Gerichtsverhandlung in Freising

49-Jähriger wegen tausender Kinderpornos verurteilt

Freising - Eine große Zahl an Bildern und Filmen, auf denen misshandelte Kinder zu sehen sind, hat ein 49-Jähriger aus dem Landkreis gehortet. Vor dem Amtsgericht Freising musste er sich jetzt verantworten.

Auf scheußlichste Art werden Kinder auf Fotos und Videos des 49-Jährigen missbraucht. Drei Dateien seiner umfangreichen Sammlung versandte der in der Hallertau lebende Familienvater an Gleichgesinnte. Vor dem Amtsgericht Freising kam der Rückfalltäter mit Bewährung davon.

Mehrere tausend Bilder und Filme kinder- und jugendpornographischem Inhalts fanden die Ermittler, als sie seinen Arbeitsplatz bei einem großen bayerischen Automobilhersteller auf den Kopf stellten. Verschlossen in einem Schrank hatte der vorbestrafte Angeklagte das Material aufbewahrt. Der Anwalt des als Systemanalytiker tätigen Pädophilen argumentierte vor Gericht, dass der Umstand, die verbotenen Materialien verschlossen zu haben, eine Art „Eigentherapie“ dargestellt habe. Außerdem hätten sich Sexbilder und -filme im untersten Fach des Büromobiliars befunden.

Die zuvor veranlasste Hausdurchsuchung war ergebnislos verlaufen. Auf dem Schreibtisch in seinem Zimmer soll sich lediglich ein Zeichnung pornographischer Natur befunden haben. Die Ehefrau war sauer. Ihr Mann war nicht daheim. Ohne Familie war der Angeklagte in die Karibik geflogen. Zurück aus der Dominikanischen Republik, empfing ihn die Kripo am Flughafen. Auf seinem Laptop waren Kinderpornos gespeichert – und die hatten die Beamten gefunden.

Schon 2010 war der Angeklagte wegen Kinderpornos zu sieben Monaten Bewährung verurteilt worden. Schon im Jahr darauf verschickte er in zumindest drei Fällen Kinderpornos an Pädophile. Dem 49-Jährigen drohte eine Haftstrafe. Im Prozess in Freising war ihm daher daran gelegen, dem Gericht glaubhaft zu machen, eien großen Teil des kinder- und jugendpornographischen Materials schon vor der Verhandlung von 2010 besessen zu haben. Man hätte ihn dann nicht im vollen Umfang als Rückfalltäter behandeln können.

Das Gericht verurteilte den Familienvater schließlich zu einem Jahr und neun Monaten, setzte die Strafe für fünf Jahre zur Bewährung aus. Länger darf eine Bewährungsfrist in Deutschland nicht laufen. Der Staatsanwalt beklagte eine große Anzahl von Bildern „mit schwerstem Kindesmissbrauch“. Der Entscheidung zu Gunsten einer Bewährung ging ein umfassendes Geständnis voraus. Das Gericht berücksichtigte zudem, dass der Mann seit 2013 nicht straffällig geworden ist und ordnete eine Therapieauflage an.

Als "pädophil" wollte sich der Angeklagte nicht bezeichnen

Gerade mit der Therapieauflage tat sich der Angeklagte aber schwer. Vor Prozessbeginn hatte er sich in einer Außenstelle des Instituts für Sexualforschung in Regensburg fünf Beratungsgesprächen gestellt. Dass sein Problem gravierender Natur sei, das könne man so sehen, resümierte er. Als Pädophilen mochte er sich nicht bezeichnen. Viel lieber will er „Defiziten aus der Kindheit“ tiefenpsycholgisch auf den Grund gehen. Auf seinen Vorschlag, ihm die Art der Therapie freizustellen, ging das Gericht jedoch nicht ein. „Das mache ich nicht mit“, stellte der Staatsanwalt klar.

Sein Anwalt hätte ihm eine Therapie gern gänzlich erspart. Der Mandant sei gestraft genug, habe seine Lehren gezogen. Der Arbeitgeber habe ihn vor die Tür gesetzt. Seiner Frau hatte nicht gefallen, unvorbereitet mit der Kripo konfrontiert zu werden. Seitdem sei er bemüht, seine Ehe zu retten. Zum zweiten Mal seit der Geburt seines Kindes wurde der Angeklagte mit Kinderpornos erwischt.

Andreas Sachse

Rubriklistenbild: © dpa

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