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Im Geldbeutel hat Judas den Lohn für seinen Verrat: Museumsdirektor Kürzeder mit einer Figur der Passionskrippe

Dommuseum erwirbt ungewöhnliches Objekt

Das Letzte Abendmahl als Krippe

Freising - Das „Letzte Abendmahl“ als Krippe? Wir befinden uns doch in der Karwoche und nicht im Advent! Das Diözesanmuseum Freising hat eine ungewöhnliche Jahreskrippe erworben.

Die schweren roten Samtvorhänge scheinen gerade erst zurückgezogen worden zu sein. Vor grünem Hintergrund und goldenen Wandleuchtern steht eine lange Tafel, gedeckt mit Tellern, in der Mitte ein Lamm und zwei Brotlaibe. Die Kelche fehlen. Gerade segnet Jesus das Brot. Wie seine Jünger trägt er ein buntes Gewand, doch auf den dunklen Haaren sitzt die Strahlenkrone. Die Arme der anderen sind zum Gebet ausgestreckt oder die Hände gefaltet. Eine Figur am linken äußeren Rand sticht unter den Männern hervor: Judas, der Verräter, mit roten Haaren und Bart, hat sich von Jesus abgewendet.

Die Jahreskrippen lassen den Text der Evangelien zu Bildern werden. An das letzte Abendmahl, das diese Passionskrippe darstellt, erinnern die Christen am heutigen Gründonnerstag. Und natürlich in Gottesdiensten mit Eucharistiefeier. „Der Krippenbauer hat die gleiche Aufgabe wie ein Regisseur“, erklärt Christoph Kürzeder, Direktor des Diözesanmuseums auf dem Freisinger Domberg. „Er muss jeder Figur die Rolle geben, die sie in der Momentaufnahme, die eine Jahreskrippe zeigt, spielen soll. Bei dieser ist es die Segnung des Brotes durch Christus.“

Im Geldbeutel hat Judas den Lohn für seinen Verrat: Museumsdirektor Kürzeder mit einer Figur der Passionskrippe

Gerade durch das Kästchen, in dem sich die Krippe befindet, hat der Betrachter das Gefühl, er schaue auf eine Guckkastenbühne. In diesem Fall waren die „Regisseure“ die bekannten Brüder Augustin Alois (1758 bis 1807) und Joseph Benedikt Probst (1773 bis 1861) aus Sterzing in Südtirol. Sie schufen auch die vielleicht berühmteste Jahreskrippe mit mehr als 5000 Figuren und 50 Szenen, die heute im Diözesanmuseum in Brixen zu sehen ist. Ihre besonderen Fähigkeiten zeigen sich auch in dieser Passionskrippe: Obwohl es sich nur um wenige Zentimeter große Miniaturen handelt, sind alle Holzfiguren bis ins Detail ausgearbeitet, von den Gesichtszügen bis zu den Falten in ihren Gewändern. So werden sie zu Charakteren. „Die Brüder Probst fertigten Figuren in großer Zahl, die auch für den kleinen Mann erschwinglich sein sollten“, erzählt Christoph Kürzeder. Deshalb seien auch heute noch immer wieder schöne Bestände zu finden, wobei Weihnachtskrippen natürlich noch weiter verbreitet seien als etwa Passionskrippen.

Das Diözesanmuseum hat das „Letzte Abendmahl“ vergangenes Jahr von den Erben eines Münchner Sammlers und Bildhauers erworben. Verschiedene Szenen, von Weihnachten bis zur Passion, waren in dessen Wohnzimmer aufgestellt gewesen, nun sollten sie in eine öffentliche Sammlung gegeben werden. Das Diözesanmuseum bot sich natürlich dafür an, denn es beherbergt eine der größten Krippenausstellungen Deutschlands.

Den Preis verrät der Museumsdirektor nicht, stattdessen bekommt man ein Lächeln: Über Geld spricht man nicht. Dafür erzählt Kürzeder gerne mehr über die Bedeutung von Jahreskrippen. Als Gottesdienste für die meisten Menschen in unverständlichem Latein gehalten wurden, brachten die bildhaften Darstellungen den Menschen das Evangelium nahe. Vor den Zeiten von Fernsehen und Fotografie seien sie ein Medium der Aufmerksamkeit gewesen, die wie das Theater einen Illusionsraum schufen und eine Geschichte erzählten. „Der Betrachter sollte sich als Teil des Geschehens empfinden.“

Auch wer heute dieses „Letzte Abendmahl“ betrachtet, kann noch dessen Anziehungskraft spüren und das Gefühl, sich in dieser Momentaufnahme zu verlieren. Momentan ist es allerdings geschlossen, da der Brandschutz modernisiert und das Haus architektonisch neugestaltet wird. Bis Ende 2019 aber soll das Museum wieder seine Schätze zeigen. Und dann kann auch das „Letzte Abendmahl“ seine volle Pracht entfalten.

Von Theresa Pancritius

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