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Sie unterhalten das Publikum in „Erster Klasse": Richard Brückl, Andreas Schwarz, Thomas Berlinger, Helmut Karl, Max-Emanuel Reisch, Wolfgang Schnetz, Sandra Giebfried, Willi Ziegltrum, Susanne Leitl, Franz Kaindl und Helga Pollinger (v. l. ).

Laienbühne Freising zeigt heuer zwei Thoma-Einakter

Ein Asam-Abschied „Erster Klasse“

Freising - Es wird für einige Jahre die Abschiedsvorstellung aus dem Herzen der Altstadt sein: Mit zwei Einaktern von Ludwig Thoma sagt die Laienbühne Freising heuer „Servus!“ zum Asamtheater.

Die Inszenierung unter der Regie von Wolfgang Schnetz wird die letzte im altehrwürdigen Asamsaal sein, bevor man dann in die Diaspora geht und wartet, bis die Sanierung des Asamkomplexes abgeschlossen sein wird. Auf die Arbeit des Regisseurs und des Ensembles hat das aber keine Auswirkungen. Bei der Premiere am Freitag, 7. Oktober, um 20 Uhr, wird wie immer das Lampenfieber groß sein. Und Wehmut kommt wohl erst nach der letzten Aufführung von „Gelähmte Schwingen“ und „Erster Klasse“ am Samstag, 10. Dezember, auf. 

„Thoma wird mir in Freising zu wenig gespielt“, sagt Regisseur Wolfgang Schnetz. Schon als er 2014 für den „Feinschmecker“ zum ersten Mal Regie bei der Laienbühne Freising führte und wusste, dass er wohl alle zwei Jahre die Fäden für eine Inszenierung führen werde, hat er sich ein Konzept zurechtgelegt: Wenn er wieder gefragt würde, wolle er Thoma spielen. Vor allem „Gelähmte Schwingen“ wollte Wolfgang Schnetz unbedingt auf die Bühne bringen – ein oft unterschätzter Einakter, aus dem man aber mit viel Hirnschmalz und Arbeit etwas wirklich Beeindruckendes machen könne, war er sich sicher. Jetzt, kurz vor der Premiere, sieht sich der Regisseur am Ziel seiner Träume: Aus „Gelähmte Schwingen“ hat er zusammen mit dem engagiert mitarbeitenden Ensemble das herausgeholt, was er wollte. „Das 40-Minuten-Stück ist ein lustiger, humorvoller und humoriger Einakter geworden“, betont der Freisinger: „Kein Kammerspiel“, aber auch „keine Depperlkomik“. Dass die schwierige Arbeit mit dem Text und mit den Schauspielern so gut und so schnell geklappt hat, das habe ihn selbst erstaunt.

Familientheater gibt es in „Gelähmte Schwingen“: Daniela Lederer, Stephan Leitmeier, Verena Schuhbauer, Margot Riegler, Anton Wiesheu, Regisseur Wolfgang Schnetz und Ludwig Kropp als Ludwig Thoma (v. l. ).

Weil ein Einakter aber kein abendfüllendes Theater ist, hat Schnetz einen Thoma-„Klassiker“ dazugenommen: Josef Filser in „Erster Klasse“. Und auch hier waren die Mitspieler mit großem Engagement und Gemeinschaftssinn bei der Sache. Apropos Gemeinschaftssinn: OB Tobias Eschenbacher hatte sich ohne zu zögern bereiterklärt, beim Werbetrailer für den Thoma-Abend mitzuspielen. „Das hat mich sehr gefreut“, meint der Regisseur. 

Auch wenn die meisten Theaterbesucher dieses Thoma-Stück kennen – so, wie es die Laienbühne Freising spielt und wie es Schnetz inszeniert hat, dürfte es einmalig sein. Denn: Der „Mikrokosmos“ eines beengten Zugabteils, in dem sich sechs Menschen unerträglich nerven, wird teilweise „aufgebrochen“. Manche Szenen verlegte der Regisseur auf den Bahnsteig. Der Zuschauer hat also zwei Blickwinkel – einmal auf den Zug, einmal ins Abteil. Wie das geht? Mit einer Drehbühne. „Genial“, lobt Wolfgang Schnetz den dafür verantwortlichen Bühnenbauer Bernhard Nadler. Doch auch wenn manch eine Szene „draußen“ spielt, im Abteil geht es noch immer eng zu, treten sich die Leute auf die Füße, es ist dunkel, die Koffer nehmen Platz weg, alle nerven alle. Darauf darf man sich freuen. 

Übrigens: Die Abteilkulisse ist eine Leihgabe des Bayerischen Localbahnmuseums in Bayerisch Eisenstein, das dieses Prachtstück einst von einem Fernsehausstatter geschenkt bekommen hat. „Das spielte 1991 in der ARD-Serie Josef Filser – Szenen aus dem Leben eines bayerischen Abgeordneten.“ 

Damit die beiden Einakter nicht „Vorhang auf – Vorhang zu!“ ablaufen, wie es der Verantwortliche ausdrückt, hat er selbst eine kleine Rahmenhandlung geschrieben. In der treten er und Ludwig Kropp als Ludwig Thoma auf. Weil sich Wolfgang Schnetz im Vorfeld sehr viel mit Ludwig Thoma beschäftigt hat, hat er auch einen ganz besonderen Bezug des Schriftstellers zu Freising gefunden: Der Name des berühmten Landtagsabgeordneten von Thoma’s Gnaden, Josef Filser, ist ein Freisinger Name. Genauer: ein Hangenhamer Name. Denn Thoma war, als die satirischen Briefe eines imaginären könglich-bayerischen Landtagsabgeordneten schon verfasst waren, er aber noch keinen Namen für diese Figur hatte, mal wieder mit einem Jagdfreund im Landkreis unterwegs. Er besuchte dabei den Friedhof in Hangenham – und stieß dort auf das Grab eines Ökonomen namens Josef Filser. Der Name war gefunden. Bis zum Ende der 50er-Jahre stand der Stein. Heute ist er verschwunden. 

Und noch was ist an der heurigen Aufführung der Laienbühne besonders: Es wird für einige Jahre die letzte Inszenierung im Asamtheater sein. Wolfgang Schnetz und das Ensemble sind sich dessen wohl bewusst. „Wir trauern der altehrwürdigen Ruine schon eine Träne nach“, beschreibt der Regisseur und 2. Vorsitzende die Stimmung. Den ganz besonderen Geruch, dieses einmalige Odeur, die Mischung aus Salpeter, Schwefel und Schimmel – das wird es im „neuen“ Asam nach der Sanierung nicht mehr geben. Und viele Laienspieler haben so wie Wolfgang Schnetz seit rund 30 Jahren „die verschiedenen Verfallsstadien“ des Asam- theaters mitverfolgen können. Auch das schweißt zusammen. 

Wo man in den kommenden Jahren spielen wird, steht noch nicht ganz fest. Geht es nach Schnetz, dann könne er sich – wenn es termintechnisch machbar ist – die Luitpoldhalle vorstellen.

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