Diskussionen über die Buslinie von Neufahrn nach Hallbergmoos

Kosten bereiten den Räten noch Bauchschmerzen

Hallbergmoos - Die Vorzeichen für eine neue Busverbindung zwischen Neufahrn und Hallbergmoos standen gut: In Vorgesprächen hatten sich die Vertreter der Kommunen auf eine Route für die Buslinie 692, die Ende 2017 starten sollte, geeinigt. Im Gemeinderat war nun vorerst Endstation. Grund: Die ungleiche Kostenaufteilung unter den Gemeinden.

Die vom MVV entworfene und von beiden Kommunen favorisierte Variante sieht den Einsatz von zwei Bussen vor, die den Bahnhof Neufahrn, Mintraching, Logistikpark und Kino am Römerweg sowie den Bahnhof Hallbergmoos anfahren – und in beiden Gemeinden „Ortsrunden“ drehen. Der Bus soll in Hallbergmoos auch den Sportpark und das Gewerbegebiet anfahren. Werktags ist ein 40-Minuten-Takt, an Wochenenden ein 60-Minuten-Takt vorgesehen. Für den geplanten Start der neuen Busverbindung im Dezember 2017, die auf einen Probebetrieb von vier Jahren ausgelegt ist, wäre jetzt eine Ausschreibung notwendig. Sonst müsse man mit einem Jahr Verzögerung rechnen. 

Das nimmt man in Hallbergmoos nun in Kauf, denn die Ratsmehrheit hatte mit der Kostenverteilung der jährlichen Betriebskosten (565 500 bis 620 000 Euro) Bauchschmerzen. Der Landkreis soll 25 Prozent übernehmen, Neufahrn 30,65 Prozent (165 000 bis 190 000 Euro) und Hallbergmoos den Löwenanteil mit 44,35 Prozent (260 000 bis 275 000 Euro) – weil, wie Bürgermeister Harald Reents ausführte, die Moosgemeinde ein besonders starkes Interesse an einer ÖPNV-Verbindung zum Kino in Neufahrn habe. Dies sei auch im Gemeindeentwicklungsprogramm und im Ergebnis einer Jugendumfrage von 2011 dokumentiert. Deshalb sei vorgesehen, dass Hallbergmoos die Kosten für diese „Schleife“ zum Gewerbegebiet Römerweg in den Nebenverkehrszeiten übernehme. Die Fahrten“ zu den Hauptverkehrszeiten werden, wie Bürgermeister Harald Reents (CSU) erklärte, finanziell vom Landkreis abgedeckt. Kritik kam aus allen Fraktionen: Würde die Kosten, wie eigentlich üblich, nach dem „Territorialprinzip“ - sprich: den Landkreis- und Gemeindegrenzen - verteilt, ergäbe sich für Hallbergmoos ein Kostenanteil von 32 und für Neufahrn 43 Prozent argumentierte CSU-Fraktionssprecher Christian Krätschmer.

 Für tragbar hielt er bestenfalls eine „Fifty-Fifty“-Lösung – also 37,5 Prozent für beide Kommunen. „Neufahrn wertet sein Gewerbegebiet damit ja auch auf“, so Josef Niedermair (CSU). Deutlich mehr Vorteile für Hallbergmoos sah Robert Wäger (Grüne), der an den Vorgesprächen mit der Nachbargemeinde beteiligt war. „Ein bissl mehr Vorteile für uns“ erkannte indes Stefan Kronner. „Nur zur Not“ wollte er sich darauf einlassen, „den Umweg zum Römerweg“ zu streichen. Schließlich gibt’s auch Kinos in Erding und bald in Freising, die mit dem Bus erreichbar sind. „Wir sollten die Linie nicht sterben lassen“, plädierte Bürgermeister Harald Reents. Auch er sah eine Routenkürzung als Ausweg. Allerdings sah sich der Rat wegen der in öffentlicher Sitzung geführter Debatte selbst in einer schlechten Position: Denn bei einem „Ja“ zu Bus und Kostenschlüssel, und dem Auftrag für den Bürgermeister zum „Nachverhandeln“ um den einen oder anderen Prozentpunkt, hätte man schlechte Karten. 

Heinrich Lemer (FW) fasste das Dilemma in Worte: „Wir wollen bluffen, und die anderen wissen, dass wir bluffen wollen.“ Mit 9:9 verweigerte der Rat seine Zustimmung. Der Bürgermeister wurde nach Antrag von Hermann Hartshauser (Einigkeit) beauftragt, darauf hinzuwirken, dass Neufahrn und Hallbergmoos den kommunalen Anteil die jährlichen Kosten zu gleichen Teilen (37,5 Prozent) tragen.

Eva Oestereich

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