Großprojekt ist überraschend Geschichte

Transgourmet sagt Freising ab - noch vor dem Bürgerentscheid

Freising - Transgourmet wird nicht in die Clemensänger ziehen. Das gab OB Tobias Eschenbacher gerade auf seiner monatlichen Pressekonferenz bekannt. Der Bürgerentscheid am Sonntag wird trotzdem durchgezogen.

Der OB ist “betroffen“.  Am Dienstagvormittag teilte ihm die Firma Transgourmet mit, dass man das geplante Projekt in Freising aufgeben wird. Nichts wird es mit der Logistikhalle in den Clemensängern. Den Bürgerentscheid am Sonntag gibt es trotzdem.

Stadträte hatten sich die Köpfe heiß geredet, Planer hatten über dem Vorhaben gebrütet, Bürger wochenlang Unterschriften gegen das Projekt gesammelt, die Stadtverwaltung hatte sich reingehängt. Am Sonntag nun sollte es beim Bürgerentscheid zum Showdown kommen: Darf der Bebauungsplan in den Clemensängern so geändert werden, dass der Food-Logistiker Transgourmet dort seinen 280 Meter langen und 90 Meter breiten Bau errichten darf? Den Bürgerentscheid wird es geben. Nur wird es dann nicht mehr um Transgourmet gehen. Denn die Transgourmet Deutschland GmbH & Co. OHG hat gestern in einem Brief an OB Tobias Eschenbacher mitgeteilt, dass man das Vorhaben in Freising „nicht weiter verfolgen“ werde. Grund: „Da die Einhaltung sämtlicher vereinbarter Fristen (...) nicht mehr mit 100-prozentiger Sicherheit garantiert werden konnte, hat der Verwaltungsrat entschieden, das Vorhaben nicht weiter zu verfolgen.“ Im Klartext: Die zeitlichen Verzögerungen, die das Projekt hinnehmen musste – den Bürgerentscheid hat man abwarten müssen, in den Gestaltungsbeirat war man gegangen –, lassen es nicht mehr zu, dass die neue Halle rechtzeitig zum Auslaufen der Mietverträge für die derzeitigen Transgourmet-Logistikzentren fertiggestellt werde.

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Die Einnahmen aus dem Grundstücksverkauf (von 20 bis 25 Millionen Euro ist die Rede) „hätten uns gut getan“, so der Rathauschef  am Dienstag – an dem Tag, an dem auch die Haushaltsberatungen für 2017 begannen. „Ärgerlich“, so Eschenbacher, der allerdings betonte, man werde den Bürgerentscheid am Sonntag trotzdem durchführen. Ein Trostpflaster für den OB: Transgourmet hatte die Stadt, die Verwaltung und die Zusammenarbeit gelobt, sich nur „angesichts der aufgekommenen Unsicherheiten“ gegen den Standort Freising entschieden. Stadtrat Sebastian Habermeyer von den Grünen, die die BI TransgourNEE stark unterstützt hatten, sagte, man sei ja von Anfang an dagegen gewesen. „Ich will da draußen keine große Spedition“, stellte Habermeyer klar. Freising dürfe keine „falsche Gewerbeentwicklung“ hin zu Großlogistikern nehmen. Und deshalb finde er es gut, dass der Bürgerentscheid trotzdem durchgeführt werde. Dass dem Stadtsäckel gute 20 Millionen Euro fehlen, sieht Habermeyer nicht so tragisch: Schon seit 25 Jahren lehne man die Ansiedlung von Speditionen ab – „und noch immer ist Freising nicht untergegangen“.

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Am 9. Oktober wird also darüber abgestimmt, ob der Bebauungsplan entsprechend geändert werden soll, um eine Ansiedlung eines Betriebs dieser Größenordnung zu ermöglichen. Viele Freisinger haben wohl schon abgestimmt - die Wahlkarten und Stimmzettel wurden schon versandt. 

Das Schreiben des Verwaltungsrats von Transgourmet

Im Schreiben des Verwaltungsrats äußern die Verantwortlichen Sorgen, ob die termingerechte Fertigstellung des Lebensmittelgroßhandelsbetriebs in Freising sichergestellt werden könne. Dies sei insofern von entscheidender Bedeutung, weil die Nutzung der derzeitigen Logistikzentren klar befristet ist und eine auch nur kurzzeitige Verlängerung dieser Miet- und Pachtverträge nicht zu erreichen gewesen sei. Für die Aufgeschlossenheit, die von der Mehrheit des Stadtrates Transgourmet entgegengebracht wurde, bedankten sie sich ausdrücklich. Es sei bedauerlich, dass ein "so hohes Maß an Einsatzbereitschaft, Kreativität und Zielorientierung nicht zu dem allseits gewünschten Ergebnis geführt habe".

So hätte das Großprojekt aussehen sollen.

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