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Wenn der Druck zu groß wird , suchen Jugendliche oft den „ultimativen Rauschzustand“. 

Sprunghafter Anstieg jugendlicher Komasäufer im Landkreis

Kampftrinken in der Komfortzone

Alarmierende Freisinger Zahlen in Sachen Komasaufen, die über dem Landesdurchschnitt liegen, meldet die DAK: 69 Kinder und Jugendliche aus dem Landkreis landeten 2015 mit Alkoholvergiftung im Klinikum – ein Anstieg gegenüber 2014 um 40,8 Prozent. (Land: minus 4,1 Prozent). Die Prop-Suchtberatung ist schockiert.

Freising – Die Leiterin des Prop e.V. in Freising, Bärbel Würdinger, kann die Zahlen, die das Landesamt für Statistik erhoben und die die DAK jetzt erstmals veröffentlicht hat, nicht nachvollziehen: 40 Prozent mehr Jugendliche im Landkreis, die als Komasäufer im Klinikum behandelt werden mussten, während der landesweite Trend sinkt? Das habe sie „so nicht gewusst“. Denn ihre Quelle, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA), sage das Gegenteil: „Wir haben sogar einen Rückgang gemeldet bekommen.“

Jedenfalls werde sie die Landesamts-Statistik genau abklopfen und dann reagieren. Sollte sich ein dramatischer Trend herauslesen lassen, will die Prop-Leiterin nicht nur mit ihrem Team intensive Schritte beraten, sondern auch noch enger mit der Polizei in Kontakt treten, die derzeit schon „schwierige Fälle“ zur Beratung empfiehlt. Denn eine Tatsache ist nach wie vor schwierig für Prop: „Wir kommen nur schwer an die Betroffenen heran.“ Ein Angebot in punkto Komasaufen gebe es schon: „Mit unserem Projekt HaLt (Hart am Limit) helfen wir seit 2008 Kindern und Jugendlichen mit riskantem Alkoholkonsum und wollen sie damit vom Kampftrinken wegbringen.“

Wieso trinken Jugendliche bis zur Besinnungslosigkeit? Bärbel Würdinger: „An erster Stelle steht der Leistungsdruck, der sich oft schon in der Schule aufbaut.“ Deswegen liege das Eintrittsalter bei Alkoholmissbrauch schon zwischen 13 und 14 Jahren. Doch noch ein Aspekt sei wichtig: „Die junge Generation hat nicht mehr gelernt, Risiken klar einzuschätzen, will aber immer öfter Grenzen ausloten.“ Es fehle die Selbstreflexion: „Die Computergeneration ist in einer Komfortzone aufgewachsen. Vieles wurde ihr schon im Elternhaus abgenommen. Und dann muss der Einzelne plötzlich lernen, mit Risiken umzugehen und eigene Entscheidungen zu treffen.“ Wenn da der Druck zu groß werde, suche der Betroffene den „ultimativen Rauschzustand“. Würdinger: „Er will sich ganz einfach abschießen, ohne auch hier die Folgen zu bedenken.“ Ein Teufelskreis, den die Prop-Berater mit ihren Angeboten zu durchbrechen suchen: „Das ist unser Qualitätsziel.“

Polizeichef Ernst Neuner kann sich nicht erinnern, dass es seine Beamten im vergangenen Jahr unverhältnismäßig viel mit Komasäufern zu tun hatten: „Aber bei uns schlägt auch nicht jeder Fall auf.“ Deswegen mahnt er zur Vorsicht im Umgang mit Statistiken: „Gerade im Bereich Alkohol gibt es oft große Sprünge innerhalb der Jahres-Bilanzen. Nur der Vergleich von mindestens fünf Jahren ist wirklich aussagekräftig, will man einen Trend erkennen.“

Eltern, Jugendamt, Beratungsempfehlung: Das sei laut Ernst Neuner die Meldekette, die die Polizeibeamten einhalten, wenn sie einen Komasäufer aufgreifen. Dieser Dreiklang sei „in der Regel auch ein heilsames Erlebnis“ für den Betroffenen: „Den trifft man dann in der Regel nicht noch einmal in so einem Zustand an.“

Das Kräftemessen, wer mehr verträgt, sei der häufigste Grund für Komatrinken, meint Neuner: „Solche Konteste haben aber nichts mit Stärke zu tun, sondern zeugen nur von mangelndem Selbstbewusstsein.“ Der Polizeioberrat appelliert auch an die Eltern: „Sie sind in der Pflicht. Wenn regelmäßiger Alkoholgeruch oder seltsames Verhalten bei Teenagern auffällt, ist es ratsam, sich sofort Hilfe zu holen.“

Gut zu wissen

Informationen zur Psychosozialen Behandlungs- und Beratungsstelle in Freising (Prop) gibt’ s unter: www.prop-ev.de.

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