Nachgefragt

AOK Freising: Das ändert sich mit dem neuen Pflegegesetz

Freising - Für rund 2,8 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland gilt ab 2016 das sogenannte Pflegestärkungsgesetz II. Welche Änderungen sind damit verbunden? Im Gespräch mit Heinrich Hecht, Direktor der AOK-Direktion Freising, beantwortet das FT die wichtigsten Fragen.

Herr Hecht, immer wieder hört man vom neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff. Was hat es damit auf sich?

Heinrich Hecht: Die bisherige Auslegung des Pflegebedürftigkeitsbegriffs gilt seit Jahren als überholt, da sie einseitig auf körperliche Gebrechen eines pflegebedürftigen Menschen ausgerichtet ist. Hilfen für Menschen mit Demenz oder psychischen Erkrankungen waren dabei immer ausgeklammert. Das ändert sich jetzt. Menschen mit demenziellen Erkrankungen werden den körperlich eingeschränkten Pflegebedürftigen gleichgestellt.

Das neue Gesetz systematisiert Pflegebedürftige nach so genannten Pflegegraden. Sind die bisherigen drei Pflegestufen damit Vergangenheit?

Heinrich Hecht.

Ja. Auch der Gradmesser, wer wie viel pflegerische Unterstützung braucht, wandelt sich. Statt drei Pflegestufen gibt es zukünftig fünf Pflegegrade. Es zählt nicht mehr der in Minuten gemessene Pflegebedarf für die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit. Zukünftig ist entscheidend, wie stark der Pflegebedürftige in seiner Selbstständigkeit eingeschränkt ist. Im Vordergrund steht, was der Betroffene noch allein tun kann, und wobei er unterstützt werden muss.

Was müssen der Pflegebedürftige beziehungsweise seine Angehörigen beachten?

Wer bereits pflegebedürftig ist und Leistungen aus der Pflegeversicherung bezieht, wird automatisch in die neuen Pflegegrade übergeleitet. Es ist kein neuer Antrag notwendig, sofern sich der Pflegeaufwand nicht verändert hat. Damit vermeiden wir unnötigen Aufwand für unsere rund 1500 Versicherten in Freising. Wir informieren jeden Pflegebedürftigen noch in diesem Jahr, in welchem Pflegegrad er sich zukünftig befindet.

Gibt es Nachteile für Pflegebedürftige durch die Neuregelung?

Nein. Alle, die bereits Leistungen der Pflegekasse erhalten, bekommen diese weiterhin mindestens im gleichen Umfang. Bei den meisten Betroffenen führt die Überleitung in die neuen Pflegegrade sogar zu höheren Leistungen als heute. Für Pflegebedürftige in vollstationärer Pflege wird sich der Eigenanteil nicht erhöhen.

Wie ist die Situation für Menschen, die eine private Zusatzversicherung abgeschlossen haben, die aber noch nicht in Anspruch genommen haben?

Ich gehe davon aus, dass auch in diesem Fall eine automatische Überleitung stattfindet. Es ist aber sinnvoll, sich vorsichtshalber zu informieren, wie die jeweilige Versicherung das Ganze handhabt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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