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Das Lebensgefühl Bier wollte Nadja von Nessen mit ihren Kollegen (l. Kai Büchner) wiederauferstehen lassen.

FT-Serie "Unser Bier": Die Studentin

„Niemand hat gesagt: Das kannst du nicht!“

Freising- Ist das Brauwesen eine Männerdomäne? Das muss man bejahen. Doch Nadja von Nessen (25) lässt sich davon nicht beirren: Sie macht ihren Master im Brauwesen – und arbeitet momentan in den USA

Schürze, Bäuchlein, großer Holzlöffel und eine Halbe Bier in der Hand – das ist das klassische Klischee, wie ein Brauer auszusehen hat. Am besten ist er noch dazu leicht beschwipst. Nicht alles davon ist unbegründet, sagt Nadja von Nessen (25). Sie studiert Brauwesen und Getränketechnologie – und steht beim Brauen zu Hause schon auch mal mit Schürze, Kochlöffel und Bier vor einem Topf. 

Und noch eines hat sie mit den alten Brauern gemein: Auf den Mund gefallen ist sie nämlich nicht. Ursprünglich ist die Braustudentin gar nicht aus Freising: Sie kommt aus Aschaffenburg – und musste eine Wahl treffen. Studiert sie Brauwesen in Freising oder in Berlin? Abgesehen davon, dass Berlin zu weit weg war, war für sie persönlich klar: „Ich gehe nach Freising.“ So verschlug es sie auf ihrem Bildungsweg in die Domstadt – und da hat sie sich gut eingelebt. Schon seit sie ein Teenager war, wollte sie ins Brauwesen. Warum? Ihr Vater war Getränkebetriebsmeister – von klein auf wurde sie damit immer wieder konfrontiert. Praktika bei Brauereien bestärkten sie in ihrem Beschluss. Obwohl sie schon auch einmal zweifelte: „Ist es nicht doch eine Männerdomäne?“, fragte sie sich.

Das Lebensgefühl Bier wollte Nadja von Nessen mit ihren Kollegen (l. Kai Büchner) wiederauferstehen lassen.

Aber: Ihre Entscheidung stand. Und auch auf ihrer Seite in der Abiturzeitung schrieben ihre Freunde: „Wenn sie erst kapiert hat, dass sie nichts anderes machen will, macht sie eine eigene Brauerei auf.“ Was braucht man also, um Brauwesen und Getränketechnologie zu studieren? Die Naturwissenschaften. Und da hätte Nadja beinahe die Mathematik ein Bein gestellt – zumindest in den ersten beiden Semestern. Dafür gab sie in den anderen Kursen Gas – vor allem die Sensorik (in der zum Beispiel Aromen behandelt werden) hatte es ihr angetan. Zur Akklimatisierung half zu Beginn des Studiums vor allem, dass man mit den Studenten der Lebensmitteltechnologie zusammen Kurse hat – „dann war das Verhältnis von Frauen und Männern wieder ausgeglichen“, sagt sie. Als dann aber die Kommilitonen erfuhren, dass sie Brauerin ist, „dann musste ich schon mal ein Bierchen mit den Männern mittrinken“. Und genau diese Zugehörigkeit macht es leicht, sich in einem von Männern dominierten Studiengang zurechtzufinden und akzeptiert zu werden, meint sie. „Niemand hat gesagt, das kannst du nicht“, sagt Nadja von Nessen. 

Auch bei den körperlichen Arbeiten haben weibliche Brauer mittlerweile kaum mehr einen Nachteil, erzählt sie. „Das ist ja fast alles vollautomatisiert.“ Eines muss man sich allerdings aneignen: „Ein Schlappmaul.“ Auf bayerisch: „A g’schliffen’s Mundwerk.“ Unter Brauern geht es schon einmal derber zu – davon konnte sich die Studentin bei diversen Praktika schon selbst überzeugen. Schüchtern darf man also nicht sein – alles andere kann man sich erarbeiten. Einiges macht man sogar in seiner Freizeit – wie 2014 am Innovationswettbewerb für Getränke- und Lebensmittel (IGL) teilnehmen. Dort wollten Nadja und ihre Kollegen das „Lebensgefühl Bier“ wiederauferstehen lassen. Weg vom „Reinschütt-Image“, wie sie sagt. Ihre Bier-Innovation hat eine rötliche Farbe und soll an eine gute Flasche Wein erinnern. Die Idee schlug ein – sie landeten unter den Top 3, konnten aber nicht gewinnen.

Bücher über Bücher muss Nadja von Nessen für ihre Masterarbeit wälzen – bald hat sie es geschafft.

Jetzt, zwei Jahre später, steht Nadja von Nessen kurz vor dem Abschluss ihres Studiums. Den Bachelor hat sie bereits in der Tasche, an der Masterarbeit schreibt sie gerade. Seit Anfang April ist sie in Milwaukee, der Bierstadt Amerikas. Dort absolviert sie ein viermonatiges Praktikum bei Krones Inc., einer Vertriebs- und Serviceniederlassung der Krones AG, die auch in Attaching situiert ist. Sie arbeitet im technischen Vertrieb. Was sie danach plant, weiß sie noch nicht. „Ich muss definitiv nochmal heim.“ Aber vielleicht hält sie sich da nur kurz auf – wenn es ihr in den Staaten gefällt, kann sie sich gut vorstellen, für ein paar Jahre dort zu bleiben. Aber auch Münchens Speckgürtel ist noch nicht aus dem Rennen, was die Jobsuche betrifft. Was letztlich passiert, weiß sie selbst noch nicht. Eines kann sie aber fast ausschließen: Eine eigene Brauerei, wie es ihre Freunde in die Abizeitung schrieben, wird sie wohl nicht eröffnen.

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