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Ein Beitrag zur Integration: SPD-Politiker Peter Warlimont (M.) kam zum Workshop „Demokratische Bildung (Auf Arabisch)“ ans Camerloher-Gymnasium, der von (v. l.) Luise Bensmann, Chadi Bahouth, Ellen Diehl und Anna-Lena Koschig organisiert worden war.

Seminar für Asylbewerber

An Freisinger Gymnasium: Deutschstunde auf Arabisch

Freising - Mit ihrem Seminar „Demokratische Bildung" leistet die Friedrich-Ebert-Stiftung einen  Beitrag zur Integration von Asylbewerbern. Der Workshop in Freising zeigt: Auch wenn Deutsche und Syrer zur Kommunikation noch Dolmetscher brauchen – mit dem Kontakt wächst das Verständnis füreinander.

Die Asylbewerber lernen schnell. Seit eineinhalb Tagen beschäftigen sie sich mit den deutschen Gesetzen, da will einer wissen: „Wenn ihr hier Gleichberechtigung habt – warum müssen die Frauen dann nicht zur Bundeswehr?“ Peter Warlimont, an den die Frage gerichtet ist, lacht. „Ich denke, dass ist historisch gewachsen“, antwortet der SPD-Politiker aus Freising. „Frauen erziehen Kinder, Männer kämpfen.“ Dann berichtet er, dass Frauen zwar seit einigen Jahren zum Militär gehen können, das aber nicht müssen. „Und warum nicht?“, insistiert der junge syrische Mann, und Warlimont gibt ihm Recht. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es für jeden jungen Menschen ein Jahr Dienstpflicht – „egal, ob bei der Bundeswehr, der Feuerwehr, im Krankenhaus oder einer sozialen Hilfsorganisation“.

Der Besuch eines Politikers gehört zum Konzept des Seminars „Demokratische Bildung“, das die Friedrich-Ebert-Stiftung Flüchtlingen bundesweit anbietet (siehe Kasten). Zum Freisinger Camerloher-Gymnasium sind 15 Teilnehmer gekommen – alle Syrer, die meisten jung und männlich. Zwei Tage lang beschäftigen sie sich mit dem Grundgesetz, der deutschen Geschichte und dem politischen System. Der Workshop findet auf Arabisch statt, um zu gewährleisten, dass die Teilnehmer die Inhalte auch verstehen. „Und um einen Dialog auf Augenhöhe führen zu können“, sagt Chadi Bahouth, der das Seminar leitet.

Mit Hilfe seiner Übersetzung kommt auch zwischen Warlimont und den Syrern ein lebendiges Gespräch zustande. Die Teilnehmer bringen ihre kleineren Probleme in den Unterkünften zur Sprache, vor allem aber auch ihre große Sorge: den Familiennachzug. So berichtet einer, dass er seit einem Jahr auf seine Anerkennung warte. Ohne die könne er seine Frau nicht nachholen. „Dass ich hier in Sicherheit bin, während sie in Syrien in großer Gefahr lebt, ist für mich sehr bedrückend.“ Ein anderer erzählt, dass viele nur noch eine einjährige Aufenthaltsgenehmigung bekämen. Die aber reiche nicht, um Familiennachzug beantragen zu können. „Da ist es mir fast lieber, wieder zurückzugehen.“ Und ein dritter berichtet davon, dass er dafür Verständnis habe, dass sich die Bearbeitungszeit hinziehen könne, nicht aber, dass, wie geschehen, Asylbewerber, die später ins Land kämen, früher ihre Anerkennung in den Händen hielten. „Das sorgt für Unruhe in den Unterkünften.“

Warlimont versichert, dass er die Probleme an die Heimatabgeordneten weitergeben werde, und er nimmt sich nach der Debatte auch Zeit, mit einzelnen Teilnehmern deren Unterlagen durchzugehen. Falsche Hoffnungen aber will er nicht wecken. „Dort Merkel, hier BAMF, da ich“, macht er deutlich und reckt dabei seinen Arm zunächst so hoch es geht, hält ihn dann auf Bauchhöhe und kommt bei seinem Namen mit der Handschließlich einen Zentimeter vor dem Teppichboden an.

Warlimonts Fazit: „Wir Deutschen haben Arabisch eigentlich bisher nur beim Fernsehsender Al Jazeera oder in IS-Videos gehört. „Wenn man die Sprache von sympathischen Leuten wie euch hört, bekommt sie für uns zum ersten Mal etwas Normales.“ Auch die Flüchtlinge kennen Vorurteile. In arabischen Medien würde ein Bild von Europa gezeichnet, das dazu führe, dass man dort gar nicht hinfahren wolle. „Und dann sind wir hierher gekommen und haben so viel Mitmenschlichkeit erfahren.“

Lernen verstehen, sich einbringen

Über zwei Tage erstreckt sich der Workshop „Demokratische Bildung (Auf Arabisch)“, den die Friedrich-Ebert-Stiftung seit Ende vergangenen Jahres bundesweit anbietet. „Am ersten Tag geht es viel um Theorie“, erklärt Chadi Bahouth, der das Seminar in Freising leitete. Ein großes Thema seien die Grundrechte, die bei den Teilnehmern oft zu einem Aha-Effekt führen würden. „Viele sagen: ,Wow, ich wusste gar nicht, dass mir diese Rechte zustehen. Ich muss gar nicht als Bittsteller kommen, sondern das steht mir zu.’“ Das politische System der Bundesrepublik mit seinen Kontrollmechanismen ist ebenso Thema wie die deutsche Geschichte von der Weimarer Republik über die NS-Zeit bis hin zur Wiedervereinigung.

Am zweiten Tag finden Rollenspiele statt, um das Gelernte zu erproben. „Es geht darum, dass sich die Teilnehmer in andere Personen einfühlen“, sagt Bahouth. „Dass sie Verfassungswerte auch aushalten können – etwa Meinungen, die einem nicht gefallen.“ Deshalb sollen die Asylbewerber beispielsweise auch in die Rolle von Pegida-Anhängern schlüpfen. Am Ende des Seminars wird eine Wahl durchgeführt, die nicht nur als demokratische Übung dient. „Die Gruppen sollen sich organisieren, um sich mit ihren jeweiligen Qualitäten bei der Integration zu unterstützen“, betont Bahouth. „99 Prozent der Asylbewerber wollen integriert sein.“

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