Diesel, Diebstahl und ein Datenproblem

Freising – Mehr als 25 000 Liter Diesel soll ein Brummifahrer binnen 18 Monaten aus seinem Laster abgezapft haben. Der Schaden für den Arbeitgeber ist mit 30.000 Euro taxiert.

Das wegen besonders schweren Diebstahls gegen den 41-jährigen Mann aus dem Landkreis Freising vor dem Amtsgericht Freising angestrengte Verfahren wurde eingestellt - allerdings gegen eine saftige Geldauflage.

Ausgerechnet das zur Kontrolle ihrer Lkw-Fahrer von dem Unternehmen eingesetzte Gerät war fehlerhaft. Das „Fleet Management System“ übermittelt den Firmen unter anderem Informationen zur Betankung, außerdem GPS-Daten. Jederzeit ist damit ablesbar, wo sich der Fahrer gerade aufhält, wie viel Sprit im Tank ist und was wann mit dem Tankinhalt geschieht. Die Verteidigung äußerte grundsätzliche Zweifel in Bezug auf die Einhaltung des Datenschutzes. Die durch das System erlangte Informationen seien daher nicht zulässig, argumentierten die beiden Anwälte.

Zum Tatvorwurf: Eineinhalb Jahre lang soll der Angeklagte immer wieder Sprit aus seinem Laster abgezweigt haben. Auf einem Parkplatz am Echinger See fiel einer Polizeistreife in den Abendstunden des 3. Dezember 2013 auf, wie der 41-Jährige mit leeren Kanistern am Tank seines Lasters herumhantierte. Im Führerhaus fanden sich Gummischläuche und eine elektrische Kraftstoffpumpe. Wunderbar geeignet, um Diesel aus dem 700-Liter-Tank abzuzweigen, wie die Polizei mutmaßte. Die gefüllten Kanister hätten hernach in dem unmittelbar daneben stehenden VW-Bus des Angeklagten verfrachtet werden können.

Die Polizeibeamten wandten sich an den Arbeitgeber des 41-Jährigen. Das Unternehmen nahm den Fahrer daraufhin unter die Lupe. Nach einer Untersuchung erhärtete sich der Verdacht gegen den Mann, dem zunächst nur nachgesagt werden konnte, besonders viel Sprit zu verfahren. Dann holte man sich die Daten aus dem „Fleet Management System“ über eine im Lkw installierte Blackbox. Die spuckte seitenweise Material aus.

Doch über den Umgang mit diesen personalisierten Daten brauchte sich das Gericht sich keine Gedanken zu machen. Nach Angaben eines Sachverständigen hat das „Fleet Management System“ versagt. Nach Überprüfung der von der Blackbox übermittelten Daten ließe sich hochgerechnet allenfalls für 3000 Liter annahmen, dass sie der Fahrer abgezweigt haben könnte. Die Anklage hielt dem 41-Jährigen jedoch vor, 25.000 Liter unterschlagen zu haben.

Während beide Verteidiger einen Freispruch anstrebten, dafür auch bereit waren, den Prozess fortzuführen, schien der Angeklagte froh, mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein. Gegen eine Geldauflage in Höhe von 1000 Euro stellte das Gericht das Verfahren ein. Das Geld geht an die UNO-Flüchtlingshilfe.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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