+
Ziemlich ruhig war es die meiste Zeit im Freisinger Freibad. Franz Kessler, der Chef der Bademeister, kann sich aber über Arbeitsmangel nicht beschweren. Auch bei Flaute gibt es genügend „hinter den Kulissen“ zu tun.

Wetterkapriolen verderben die gute Laune – und das Geschäft

Der Frust-Sommer

Landkreis - Eine regelrechte Achterbahnfahrt erleben Gastrononen und Einzelhändler derzeit im Landkreis. Grund dafür ist das ständig wechselnde Wetter. Denn Regen, Gewitter und Stürme verderben nicht nur vielen Bürgern die Laune, sondern auch dem Gewerbe das Geschäft. Immerhin war das vergangene sonnige Wochenende ein kleiner Lichtblick.

Landkreis – Am See ein Sonnenbad nehmen und bis spät in der Nacht im Garten sitzen – gerne erinnern sich viele Bürger an den vergangenen Traumsommer. Doch Urlaubsfeeling und Kauflaune lassen heuer noch auf sich warten. Wie es beim Einzelhandel, den Biergärten, Eisdielen und Freibädern trotz einiger Sonnentage in der Kasse aussieht? Das Freisinger Tagblatt hat nachgehakt.

Kunden-Minus 

Wolfgang Billmayer vom gleichnamigen Modehaus ist frustriert: Der Umsatz in seinem Bekleidungsgeschäft ist im Gegensatz zum vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. „Wenn das Wetter nicht stimmt, fehlt einfach die Lust und Laune zum Einkaufen“, erklärt er die momentane Situation. Insbesondere in Sachen Bademode laufe das Geschäft schleppend und mache sich in der Kasse bemerkbar. Doch kurzerhand sein Sortiment ändern und passendere Artikel wie etwa Gummistiefel oder Regenjacken mit aufnehmen, das möchte der Einzelhändler nicht. Denn eines steht für Wolfgang Billmayer fest: „Wir führen unser Jahreszeiten-Sortiment konsequent weiter.“ Am vergangenen Wochenende ist dieser Plan denn auch aufgegangen. „Wie ich mir gedacht habe, haben die Leute an den paar warmen Tagen Lust gehabt, Bademode und kurze Hosen einzukaufen“, freut sich Billmayer. Monika Aumeier, Inhaberin von „Kindermoden Aumeier“, sieht das ganz ähnlich. Regenbekleidung verkaufe sich nicht besser als das Sommersortiment. Schließlich brauche man davon meist nur eine Garnitur. Umsatzeinbußen beklagt auch sie, doch hängen die ihrer Meinung nach nicht zwangsläufig nur mit dem Wetter zusammen. „Schlechtes Wetter oder die Internet-Konkurrenz, das kann man ohnehin nicht trennen“, erklärt Monika Aumeier. 

Die wenigen warmen Tage hätten das Geschäft wenigstens ein bisschen angekurbelt – mithilfe eines kleinen Tricks: „Wir verkaufen zwar mehr, haben jetzt aber auch die Preise gesenkt“, sagt die Geschäftsfrau und lacht. „Aber das ist schon in Ordnung. Die Leute merken jetzt, dass sie doch noch das eine oder andere brauchen.“ Günther Sesselmann, Geschäftsführer von Fashion & More, kann sich seinen Kollegen aus dem Einzelhandel nicht anschließen. Er habe schon vor einiger Zeit sein Geschäft auf Nachhaltigkeit umgestellt. Er verkauft hochpreisigere Kollektionen aus fairer Produktion. Und da hat er einen festen Kundenstamm – egal, wie das Wetter wird. Sesselmann: „Viele müssen bei dem Wetter nach einigen Wochen ihre Waren wieder reduzieren. Bei mir gibt es dahingegen keine Fast Fashion“, erzählt er. Weil seine Kollektionen breit gefächert und nicht primär saisonabhänig seien, ist für Sesselmann „der Druck nicht so hoch wie für andere Geschäfte“. 

Biergarten-Flaute 

Pächter Reinhard Hofmeier leitet den Biergarten Schlossallee in Haag. Ihn belasten die regnerischen Monate nicht so sehr. „Der Sommer lief 2015 auch nicht wirklich vielversprechend an und trotzdem wurde es ein sehr gutes Jahr mit guten Umsätzen“, erinnert er sich. Das vergangene Wochenende lässt ihn optimistisch in die Zukunft blicken: „Wenn das Wetter jetzt besser wird, kommen auch die Gäste wieder. Die lassen sich von den Regentagen nicht nachhaltig vergraulen.“

 Der Pächter des Bräustüberls Weihenstephan, Thierry Willems sieht das anders: Er klagt über 25 bis 30 Prozent Einbußen im Vergleich zum Biergartengeschäft der Vorsaison. Am schwersten treffe es das Personal: „Unsere Aushilfen und Schankkräfte, größtenteils Studenten, springen der Reihe nach ab und schauen sich nach neuen Jobs um. Die suchen halt eine permanente Beschäftigung. Und die kann ich ihnen bei den derzeitigen Wetterkapriolen aktuell nicht bieten.“ Wurst könne man variabel bestellen – mal mehr, mal weniger. Beim Personal sei das nicht so einfach, meint der Gastronom. Die „marginale Wetterbesserung“ am vergangenen Wochenende konnte die Einbußen des bislang mauen Biergarten-Geschäfts am Weihenstephaner Berg auch nicht ausgleichen, erklärt Willems. „Nach soviel Regen kommen auch bei Sonnenschein derzeit nicht sehr viel Gäste mehr.“ 

Eiszeit-Pause

Diego Campo ist mit seiner Eisdiele „Garda“ in Freising genauso vom guten Wetter abhängig wie die Biergarten-Pächter. Und deshalb lässt auch ihn der derzeitige Geschäftsgang nicht gerade frohlocken. „Es ist schon wenig im Vergleich zu den vergangenen Jahren“, bedauert Campo. Er bietet seinen Gästen bei schlechtem Wetter immerhin eine Alternative. Selbst bei Sturm und Gewitter könnten die Leute bei einem Eis oder Cappuccino im gemütlichen Innenbereich des Eiscafés sitzen. Tetzdem merkt auch Campo: „Bei wechselhaftem Wetter sind einfach weniger Leute in der Innenstadt unterwegs. Entweder sie gehen gar nicht aus dem Haus, oder sie fahren mit dem Auto irgendwo anders hin.“ Nur an den wenigen Sonnentagen bis Anfang der Woche habe sich das mal geändert. Da gab es einen regelrechten Ansturm auf das Eiscafé an der Unteren Hauptstraße: „Das war ein angenehmes Intermezzo.“ 

Bade-Frust (und -Lust)

Bis zu 30 Prozent Einbußen musste Bräustüberl-Pächter Thierry Willems beim Biergartengeschäft heuer schon verzeichnen. Da änderten auch die wenigen Schönwetterphasen nicht viel daran.

 „Eine sehr ruhige Saison.“ So deutlich beschreibt Franz Kessler, Chef der Bademeister im Freisinger Freibad, den derzeitigen Sommer. Waren es 2015 noch über 125 000 Badegäste, so zeichne sich für heuer bereits jetzt eine niedrigere Zahl ab. Das liege laut Kessler aber auch an der Baustelle, die das Freibad zusätzlich zum Wetter belaste. Untätig rumsitzen müssen die Mitarbeiter im Freibad aber nicht. Denn der Regen habe laut Kessler auch seine guten Seiten. „Wenn weniger Besucher da sind können wir Wichtiges schneller abarbeiten. Dazu gehören Reinigungs- und Wartungstätigkeiten.“ 

Und dazu gehören auch Rasen mähen oder Hecke schneiden. „Das ist deutlich einfacher, wenn weniger Besucher da sind.“ Trotz des meist schlechten Wetters gab es doch einen Besucherrekord. Am vergangenen Sonntag mit seinen knapp 30 Grad war der Ansturm so groß, dass insgesamt 2800 Badegäste aufs Gelände strömten – so viel wie bisher noch nie in diesem Sommer. Und auch wenn’s wieder schlechter wird, bleiben Franz Kessler und sein Team optimistisch: „Wir nehmen’s, wie’s kommt.“ Das war auch im Moosburger Freibad in den vergangenen regnerischen Monaten das Motto. Auch hier zeigt die Besucherkurve deutlich nach unten. Doch zweiter Bademeister Marc Przybella bleibt gelassen. „Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt“. Und sein Optimismus hat sich am vergangenen Wochenende ausgezahlt. Da schossen die Einnahmen auch im Freibad der Dreirosenstadt in die Höhe. Przybella: „Wir hatten Full-House. Die Leute waren nach dem schlechten Wetter richtiggehend sonnenhungrig und haben unsere Kassen gestürmt“. Und noch ist der Sommer 2016 nicht vorbei.

Victoria Stettner/Felicitas Appel

Mehr zum Thema

Auch interessant

<center>T-Shirt "Mei Trachtenhemd is in da Wäsch" grau</center>

T-Shirt "Mei Trachtenhemd is in da Wäsch" grau

T-Shirt "Mei Trachtenhemd is in da Wäsch" grau
<center>T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" fuchsia</center>

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" fuchsia

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" fuchsia
<center>T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" schwarz</center>

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" schwarz

T-Shirt "Mei Dirndl is in da Wäsch" schwarz
<center>Bayerische Crossover-Tapas</center>

Bayerische Crossover-Tapas

Bayerische Crossover-Tapas

Meistgelesene Artikel

Attenkirchen: neues Feuerwehrhaus kann kommen - der Bauhof freut sich mit

Attenkirchen - Attenkirchens Floriansjünger können sich freuen: Sie bekommen nicht nur ein neues Feuerwehrhaus, sondern auch eine Waschhalle mit dazu. Das freut auch den …
Attenkirchen: neues Feuerwehrhaus kann kommen - der Bauhof freut sich mit

Stadtwerke München ignorieren Moosburger Kanal-Vereinbarung

Moosburg - Die SWM haben es schon wieder getan: Wegen eines erneuten Kahlschlags am Amperüberleitungskanal platzte Bürgermeisterin Anita Meinelt im Bauausschuss der …
Stadtwerke München ignorieren Moosburger Kanal-Vereinbarung

Unbekannte brechen drei Gartenhäuser auf

Freising - Drei Gartenhäuser wurden laut Polizei in der Nacht zum Montag in der Schrebergartensiedlung in der Parkstraße in Freising aufgebrochen – und zwar mit …
Unbekannte brechen drei Gartenhäuser auf

Unter Baggern begraben: PLUS-Pläne für 2017 gescheitert

Freising - Es war eher eine zarte Idee, denn ein handfester Plan, doch die hat sich bereits zerschlagen: Auch im kommenden Jahr wird es kein PLUS-Festival geben.
Unter Baggern begraben: PLUS-Pläne für 2017 gescheitert

Kommentare