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Kapazitäten auf dem Gebiet der Psychosomatik: Prof. Giovanni Maio (l.) und Chefarzt Dr. Bruno Schröder beim Festakt zur Eröffnung der Tagesklinik. 

Psychosomatische Tagesklinik mit Festakt eröffnet

Plädoyer für eine Medizin der Zuwendung

Freising - Seit zehn Jahren bietet das Klinikum Freising mit der Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie Hilfe für Menschen in Lebenskrisen. Seit diesem Sommer wird auch eine stationäre Behandlung in einer psychosomatischen Tagesklinik angeboten – von Anfang an ein durchschlagender Erfolg.

Zur offiziellen Eröffnung am Donnerstag Abend referierte der Arzt, Philosoph und Universitätsprofessor für Bio- und Medizinethik Giovanni Maio zum Thema „Ohne Zuwendung ist alles nichts. Für eine Wiederentdeckung der Sorge in der modernen Medizin.“

Seit der Eröffnung der Tagesklinik werde die Einrichtung sehr gut angenommen, betonte der Ärztliche Direktor am Klinikum Freising, Professor Dr. Ewert Schulte-Frohlinde. Wie hoch der Bedarf an professioneller psychischer Betreuung sei, habe sich gleich nach Eröffnung gezeigt. Alle zehn Plätze seien binnen kürzester Zeit belegt gewesen. Chefarzt Dr. Bruno Schröder wertete das große Interesse an der Einrichtung als „Wertschätzung“ für die geleistete Arbeit, die man sich in den zehn Jahren des Bestehens der Abteilung erarbeitet habe. Im Sinne des Festredners, der die Zuwendung zum Patienten sowie die heilende Kraft des Verstehens und Vertrauens im Mittelpunkt der Behandlung sehen möchte, sei er dankbar dafür, dass er für den Patienten tätig sein dürfe, betonte Schröder.

Zwischenmenschlichkeit sei nämlich das Entscheidende, wenn man einem Patienten wirklich helfen wolle, erläuterte Maio. Die moderne ökonomisierte Medizin, die auf Fakten und Wissen beruhe, hielte davon ab, sich dem Menschen zuzuwenden. „Die Medizin lernt in Schubladen zu denken und subsumiert den Patienten in vorgefertigte Raster.“ Helfen und heilen könne man nur dann, wenn man sich dem Menschen in seiner Unverwechselbarkeit zuwende. „Jeder Patient ist ein Universum mit vielen Hinweisen, die man bündeln muss, betonte der Philosoph und Arzt, der über langjährige, eigene klinische Erfahrung verfügt. Verstehen und Einfühlen sei eine „Kunst“, ein kreativer Prozess. Ärzte sollten sich dafür interessieren, wer der kranke Mensch sei. Man brauche dafür nicht viel Zeit, sondern nur die richtige Einstellung, eine Art „Bescheidenheit“, so formulierte es Maio. Denn erst wenn der kranke Mensch sich verstanden fühle, entstehe die Basis für das Heilen und das „Hoffen können“.

Dies biete auch für den Mediziner die Chance, sich selbst neu zu finden, betonte Maio. Zuwendung sei nicht das „Sahnehäubchen“. Ohne Zuwendung könne nicht behandelt werden. „Der Kranke hat uns etwas zu sagen und gute Ärzte wissen das“, so Maio. Die jungen Medizinstudierenden in den Hörsälen seien hochmotiviert. Sie wollten Ärzte werden, um anderen zu helfen, schilderte der Professor seine Erfahrungen. Doch Krankenhäuser seien Wirtschaftsbetriebe, wo die Motivation der Jungen eher ein Hindernis als ein Qualifikationsmerkmal sei. In dem Zusammenhang ermutigte Maio die anwesende Ärzteschaft, die Stimme zu erheben, im Sinne einer Rückkehr zum Dialog mit den jeweiligen Leitungen der Kliniken. „Sie haben einen freien Beruf“, so der Festredner. „Behandeln Sie im Interesse des Patienten. Und: „Im Grunde sind sie ein Anwalt des Patienten“, sagte Maio unter stürmischem Applaus.

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