen am Tag nach dem schrecklichen Unfall unter Schock. Niemand kann glauben, dass die kleine Familie von nebenan nie mehr zurückkehren wird.

Johannes A. arbeitete als Elektrotechniker, seine Frau Heike war ausgebildete Psychomotorikerin und Heilpädagogin. Die 42-Jährige engagierte sich gemeinsam mit ihrem Mann in einem Verein für Psychomotorik für Kinder in Freising. Hier leitete sie verschiedene Gruppen zur Bewegungsförderung von Kindern und war stellvertretende Leiterin. Mit ihren Freundinnen organisierte sie Events für Kinder, wie den Kinderspaßtag in Freising.

Die Vereinsmitglieder waren gestern fassungslos. „Wir brauchen Zeit, das Ganze zu verarbeiten“, hieß es nur kurz auf Nachfrage der tz. Die Trauer und der Schmerz um den Verlust der Familie sind riesengroß.

Auch die Augenzeugen waren nach dem Vorfall mitgenommen. „Es ist unvorstellbar schrecklich“, sagte einer von ihnen der Mallorca-Zeitung. „Da kommt eine Familie mit kleinen Kindern, um auf Mallorca eine schöne Zeit zu verbringen, und dann passiert so was. Ich finde dafür gar keine Worte.“

Nach Angaben der mallorquinischen Verkehrswacht ist es der schwerste Verkehrsunfall auf den Balearen seit 2002.

aw

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