Alles nur vorgespielt - jetzt wurde verhandelt

Mönch-Einbruch in Spielothek: „Der große Coup“ führt ins soziale Abseits

Freising - Seine Mittäterschaft beim Überfall auf die Spielothek, in der er angestellt war, ruinierte letzlich das Leben eines Freisingers (23). Sein Privatleben ging in die Brüche, er lebt heute in einer Notunterkunft und wurde jetzt zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Der Überfall im Juni 2015, der eine abgekartete Sache zwischen dem heute 23-jährigen Spielhallenangestellten und seinem Spezl (17) war, hatte seinerzeit Schlagzeilen gemacht: Der 17-Jährige hatte sich ein Mönchsgewand aus dem Fasching übergestreift und den in einer Spielothek in Lerchenfeld angestellten Freund „überfallen“. Den Coup hatten beide vorher auf einer Geburtstagsfeier ausgeheckt.

Auf dem Überwachungsvideo der Spielothek war zu sehen, wie der vermummte Jugendliche dem Spielhallen-Mitarbeiter so etwas wie eine Waffe in den Rücken schob. Nacheinander leerte der „Räuber“ dann drei Kassen, fesselte den 23-Jährigen (vereinbarungsgemäß) und floh. Seine Beute: 4600 Euro. Doch beide flogen auf: Vier Monate nach der Tat gestand der Spielhallen-Angestellte den Coup und seine Mittäterschaft vor der Polizei ein. Die Kripo war ihm seit Wochen auf der Spur gewesen.

Dabei hatte der 23-Jährige zunächst eine erstklassige schauspielerische Leistung abgeliefert: Bei seiner ersten Vernehmung habe er „bleich und durchgeschwitzt“ der Kripo den „Überfall“ geschildert, wie ein Polizeibeamter vor Gericht aussagte. Die Beamten hatten keine Zweifel daran, es mit dem geschockten Opfer zu tun zu haben – bis einer der zuständigen Kripobeamten auf widersprüchliche Aussagen stieß. Ein Augenzeuge hatte nämlich den „Mönch“ gegenüber der Spielhalle im Unterholz verschwinden sehen. Das mutmaßliche Opfer dagegen hatte angegeben, der Täter sei in einem schwarzen Fluchtauto verduftet.

Dennoch wäre die Tat ohne das spätere Geständnis des Spielhallen-Angestellten, das dann auch den 17-Jährigen als Täter aufdeckte, bis heute nicht aufgeklärt worden. Denn der 23-Jährige hatte lange Zeit an seiner Aussage festgehalten. Bei der Durchsuchung des Unterholzes aber fand die Kripo das Mönchsgewand – der 23-Jährige gestand. Der 17-Jährige Haupttäter wurde kurze Zeit später zu zweieinhalb Jahren Jugendarrest verurteilt.

In seinem Prozess vor wenigen Tagen zeigte der 23-Jährige Reue: „Ich war nach der Tat fertig. Mir war bewusst geworden, auf was für einen Scheiß ich mich da eingelassen hatte.“ Seit seinem Geständnis war es mit dem Angeklagten steil bergab gegangen: Ihm war der Job gekündigt worden und er verlor seine Wohnung. Die Freundin verließ ihn, auch die Mutter will inzwischen nichts mehr mit ihm zu schaffen haben. Heute lebt er in einer Notunterkunft.

Das Amtsgericht Freising entschied schließlich, den nicht vorbelasteten Angeklagten zu sechs Monaten auf Bewährung zu verurteilen, zuzüglich der Zahlung von 1000 Euro. „Wir sehen uns garantiert nie wieder“, versprach der Angeklagte zum Schluss der Verhandlung.

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