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Hartmut Binner aus Freising, im Bild mit Finanzminister Markus Söder. 

Kampf gegen 3. Startbahn

Startbahn-Gegner nimmt Abschied von „Aufgemuckt“

Er war elf Jahre lang das Gesicht des Widerstands, jetzt tritt er altersbedingt kürzer: Hartmut Binner, 78, zieht sich aus dem Anti-Startbahn-Bündnis „Aufgemuckt“ zurück. Doch der Kampf, der geht weiter.

Der Binner hört auf – diese Nachricht traf viele in der Flughafen-Region Freising wie ein Schock. Eine Bäuerin aus Berglern schrieb also an den Startbahn-Gegner Binner sinngemäß: Bitte weitermachen, denn wenn Sie aufgeben, dann haben wir schon verloren. Binner zitiert das Schreiben nicht ohne Stolz. Aber sein Entschluss steht fest. Der ehemalige Polizist, von langwierigen Beschwerden gebeutelt, will sich aus dem fünfköpfigen Sprecherrat von „Aufgemuckt“ zurückziehen. Der Kampf gegen die 3. Startbahn als Beruf – das packt der Mann, der zum Gehen seit längerem eine Krücke zur Hilfe nimmt, nicht mehr. „Mir hams schon das Wagerl verschrieben.“ Das Gehwagerl – er nimmt’s natürlich nicht her. „Ich will aufrecht gehen, solange es geht.“ Das könnte auch sein Lebensmotto sein. Aber am Mittwoch ist Mitgliederversammlung mit Neuwahl – wer Binner nachfolgt, steht noch nicht fest.

Damit endet nach elf Jahren eine Ära. Binner war seit 2005, als der Aufsichtsrat der Flughafen-GmbH das Ausbauvorhaben beschloss, die prägende Gestalt des Widerstands. Angefangen hat es ganz bescheiden: Binner zog mit seinen Nachbarn in Freising-Seilerbrückl, wo er wohnt, von Haus zu Haus und warb um Unterstützung. Zur ersten Versammlung kamen 18 Leute. Rasch dann Hunderte. 2007 gingen in München zur Anti-Startbahn-Demo sogar 18 000 Menschen. Rekord, bis heute. Was folgte, waren Höhen und Tiefen: Die Anhörungsverfahren, die Niederlagen vor Gericht. Morddrohungen hat Binner erhalten. Der ehemalige Polizist, ein baumlanger Mensch und ehemaliger Profi-Faustballer, bekam Personenschutz. Dann der Hoffnungsschimmer, als Seehofer 2015 nach Freising-Attaching kam und so tat, als wäre er von den Argumenten der Startbahn-Gegner überzeugt. Er war’s wohl nicht – wie man heute weiß. Kürzlich hat Binner, wie er es nennt, ein Zeichen gesetzt, und Söder den Handschlag verweigert. „Es ist sinnlos, mit diesen CSU-Granden noch zu diskutieren“, sagt er.

War’s das? Nein, natürlich nicht. „Ich hör doch nicht auf“, beruhigt Binner. In der BI Seilerbrückl bleibt er Sprecher. Er will nur nicht mehr täglich als Hauptbeschäftigung Widerständler sein. Mal mit der Frau ins Theater statt zur BI-Versammlung, mehr mit den vier Enkelkindern unternehmen – das sind so bescheidene Wünsche, die Binner hat. Radfahren geht ja auch noch gut – im Frühsommer fuhr er im Sattel sogar bis Wien. Eine Flugreise werden sie ihm zum Abschied wohl kaum schenken. Binner lacht. Er im Flugzeug – abstruse Idee. Da fällt ihm gleich eine Anekdote ein: Wollte doch der ehemalige OB von Freising Details des Startbahn-Widerstands einmal glatt in einem Flugzeug auf dem Weg nach Berlin bereden. Nicht mit Binner. Der fuhr mit dem Zug. Das Gespräch fand dann im Hotel statt. 

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