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Farbpulver in die Luft schleudern, ist die Hauptattraktion bei einem Holi-Festival, wie es vor gut zwei Jahren an der Stoibermühle über die Bühne ging. Diesmal erhärtet sich der Verdacht, dass es das Fest, für das im Internet Werbung gemacht wird und für das auch schon Karten verkauft wurden, gar nicht geben wird.

Eine Veranstaltung, die es offenbar gar nicht gibt

Das Geister-Festival: Ominöser Kartenverkauf via Facebook

Freising - Seit Wochen wird auf Facebook Werbung für ein Festival gemacht, das angeblich am 2. Juli in Freising steigen soll. Sogar Tickets wurden schon verkauft. Doch das Event ist äußerst fragwürdig.

Immer wieder wurde auf Facebook die Spannung auf ein besonderes Event in Freising angeheizt. „Freut euch auf ein wunderbares Holi-Festival mit viel bunter Farbe, coolen DJs, netten Leuten“, heißt es beispielsweise in einem Post, der am 7. April auf der Facebook-Seite „Sei Bunt Festival Freising“ getätigt wurde. Und weiter im exakten Wortlaut: „Karten gibt es in den kommenden Tag online zu erwerben. Wir halten euch auf dem Laufenden.“ Die Ankündigungen stießen auf großen Anklang – knapp 2000 Leute „interessieren sich dafür“, wie es im Facebook-Jargon so schön heißt. Am 24. April wurde dann angekündigt: „Das Rennen um die Tickets ist eröffnet“ – darunter das Foto eines galoppierenden Hundes.

Neue Wendung: Jetzt meldet sich der Veranstalter zu Wort

Seitdem aber verliert sich die Fährte – und bei den Interessenten ist das große Rätselraten ausgebrochen. Denn trotz vieler Anfragen werden kaum und nur vage Informationen zu dem Festival herausgerückt – etwa, dass das Event am 2. Juli stattfinden soll und Lewis Holohan aus Großbritannien sowie DJ Deluxe auflegen sollen. Keiner indes weiß, wo in Freising das Event genau stattfinden soll. Nirgendwo findet sich ein Hinweis auf die Veranstalter – kein Impressum, nichts. Ein Freisinger, der sich mit der Organisation von Veranstaltungen in der Domstadt auskennt, aber lieber anonym bleiben möchte, hat das FT deshalb auf den Fall aufmerksam gemacht.

Wer draufklickt, dem wird eine türkische Stadt angezeigt

Bei der Recherche stellt sich heraus, dass das Festival bereits auf mehreren Online-Plattformen beworben wird. Auch hier nirgendwo ein Wort über den Veranstalter. Dafür variieren die Informationen über den angeblichen Veranstaltungsort. So verweist „Eventrakete“ auf eine Google-Maps-Karte. Wer draufklickt, sieht: Es handelt sich um einen Ausschnitt der türkischen Stadt Bayrakli. Auf der Veranstaltungsseite „Eventful“ wird die Gregor-Mendel-Straße 2 als Adresse angegeben – es ist die Anschrift der Universität, genauer gesagt die Studienfakultät für Ernährungswissenschaften. Auf FT-Nachfrage erklärte eine Sprecherin der Studienkoordination, dass man davon nichts wisse – kein Einzelfall.

Beim Ordnungsamt der Stadt Freising, bei der Veranstaltungen angemeldet werden müssen, ist ebenfalls nichts von einem "Sei-Bunt-Festival" bekannt, wie Pressesprecherin Christl Steinhart erklärt: „Mittelgroße bis große Veranstaltungen werden in der Regel allerspätestens zwei Wochen vorher, eher einen Monat vorher angemeldet.“ Auch Nikolaus Hainthaler, Wirt an der Stoibermühle, an der vor zwei Jahren ein Holi-Festival mit mäßigem Erfolg stattfand, kann nicht weiterhelfen: „Bei mir findet dieses Jahr nichts statt.“

Das Problem: Offenbar wurden bereits Karten zum Preis von 13 bis 18 Euro an den Mann gebracht. So hieß es auf der Facebook-Seite am 7. April, 20 Tage vor der offiziellen Eröffnung des Ticket-Rennens: „Wir haben fast 500 Tickets verkauft... Ihr seid soooooo Wahnsinn.“ Ein User gibt an, schon Karten erworben zu haben, die ihm bereits ausgehändigt worden seien. Inzwischen glaubt aber auch er an einen Betrug: „Ich gehe davon aus, dass hier nichts stattfindet.“

Das Ticketportal sagt: "Das sieht nicht in Ordnung aus"

Ein Link auf der Facebook-Seite, der zum Kartenvorverkauf weiterleitet, führt zu dem globalen Ticketdienstleister Eventbrite, der unter anderem einen Sitz in Berlin hat. Das Unternehmen bietet Veranstaltern weltweit die Möglichkeit, sich auf seiner Internet-Plattform anzumelden, dort individuelle Event-Seiten zu erstellen und Tickets online zu verkaufen. Als das FT Eventbrite auf das ominöse Festival hinweist, wird sofort eine Überprüfung eingeleitet. „Wir haben den Fall an unser Trust-and-Safety-Team weitergeleitet“, berichtet Sebastian Boppert, der für die europaweite PR zuständig ist und sich aus Dublin beim FT meldet. Seine erste Einschätzung: „Das sieht nicht in Ordnung aus.“ Vor allem dass der Verkauf inzwischen gestoppt wurde, macht ihn stutzig. Er vermutet, dass die Strippenzieher bereits in Deckung gegangen sind. Nachvollziehbar nach dem ganzen Argwohn, der auf Facebook bereits geäußert wurde.

Wer der ominöse Veranstalter ist, und wie viele Karten bereits verkauft wurden, teilt Boppert aus Datenschutzgründen nicht mit – dafür aber, was passiert, wenn es sich tatsächlich um eine Betrugsmasche handelt. „Dann werden wir den Veranstalter kontaktieren, und das Konto wird zugemacht.“ Und noch wichtiger für die Betroffenen: „Sofern das Geld noch bei uns ist, werden die entstandenen Kosten zurückerstattet.“

Was ist ein "Holi-Festival"?

Das "Holi Festival" ist ein aus Indien stammendes Spektakel, bei dem alle Teilnehmer nach einem Countdown Farbpulver in die Luft werfen. In den vergangenen Jahren fand diese Art von Festival, bei dem auch DJs für Stimmung sorgen, in Deutschland großen Anklang. Vor zwei Jahren fand ein Holi-Festival an der Stoibermühle bei Freising statt – allerdings mit eher mäßiger Beteiligung.

von Manuel Eser und Victoria Stettner

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