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„Wir sind“ heißt die Gruppe, die ihre Werke im Alten Gefängnis zeigt. Gernot Lysek (2. v. r) begrüßte (weiter v. l.): Geraldine Frisch, Elisabeth Lex, Wolfgang Fritz und Christa Walde.

Erdinger Künstler stellen im Alten Gefängnis aus

Großer Spannungsbogen

Freising - Ein großer und lang gehegter Wunsch ging für die Gruppe „Wir sind . . .“ in Erfüllung: Dass sie jetzt im Alten Gefängnis in Freising ihre Exponate zum Thema „Zelle“ zeigen kann. Die vier Künstler aus dem Nachbarlandkreis hatten davor im Museum und im Frauenkircherl Erding themenbezogen ausgestellt.

Seit fünf Jahren besteht „Wir sind . . .“ aus den Künstlern Geraldine Frisch (Fotografie, Malerei, Grafik), Wolfgang Fritz (Holzbildhauerei), Elisabeth Lex (Malerei, Installation, Fotografie) und Christa Walde (Bildhauerei, Keramik).

 Die künstlerische Herausforderung der Vier besteht darin, so Wolfgang Fritz bei der Vernissage, sich für ihre Projekte durch bestimmte Räume, deren Lage, Geschichte und Funktion inspirieren zu lassen. In ihrem dritten Kunstprojekt setzt sich die Gruppe im Alten Gefängnis mit dem Thema „Zelle“ auseinander. Professor Gernot Lysek wies denn in seiner Laudatio auf den großen „Spannungsbogen“ dieser Ausstellung hin, Dass die Gruppe sich auf die jeweiligen Örtlichkeiten mit ihren Exponaten – und hier mit der Zelle im ganz weit gefassten Sinn befasst – auseinandersetzt, fand Lysek bemerkenswert: „Und es hat sich bewährt“. Zur Ausstellungseröffnung waren viele Freunde der Künstler aus dem benachbarten Erding in die Domstadt gekommen, entsprechend groß war das Gedränge in den kleinen Räumen des Gefängnisses, die jetzt als Ausstellungsräume dienen.

 Geraldine Frisch kommt von der Architektur und zeigt hier auf großflächigen Fotos zellartige Gebilde und deren innere Strukturen. Hier lohnt sich das nähere Zugehen auf die Bilder. Wolfgang Fritz stellt dar, was er mit der Kettensäge aus Stammholz an Skulpturen zu schaffen in der Lage war. Für den Betrachter ist es dabei eine Herausforderung, sich darüber klar zu werden, wie die Innen- und die Außenansicht der Exponate als „zwei Seiten einer Medaille“ im Raum wirken. Mit malerischen und zeichnerischen Elementen setzt Elisabeth Lex das für sie sehr persönliche Thema um. „Wer war er?“ fragt sie nach einem Mann, der die Familie mit vier Kindern verließ und endlich im Gefängnis landete. Hier erinnert sich der Gescheiterte und schreibt Briefe an seine Tochter, die diese aber nie las. Dass sie es trotzdem schaffte loszulassen und lernte, was Versöhnung bedeutet, versucht Elisabeth Lex mit Licht, Schatten und Farbe vermitteln. Christa Waldes Objektkästen widerspiegeln nicht nur die schönen, sondern auch die dunklen und tragischen Seiten des Lebens. Ganz deutlich wird an ihrer Schauwand, dass sie vom Freisinger Gefängnis und dessen Geschichte sehr beeinflusst wurde. Besonders die Zauberbubenprozesse unter Fürstbischof Franz Eckher mit Folter und Hinrichtung von Kindern habe sie dazu inspiriert, einige Arbeiten zu machen.

Heinz Mettig

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